Bald wird in Ediger-Eller in die Röhre geschaut

Jetzt weiß es auch jeder Autofahrer und Calmontwanderer: Der Kaiser-Willhelm-Tunnel bekommt seine zweite Röhre. Dar auf weist nun ein großes Schild, das am Eisenbahnbrückenkopf in Eller feierlich enthüllt wurde, hin. Mit Häppchen, Sekt und einer ordentlichen Portion Regen enthüllten Offizielle der Bahn, Politiker und Bürgermeister den Hinweis auf die anstehende Jahrhundertbaustelle (TV vom 14. August).

 Gerhard Schinner (Dritter von links), Konzernbevollmächtigter der Bahn für Rheinland-Pfalz und das Saarland, mit dem neuen Schild, Bürgermeistern, der Politik und dem Landrat. Foto: Jens Weber

Gerhard Schinner (Dritter von links), Konzernbevollmächtigter der Bahn für Rheinland-Pfalz und das Saarland, mit dem neuen Schild, Bürgermeistern, der Politik und dem Landrat. Foto: Jens Weber

Ediger-Eller. Großen Bahnhof im Wortsinn gab es in Eller. Eigentlich war es nur ein Schild, das ab sofort dort prangt, wirklich groß ist es auch nicht, aber bei der Bahn scheint man stolz, dass es nun endlich mit dem Mega-Bau losgehen kann. Gerhard Schinner, immerhin der Konzernbevollmächtigte der Bahn für die Länder Rheinland-Pfalz und Saarland, kommt extra an die Mosel, um nicht nur das Schild zu enthüllen, sondern um noch einmal auf die Wichtigkeit dieses Projektes aufmerksam zu machen. Und so sagte er gleich deutlich, warum dieses Projekt bei der Bahn, jedenfalls in Rheinland-Pfalz, ganz oben auf der Prioritätenliste steht: "Mit dem Neubau einer zweiten Tunnelröhre ist sicher, dass auch in Zukunft die Moselstrecke nutzbar bleibt." Denn bei der Bahn schürt man ein bisschen die Angst, dass es sonst mit dem fast 140 Jahre alten Bauwerk irgendwann rapide den Bach runter geht. "Ohne diese Investition müsste in einigen Jahren der Zugverkehr durch den Tunnel eingestellt werden", so die klaren Worte des Bahn-Konzernbevollmächtigten.

So geht es aber bergauf, oder eher in den Berg hinein, denn schon bald werden Bagger und die riesige Bohrmaschine ihren Dienst antreten. In den kommenden Monaten wird mit den Vorarbeiten begonnen - das Baufeld wird vorbereitet. Eine zweite, eingleisige Eisenbahntunnelröhre, knapp 4,3 Kilometer lang, soll bis 2012 durch den Berg nach Cochem gebaut werden.

900 000 Tonnen Gestein müssen ausgebrochen werden. Und zu diesem Punkt kann Schinner gleich versprechen: "Der Löwenanteil wird natürlich über die Schiene abtransportiert." Ein wenig aufatmen können da die Ellerer, die befürchten, dass viele LKW durch das Tal zum Tunnel rollen werden.

Das Gestein wird dann in den Westerwald abtransportiert und dort zu einer Renaturierung in eine Tongrube eingesetzt. Insgesamt werden 77 000 Tonnen Beton in der Tunnelschale verbaut. Und wenn die neue Röhre gebohrt und auch fahrbereit ist, bekommt der alte Kaiser-Wilhelm-Tunnel seinen Glanz wieder. Der wird im Anschluß erneuert und ebenfalls auf den eingleisigen Zugbetrieb umgestellt.

Ein besonderes Spektakel wird sicherlich die Installation der riesigen Bohrmaschine sein. Sie ist zehn Meter breit und etwa 200 Meter lang. Kosten: 15 Millionen Euro. Und nur für diese Mega-Baustelle wird sie hergestellt. Schinner scherzhaft: "Wer danach also einen Tunnel bauen will, der kann sie gerne kaufen."

Der gesamte Tunnelbau samt Sanierung der alten Röhre wird rund 200 Millionen Euro kosten. Und 2016 soll dann alles schon Geschichte sein. In acht Jahren werden die Züge also je eingleisig durch zwei Tunnelröhren zwischen Ediger-Eller und Cochem verkehren.