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Bald wieder Leben im Bunker "Erwin"?

Bald wieder Leben im Bunker "Erwin"?

Einst spielte er eine zentrale Rolle für die Luftverteidigung, seit einem guten Jahrzehnt ist er nur noch ein bombastisches Relikt des Kalten Krieges: der Bunker "Erwin" bei Börfink. Wird er jemals wieder genutzt werden? Derzeit gibt es Gespräche mit potenziellen Investoren.

Börfink. Seit 1994 ist der frühere Nato-Kommandobunker "Erwin" bei Börfink außer Betrieb. Es gab schon mehrere Anläufe für eine zivile Nutzung. Einige Interessenten, die etwa an die Lagerung von kontaminierten Abfällen oder an den Umbau in eine Freizeitanlage dachten, sind angesichts erheblicher Umbaukosten wieder abgesprungen. Weit gediehen waren schon die Planungen des Informationstechnologie-Riesen 1&1, der hier eine Anlage zur Datensicherung einrichten wollte, dann aber wegen Kabelproblemen verzichtete. Nun gibt es wieder zwei Interessenten aus der IT-Branche.

"Um den früheren Bunker zu nutzen, braucht man ein durchdachtes Konzept, und es sind erhebliche Investitionen nötig", warnt Norbert Kraff, Verkaufsleiter bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), vor vorschnellem Optimismus. Interessant ist der Bunker für die IT-Anbieter vor allem zur sicheren Lagerung von Daten. Immerhin bestehen die Bunkermauern und -decken aus 3,5 bis 4,5 Meter dickem armierten Beton.

Der 1993 fertiggestellte, aber nie in regulären Betrieb genommene Energiebunker 2 verfügt sogar über einen Schirm gegen elektromagnetische Pulse (EMP).

Verhalten optimistisch äußert sich Landrat Axel Redmer über die Chancen, dass in dem Bunker bald wieder gearbeitet wird. "Die Interessenten, einer aus Deutschland und einer aus dem Ausland, haben sich sehr intensiv in die Materie eingearbeitet und mit allen Problemen des Bunkers vertraut gemacht", erklärt der Landrat. "Die bisherigen Interessenten hatten immer die Kosten erheblich unterschätzt."

Mit einer schnellen Nutzung rechnet der Landrat daher nicht, dazu ist die Anlage zu groß und logistisch zu schwierig zu handhaben. Das riesige Bauwerk ist zwischen Börfink und Thranenweier unter dem Waldboden versteckt. Der Komplex besteht aus drei Hauptbunkern. 72 Meter lang, 53 Meter breit und 24 Meter hoch ist allein das Hauptgebäude, jeweils mehr als 50 Meter lang und mehr als 40 Meter breit sind die beiden Energiebunker. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde "Erwin", 1960 bis 1963 und 1975 bis 1977 zum Nato-Kommandobunker umgebaut, militärisch überflüssig.

Interessant für die potenziellen Investoren ist, dass er für IT- und fernmeldetechnische Aufgaben konzipiert wurde und daher von der Stromversorgung bis zur Kühlung und Klimatisierung für die sensible Technik ausgelegt ist. Während seiner Betriebszeit hatte "Erwin" jährliche Stromkosten von mehr als fünf Millionen Mark, konnte sich aber über Notstromanlagen auch selbst versorgen.

Es gibt Überlegungen, diese Aggregate bei einer Wiederinbetriebnahme "Erwins" als zuschaltbare Spitzenkraftwerke zu nutzen.