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Bahnbrücke wird abgerissen

 Es geht um die hintere dieser beiden Bahnbrücken: Hier fuhren einst die Triebwagen gen Wittlich, und es wird darüber diskutiert, ob die Stadt sie übernehmen soll. Wengerohr entschied sich nun dagegen. TV-Foto: Petra Geisbüsch
Es geht um die hintere dieser beiden Bahnbrücken: Hier fuhren einst die Triebwagen gen Wittlich, und es wird darüber diskutiert, ob die Stadt sie übernehmen soll. Wengerohr entschied sich nun dagegen. TV-Foto: Petra Geisbüsch
WITTLICH-WENGEROHR. Es war ein Vorschlag der Bahn: Die ehemalige Bahntrasse von Wengerohr nach Wittlich, die heute irgendwo im Industriegebiet endet, wird umgewidmet. Auch die Brücke bei Kilometer 0738 wäre für die Stadt zu haben. Fragt sich nur, wofür? ARRAY(0x22e814c80)

So eine Brücke reißt man nicht einfach ab, hatten sich viele politisch Verantwortliche in Stadt und Stadtteil gedacht: Die müsse doch zu irgendetwas nutze sein. Im Stadtrat hatte die SPD den Antrag gestellt, die Brücke nicht abreißen zu lassen. Bei genauerem Hinsehen und vor allem bei genauerem Nachrechnen ergab sich für die Mehrheit aber ein anderes Bild. Angefangen hatte der Stimmungswandel mit einem Ortstermin von Tiefbauchef Karl Daus und Stadtplaner Thomas Eldagsen. Sie stellten fest: So, wie sie dasteht, ist die Brücke für nichts zu gebrauchen. Ohne sich auf eine Summe festzulegen, sprach Daus im Ortsbeirat Wengerohr von großen Investitionen, die nötig seien, um sie ans bestehende Verkehrsnetz anzuschließen. Das Geländer muss ersetzt, die Schienen müssen raus, die ganze Strecke asphaltiert werden. Dafür braucht es Geld. Drei Verwendungsmöglichkeiten standen zur Debatte: Fußgänger-, Fahrradbrücke oder eine Straße im Rahmen eines landwirtschaftlichen Wegenetzes. Für letztere Idee fehlen schlicht die Landwirte - in Wengerohr arbeitet noch genau einer -, außerdem wäre auf der schmalen Trasse nur eine Einbahnregelung möglich. Angesichts des abnehmenden Verkehrs auf der B 50 alt, sobald die Ortsumgehung einmal stehen wird, erübrigen sich die beiden anderen. Hinzu kommt, so Daus, dass Fußgänger selten Umwege in Kauf nehmen, wo es auch anders geht: in diesem Fall schlicht die Straße unterhalb der Brücke queren. Lange wogen die Ortsbeiräte Für und Wider einer Radlerbrücke ab. Wiederholt verwies Brock auf den beidseitig der Straße existierenden Radweg. Sobald die alte Bahnstrecke von der Ideal Standard bis Wengerohr in das Eigentum der Stadt übergegangen sein wird, wird diese Trasse zum Rad- beziehungsweise Wirtschaftsweg hergerichtet. Dadurch erübrigt sich für Radler aus Wittlich in Richtung Mosel sogar die Überquerungshilfe auf der Höhe des Wengerohrer Friedhofs, die Stefan Melcher als lebensgefährlich empfindet: Sie können die gesamte Strecke auf einer Straßenseite fahren, sparen sich den Seitenwechsel beim Stausee.Naherholungsgebiet nahe der Brücke?

Wengerohrs ehemaliger Ortsvorsteher Josef Baller brachte die alte Idee eines Naherholungsgebietes auf dem Areal im Anschluss an die Brücke ins Spiel. Dorthin könne sie den Spaziergänger doch dann leiten, meinte er. Die Idee kam jedoch nicht an: Wenig erholsam sei es da zwischen ICE-Strecke, Autobahnen, Bundesstraßen und Industriegebieten. Brock: "Wir sind doch sowieso ringsum umgeben von Naherholungsgebieten!" Das deutliche Fazit von Karl Daus lautete: "Der LBM (Landesbetrieb Mobilität) und die Bahn lachen sich kaputt, wenn die Stadt die Brücke übernimmt!" Dieser Meinung schloss sich nach der Mehrheit im Bauausschuss auch die Mehrheit der Wengerohrer an. Außer Alfred Ehlen (Enthaltung) und Stefan Melcher (dagegen) stimmte der Ortsbeirat für den Abriss. Eine weitere Berichterstattung zur Beiratssitzung folgt.