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Badebetrieb vorübergehend eingestellt

Badebetrieb vorübergehend eingestellt

In Trier-Süd lässt es sich gut wohnen, feiern, arbeiten, trinken - das hat unsere Stadtteiltour bewiesen. Doch ausgerechnet das reichste kulturelle Erbe des Viertels macht schon lange keinen besonderen Eindruck mehr: Die Einheimischen haben sich aber an die andauernde Sperrung der Barbarathermen längst gewöhnt.

Trier. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass das Gelände der Barbarathermen vergessen oder aufgegeben wurde: Weite Teile der seit 2003 gesperrten Ruinen werden von teils kruden Holzkonstruktionen verdeckt, die allmählich verwittern und unansehnlich werden. Die Anwohner haben sich daran gewöhnt, für viele Touristen ist der Anblick aber eine herbe Enttäuschung, nachdem die antiken Ruinen von Porta Nigra, Basilika oder Amphitheater zu begeistern wussten.
Ein Zustand, der auch Georg Breitner schmerzt: Der Archäologe arbeitet am Landesmuseum und ist seit rund eineinhalb Jahren im Auftrag der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) für die Vermittlung der Trierer Unesco-Denkmäler zuständig - und würde lieber heute als morgen die Barbarathermen wieder angemessen präsentieren.
"Die Barbarathermen liegen mir wirklich sehr am Herzen", sagt der 46-Jährige. "Das hier war schließlich mal die zweitgrößte Anlage des gesamten römischen Reichs." Die Zahlen sind auch für heutige Verhältnisse kaum zu fassen. Der ganze Bereich überspannte mit einer Seitenlänge von 170 mal 250 Metern eine Fläche von 42 500 Quadratmetern. Es gab kalte, lauwarme und heiße Bäder, Ruheräume, Lichthöfe und einen vorgelagerten großen Platz, wo heute die Südallee verläuft. "Es wäre wünschenswert, dass die Menschen die einstige Pracht und Bedeutung wieder mehr wahrnehmen - und dabei auch die antike städtebauliche Achse aus Thermen, Römerbrücke, Forum und Amphitheater."
Doch es gibt einige Hindernisse: Auf dem Gelände wird nämlich durchaus emsig geforscht, versichert Breitner: "Auch, wenn man das nicht immer so wahrnimmt." In den vergangenen Jahren seien etwa viele antike Gebäudereste freigelegt worden, die jetzt aber wieder vor der Witterung geschützt werden müssen - und deshalb auch dem Auge verborgen. Außerdem vertrage der empfindliche Grund keine Massen von Touristen - von deren eigener Sicherheit mal ganz abgesehen: Das Gelände strotzt nur so vor fiesen Stolperfallen. "Die Frage ist also: Wie bekommen wir Leute auf das Gelände, ohne dass sie das Gelände betreten?", sagt Breitner. Und: Wie macht man die Ausmaße der Thermen erfahrbar? Neben ihrer gigantischen Fläche auch die unfassbare Höhe? Schon in dem Saal mit dem Kaltbecken (Frigidarium) hätte problemlos die gesamte Porta Nigra Platz gefunden. "Er war nur ein wenig kleiner als die Basilika", sagt Breitner.
In den Kaiserthermen werden in Kürze transparente Acrylplatten aufgestellt, auf denen die Anlage in ihrer einstigen Pracht dargestellt ist. Das Bild überlagert sich dann mit dem heutigen Panorama und verdeutlicht, dass die römischen Bauten nicht nur zu ihrer Zeit ehrfurchtgebietend waren. Eine ähnliche Lösung wäre auch in Trier-Süd denkbar.
"Wir wollen in den nächsten zwei Jahren etwas auf die Beine stellen", gibt Breitner einen ungefähren Zeitrahmen vor - und verweist alle, die so lange nicht warten wollen, auf die Ausstellung "Ein Traum von Rom" im Landesmuseum: Dort gibt es eine aktuelle Rekonstruktion der Barbarathermen, in die die Daten eingeflossen sind, die in den letzten Jahren in Trier-Süd gewonnen wurden.
Achtung, nicht bummeln: Die Ausstellung läuft in Trier nur noch bis zum 28. September. fgg
Mehr aktuelle Fotos aus den Barbarathermen finden Sie unter volksfreund.de/fotos