1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Autor Arno Strobel liest in Klausen aus neuem Roman „Sharing“

Autorenlesung : Spannung und Abgründe in Kirchenmauern

Vor rund 100 Besuchern las Arno Strobel in der Wallfahrtskirche Klausen aus seinem neuen Thriller „Sharing“ und signierte Bücher.

Lässig mit Jeans, Weste, Turnschuhen und verschmitztem Lächeln kam Arno Strobel zur Lesung und begrüßte sein Publikum herzlich. Er startete mit einer Kurzgeschichte, die sich mit der Corona-Krise und der Quarantäne beschäftigt. Zu seinem neuen Werk „Sharing“ sagte Strobel, dass es in „Real-Time“ geschrieben ist. Das bedeutet, man braucht etwa sechs bis sieben Stunden, um es zu lesen. Und über einen solchen Zeitraum zieht sich auch die Handlung.

Arno Strobel steigt bei „Sharing“ gleich mit einer brutalen Szene ein. Es geht um das Ehepaar Bettina und Markus Kern. Sie wurde entführt, ist gefesselt, nackt und hat Schmerzen. Unbekleidete Männer mit Ledermasken betreten den Raum. Das Ganze wird im „Darknet“ übertragen, und der Ehemann kann nichts dagegen tun. Im Lauf des Buchs muss er Aufgaben übernehmen, um Schlimmeres zu verhindern. Strobel legt Wert darauf, dass es im Buch keine explizite Beschreibung von Gewalt gebe. Er sagt: „Die Szene war für die Geschichte un­abdingbar.“

 Autor Arno Strobel war bereits zum zweiten Mal in Klausen, um einen neuen Thriller vorzustellen. Diesmal war es „Sharing“.
Autor Arno Strobel war bereits zum zweiten Mal in Klausen, um einen neuen Thriller vorzustellen. Diesmal war es „Sharing“. Foto: Christina Bents

Wichtig ist für Strobel, der zu den meistgelesenen Thriller­autoren Deutschlands zählt, der Dialog mit seinen Lesern. Sie können ihm bei seinen Auftritten Fragen stellen. Ein Besucher wollte wissen, ob der Schreibprozess bei jedem Buch gleich sei. Das Thema komme zuerst – und er lege immer fest, wo das Buch enden solle, erklärte der Autor. Erst dann könne er die Handlung lenken und etwa falsche Fährten setzen. „Die Hauptpersonen lasse ich aber einfach losrennen und bin manchmal selbst überrascht, was sie so tun“, erzählt Strobel. Ein weiterer Besucher wollte wissen, wie es um die Verfilmung seiner Bücher steht. Darauf verkündete Strobel, dass sein Buch „Offline“ noch dieses Jahr verfilmt wird und es insgesamt fünf Film­optionen gebe.

An den Drehbüchern schreibt er selbst nicht mit, weil die Dramaturgie im Film eine komplett andere ist als bei einem Buch.

 Susanne Assmann und Bianca Stadtfeld: „Es war unsere erste Lesung, bei der wir waren. Es hat uns sehr gut gefallen. Man liest die Bücher noch lieber, wenn man weiß, wer sie geschrieben hat.“
Susanne Assmann und Bianca Stadtfeld: „Es war unsere erste Lesung, bei der wir waren. Es hat uns sehr gut gefallen. Man liest die Bücher noch lieber, wenn man weiß, wer sie geschrieben hat.“ Foto: Christina Bents
 Stephanie Ganz: „Die Lesung war sehr gut. Ich habe fünf Bücher von ihm gelesen. Er ist ein sehr sympathischer Autor, und das Ambiente in der Kirche fand ich passend zum Inhalt des Buches.“
Stephanie Ganz: „Die Lesung war sehr gut. Ich habe fünf Bücher von ihm gelesen. Er ist ein sehr sympathischer Autor, und das Ambiente in der Kirche fand ich passend zum Inhalt des Buches.“ Foto: Christina Bents
 Astrid Ludwig-Molitor und Hermann Molitor: „Wir fanden es spannend, dass er von seinen Erlebnissen in der Corona-Zeit und von sich als Mensch erzählt hat. Zudem ist er auf die Fragen des Publikums eingegangen. Der Anfang des Buchs hat uns betroffen gemacht.“
Astrid Ludwig-Molitor und Hermann Molitor: „Wir fanden es spannend, dass er von seinen Erlebnissen in der Corona-Zeit und von sich als Mensch erzählt hat. Zudem ist er auf die Fragen des Publikums eingegangen. Der Anfang des Buchs hat uns betroffen gemacht.“ Foto: Christina Bents

Im Gespräch mit Pater Albert Seul erklärt der Autor zum Thema Gewalt: „In meinen Büchern ist Gewalt an Kindern ein absolutes Tabu. Gewaltbeschreibungen setze ich nur dort ein, wo es für die Geschichte wichtig ist und versuche, vieles nur anzudeuten und den Rest der Phantasie der Leser zu überlassen.“ Oft würde er gefragt, ob er Albträume bekomme von dem, was er schreibe. „Das kann ich ganz klar verneinen. Albträume verursachen mir die wahren Schicksale der Opfer von realen Gewaltverbrechen, die mir von erfahrenen Kriminalbeamten berichtet werden.“

Deshalb engagiert Strobel sich für den Weißen Ring, der sich für Opfer von Kriminalität und Gewalt einsetzt. Momentan läuft seine Benefiz­aktion, „Sharing Spenden Walk“, bei der für den Weißen Ring gesammelt wird. Erst waren 500 Kilometer angepeilt, inzwischen sind es aber 33 000 Kilometer, die schon gelaufen worden sind. Zum Auftakt ist er fünf Kilometer mit 25 seiner Leser gegangen. Das Spendenschwein für den Weißen Ring, das er mit nach Klausen gebracht hatte, wurde ebenfalls fleißig gefüttert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Arno Strobel liest in Klausen