B 50 bahnt sich ihren Weg neu

Wer von Bernkastel-Kues über Longkamp in den Hunsrück fährt, kann derzeit heftige Bauarbeiten beobachten: Der Neubau der B 50 schreitet schnell voran, Bagger und Lastwagen sind im Einsatz. Bis 2018 soll die Straße fertig sein.

Science-Fiction-Fans kennen den Begriff: "Terraforming". Dabei geht es darum, mit viel Technik neue Planeten fern der Erde für menschliche Verhältnisse umzugestalten, Landschaften zu modellieren und eine Atmosphäre aufzubauen. Nun, ganz so extrem ist es nicht, wenn man von Bernkastel-Kues aus über den Tunnel Richtung Longkamp fährt.

Aber trotzdem zeigt sich, dass dort die Landschaft oberhalb der Graacher Schäferei stark verändert wird. Bagger fressen sich durch Erdreich, LKW fahren das Material an andere Stellen, wo es wieder ausgebracht wird. Dort wird die B 50 neu gebaut, die den von der Eifel kommenden Hochmoselübergang an das Straßennetz im Hunsrück anschließt. Dieser Abschnitt ist ein Teil des Ausbaus eines europäischen Fernstraßensystems, das die Containerhäfen in Holland und Belgien besser an das Rhein-Main-Gebiet anbinden soll. Wann ist das Bauvorhaben fertig? Welche Dimensionen hat es?

Der TV hat bei der zuständigen Behörde, dem Landesbetrieb Mobilität in Trier, nachgefragt. Hans-Michael Bartnick, stellvertretender Leiter beim LBM, gibt Auskunft.

Wie viele Kilometer Straße werden ab Brücke auf dieser Seite gebaut, wie viele Spuren hat sie?
Bartnick: Es werden rund 14,5 Kilometer Straße mit vier Spuren gebaut.

Gibt es in diesem Bereich, neben dem Hochmoselübergang, auch noch weitere Brücken, zum Beispiel für Landwirtschaft oder Wild?
Bartnick: Insgesamt werden 17 Bauwerke errichtet. Davon vier Wirtschaftswegebrücken, zehn Grünbrücken für Wild, auf denen teilweise Wirtschaftswege angelegt sind und drei sonstige Über- oder Unterführungsbauwerke, damit andere bestehende Straßen, die die B 50 neu kreuzen würden, unter- oder überfahren werden.

Wie viel Erde muss für diese Bauarbeiten im Hunsrück bewegt werden?
Bartnick: Es sind rund 1,8 Millionen Kubikmeter Erde.
(Das entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von 121,64 Metern, Anm. der Redaktion).

Wie viele Lastwagen sind täglich im Einsatz?
Bartnick: Das ist unterschiedlich. Im Einsatz sind zwischen zehn und 20 Lastkraftwagen sowie sogenannte Dumper. Das sind Muldenkipper, die nicht auf Straßen zugelassen sind, mit einem Ladevolumen von zirka 15 Kubikmeter.

Wie viele Leute sind dort derzeit beschäftigt?
Bartnick: Auch das variiert. Aber es gibt Zeiten in denen bis zu 95 Personen dort im Einsatz sind.

Was kostet dieser Teil der Maßnahme?
Bartnick: Der Bau dieses Abschnitts der B 50 neu kostet rund 40 Millionen Euro.

Wann haben die Bauarbeiten begonnen?
Bartnick: Im Sommer 2015.

Wann ist die neue Straße fertig?
Bartnick: Auf Grund der je nach Witterung andauernden Winterpausen ist im Laufe des Jahres 2018 mit der Fertigstellung zu rechnen. Dies korrespondiert mit der voraussichtlichen Fertigstellung der Hochmoselbrücke.

Wie viele Autos werden in Zukunft über die B 50 neu fahren?
Bartnick: Da es sich um eine Neubaustrecke handelt, ist das Verkehrsaufkommen bisher über das örtliche vorhandene Straßennetz abgewickelt worden. Wir rechnen nach einer Prognose für das Jahr 2025 mit einem Verkehrsaufkommen von bis zu 22 500 Autos täglich.Extra

Viele Dinge, die man in den Geschäften kaufen kann, kommen aus fernen Ländern. Oft werden die Waren mit Schiffen zum Beispiel von Japan nach Europa gebracht. Diese Schiffe legen in den Häfen in Belgien und Holland an. Von da aus geht es auf der Straße weiter nach Deutschland, zum Beispiel nach Frankfurt. Aber bisher war der direkte Weg schwierig, weil die Lastwagen durch das Moseltal fahren mussten. Deshalb wird jetzt eine große, breite Straße von der Eifel über die Mosel in den Hunsrück gebaut. Und dafür müssen viele Bagger herumfahren und Erde abtragen, damit die Straße gebaut werden kann. hplExtra

Der Bau der B 50 neu ist der dritte Bauabschnitt eines Lückenschlusses zwischen der Autobahn A 60 in der Eifel und der Verbindung durch den Hunsrück bis in den Frankfurter Raum. Ein erster Abschnitt führt in der Eifel von Platten Richtung Mosel. Dort geht es über den Hochmoselübergang, das derzeit größte europäische Brückenbauprojekt. Die Hochmoselbrücke führt bei Zeltingen-Rachtig in einer Höhe von 160 Metern über das Moseltal. Die Brücke ist 1,7 Kilometer lang. Die Länge der gesamten Neubaustrecke beträgt 25 Kilometer. hpl
Korrektur
Rechenfehler: In der ersten Version des Artikels hieß es, dass 1,8 Millionen Kubikmeter einem Würfel mit einer Kantenlänge von 180 Metern entsprechen. Das ist nicht der Fall. Tatsächlich müsste ein solcher Würfel eine Kantenlänge von 121,64 Metern haben, wie mehrere Mathematiklehrer ausgerechnet haben. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.