B 50: Bauern suchen neue Wege

Die Arbeitsgemeinschaft regionale Verkehrsentwicklung sucht zusammen mit der Politik Alternativen zur Nutzung der Bundesstraße 50 durch Traktoren. Und dass, obwohl ihr Vorsitzender Willi Feilen erst kürzlich vor Gericht erstritten hat, dass langsame Fahrzeuge auf der Straße wieder fahren dürfen.

Sohren. Der Weiperather Landwirt Willi Feilen sieht kein Problem darin, die vierspurige Bundesstraße B 50 für Traktoren freizugeben. "Bei dem jetzigen Verkehrsaufkommen kann die Straße den landwirtschaftlichen Verkehr verkraften", sagte er bei der Jahreshauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft regionale Verkehrsentwicklung in Sohren. Feilen war es, der vor Gericht erstritten hatte, dass die Traktoren zwischen Büchenbeu-ren und Simmern wieder auf die Trasse dürfen (siehe Extra). Doch gab es bei der Versammlung, zu der Kommunalpolitiker der Orte entlang der Strecke eingeladen waren, auch andere Meinungen. Landrat Gregor Eibes sagte: "Traktoren auf der B 50 sind in meinen Augen eine Gefahrenquelle" und forderte: "Wir brauchen Alternativen für landwirtschaftliche Fahrzeuge."
Wirtschaftswege unbrauchbar


Feilen zeigte sich dafür offen. Die Alternative seien Straßenführungen neben der B 50, die für die Landwirte zumutbar seien, sagte er. "Oft braucht es bei den vorhandenen Straßen nur kurze Lückenschlüsse." Dann könne die B 50 Kraftfahrstraße bleiben.
Wirtschaftswege als Alternative lehnten Feilen und seine Mitstreiter von der Arbeitsgemeinschaft ab. Die Begründung: Auf diesen sei kein Begegnungsverkehr möglich. Zudem dürften sie nur von Anliegern und nicht von durchfahrenden Landwirten genutzt werden. Ebenfalls unzumutbar seien Strecken, die die Fahrzeiten für die Landwirte erheblich verlängerten.
Feilen schlug als Alternative für die B 50 zwischen Hinzerath und Büchenbeuren vor, die jetzige Hunsrückhöhenstraße für den langsamen Verkehr offen zu lassen und die B 50 daneben komplett neu zu bauen. Nach den bisherigen Planungen soll die Hunsrückhöhenstraße zur Kraftfahrstraße ausgebaut werden, so dass für den langsamen Verkehr künftig die gleiche Situation wie zwischen Büchenbeuren und Simmern eintreten würde.
"Bisher hat man uns ignoriert. Die Klage war Notwehr", sagte der Kirchberger Landhändler Jörg Piroth. Seit 1997 hätten Anwohner, Landwirte und die Arbeitsgemeinschaft das Gespräch mit dem Landesbetrieb Mobilität gesucht, sagte er. Die Belange des langsamen Verkehrs und der Landwirte seien jedoch nie ausreichend gewürdigt worden. "Man wollte schnell eine Straße, und man wollte eine schnelle Straße", sagte Piroth.
Wohin dies führt, beschrieb der Mutterschieder Landwirt Hans Schön. Er müsse derzeit mit seinen breiten landwirtschaftlichen Maschinen statt über die B 50 durch die Innenstadt von Simmern fahren. "Das ist eine Katastrophe", sagte Schön. Nicht nur Landwirte seien nachteilig betroffen, sagte Rudolf Bast vom Maschinen- und Betriebshilfsring Rhein-Hunsrück. Auch der Rentner, der für eine Fahrt in den Nachbarort nicht über die autobahnähnliche Straße fahren wolle, brauche eine Alternative. Die will die Arbeitsgemeinschaft zusammen mit der Politik finden.
Extra

Bislang ist die vierspurige B 50 zwischen Simmern und Büchenbeuren als Kraftfahrstraße ausgewiesen. Das heißt, Fahrzeuge, die langsamer als 60 Kilometer pro Stunde fahren, dürfen sie nicht nutzen. Das Verwaltungsgericht hat diese Regelung gekippt, die Einschränkung ist hinfällig. Doch noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat einen Antrag auf Zulassung der Berufung gestellt. Über diesen ist noch nicht entschieden. Das bedeutet, die B 59 ist weiterhin als Kraftfahrstraße ausgeschildert. Der LBM sieht durch den langsamen Verkehr die Sicherheit erheblich gefährdet. "Dann können nicht nur Traktoren, sondern auch Radfahrer und Pferdekutschen die B 50 künftig nutzen", hieß es nach dem Urteil. cst

Mehr von Volksfreund