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Baden in der Mosel: Ein riskantes Vergnügen

Baden in der Mosel: Ein riskantes Vergnügen

Erneut klettern die Temperaturen in diesen Tagen über die 30-Grad-Marke. Viele Menschen zieht es bei dieser Hitze ins Wasser, auch in die Mosel. Das Baden im Fluss ist zwar grundsätzlich erlaubt, aber nicht ganz ungefährlich.

Bernkastel-Kues. Idyllisch ist es am Moselufer in Brauneberg. Nicht so laut und übervölkert wie in den Freibädern. Kally Kapfenberger aus Morbach springt in den Fluss und kühlt sich ab. Die 18-Jährige ist mir ihrer Freundin gekommen. Sie sagt: "Ich bin in Brauneberg aufgewachsen, und es zieht mich immer wieder an und in die Mosel."
Doch das Schwimmen in der Mosel ist weitaus gefährlicher als im Becken. Es gibt keine Schwimmmeister, die im Notfall eingreifen, dafür aber große Frachtschiffe. "Wellenschlag, Verwirbelungen und der Sog in Schiffsnähe können auch für geübte Schwimmer sehr gefährlich sein", sagt der Leiter der Wasserschutzpolizei Bernkastel-Kues, Gerd Michler.
Auf keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, ein Schiff anzuschwimmen. Unberechenbar sei auch die Strömung.
Wilde Camper hinterlassen Müll


Michler: "Ich bin vom Rhein, und dort ist die Strömung noch stärker. Aber auch die Moselströmung sollte man nicht unterschätzen." Zum Vergleich: Die Fließgeschwindigkeit der Mosel beträgt bei normalem Sommerwasserstand etwa drei bis fünf Kilometer pro Stunde, der Rhein bringt es je nach Örtlichkeit auf fünf bis zwölf Kilometer pro Stunde.
Grundsätzlich ist das Baden in der Mosel erlaubt, es gibt aber Ausnahmen. So ist es verboten, 100 Meter oberhalb und 50 Meter unterhalb von Häfen, Schiffanlegestellen, Werften und Fähren zu baden. An den Schleusen beträgt die einzuhaltende Verbotszone gar 300 Meter.
Einen riskanten Spaß leisten sich manche junge Leute, wenn sie im Übermut von einer Brücke in die Mosel springen. "Das gilt als grober Unfug und ist daher verboten", erklärt Michler. Wer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Mehr Ärger als die Schwimmer machen nach Auskunft von Michler die wilden Camper am Ufer. Einige würden sogar verbotenerweise die Wege der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung benutzen, um mit dem Auto bis ans Wasser zu fahren. Und nicht wenige hinterlassen Müll und Dreck. "Wer gegen die Landschaftsschutzverordnung der Mosel verstößt, wird vom Platz gewiesen und muss ein Bußgeld zahlen, sagt Michler.Extra

Der Schiffsverkehr ist das eine Risiko, die Belastung der Mosel mit Verunreinigungen das andere. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord rät daher vom Baden in der Mosel ab. In den vergangenen Jahren habe sich die Qualität der Flüsse zwar ständig weiter verbessert, aber trotzdem sei Baden in Fließgewässern nicht ganz ohne Risiko. Auch wenn modernste Kläranlagen hervorragende Arbeit leisteten, könnten nicht alle Verunreinigungen in ausreichendem Maße zurückgehalten werden, so die Behörde. Die derzeit hohen Wassertemperaturen bei gleichzeitig sinkenden Abflüssen der Fließgewässer bildeten ideale Voraussetzungen für die Vermehrung von Mikroorganismen wie Keimen oder Salmonellen. Auch wenn man beim Baden versuche, das Schlucken von Wasser zu vermeiden, gelinge dies nicht immer ganz. Und genau da liege das Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten. Die Gesundheitsämter der Moselkreise, wie Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg, überprüfen regelmäßig nur Badegewässer, in denen "mit einer großen Zahl von Badenden gerechnet wird". Das gilt nicht für die Mosel. Sie ist offiziell kein Badegewässer. Wer in der Mosel bade, müsse sich im Klaren sein, dass der Fluss nicht abwasserfrei und daher in hygienischer Sicht nicht in jedem Fall unbedenklich sei. Die Aufnahme von Wasser sei tunlichst zu vermeiden. sim