Balkon statt Treppe am Schlossplatz in Wittlich

Stadtplanung : Treppe am Wittlicher Schlossplatz soll verschwinden

In einem für das Wittlicher Stadtbild sensiblen Bereich will der Bauausschuss ein marodes Bauwerk abreißen und einen Aussichtspunkt schaffen.

Sie ist steil, hat viele Stufen, wird deshalb kaum genutzt und ist dazu auch noch marode: Die Treppe, die in der Kernstadt vom Schlossplatz zum Schlossberg herabführt, bereitet der Stadt Wittlich Probleme. Feuchtigkeit dringt durch das marode Bauwerk in das angrenzende Haus in der Schlossstraße, was den Eigentümer gar nicht freut. „Wie uns ein Gutachter sagte“, so Bürgermeister Joachim Rodenkirch, „sind die Stufen abschüssig und das Bauwerk nicht mehr dicht. Das ist keine Lustplanung – wir müssen was machen.“ Da die marode Treppe allerdings zwischen Schlossplatz, Galerie und Sparkasse in einem hoch frequentierten Bereich liegt, hat der Bauausschuss der Stadt Wittlich beschlossen, den Bereich neu zu planen. Er ist auch für das Stadtbild nicht ganz unbedeutend.

Im Mai hatte der Bau- und Verkehrsausschuss das Büro BGH Plan aus Trier beauftragt, zu überlegen, wie man den Bereich umgestalten könnte.

Christoph Heckel, Geschäftsführer BGH Plan, stellte dem Gremium auf seiner jüngsten Sitzung im Stadthaus erste Planungsskizzen vor. Das wichtigste dabei: Die Treppe am Schlossplatz soll komplett verschwinden und einem Balkon weichen. „Wir haben uns gefragt: Wie kann man es ohne Treppe machen?“

Ergebnis ist ein Balkon samt Unterbau aus Cortenstahl. Wo derzeit die Treppe in die Bergstraße mündet, soll künftig eine bis zu zweieinhalb  Meter hohe Mauer die Rasenfläche begrenzen, so wie es dort bereits im oberen Bereich zu sehen ist. Dabei sei der geplante Balkon „ein architektonisches Zitat“ im Gedenken an die Burg Ottenstein, die ehemals dort ihren Platz hatte.

In der sich anschließenden Diskussion zu den Entwürfen sagte Michael Scheid (FWG): „Über diese Treppe gibt es schon seit 30 Jahren Beschwerden, und es würde niemanden erschrecken, wenn sie weg wäre.“

Die gleiche Meinung teilten auch die anderen Ausschussmitglieder. Zu den Plänen für einen Balkon, der dort künftig am Gebäude an der Ecke Schossberg/Schlossstraße entstehen soll, gab es im Gremium allerdings Diskussionsbedarf. „Dieses Dreieck mit Köpfchen, der Aufbau des Balkons, tut im Auge weh“, meinte Peter van der Heyde (CDU). Heckel: „Wir befinden uns ja noch in der Vorplanung, und das ist nur ein Vorentwurf.“ Wie Werkleiter Lothar Schaefer erklärte, sollte mit der Besprechung der Skizzen erstmal nur die Marschrichtung festgelegt werden. „Wir wollen den Pfad bestätigt haben.“

Joachim Gerke (SPD): „Die Cortenstahl-Fassade ist mir zu wuchtig. Wie wäre es mit einem anderen Material wie einer Schieferverblendung? Cortenstahl scheint mir da das falsche Material zu sein.“ Heckel: „Irgendwie muss man den Balkon aber statisch abfangen, damit er getragen wird.“ Bürgermeister Rodenkirch gefielen dagegen die ersten Skizzen: „Für mich hat es Charme.“

Neben der Ästhetik wurde im Ausschuss auch über die Sicherheit des geplanten Bauwerks diskutiert: „Besteht bei einer zweieinhalb Meter hohen Mauer, welche die Grünfläche umsäumen und an die Stelle der Treppe treten soll, keine Absturzgefahr?“, fragte Ausschussmitglied Stephan Lequen (Grüne).

Grafik: BGH Plan. Foto: BGH Plan
Die Visualisierung des Büros BGH-Plan (Bild links) zeigt den geplanten Balkon auf seinem Unterbau aus Cortenstahl. Das Foto daneben (Bild rechts) zeigt den Ausblick auf die Fassade der Sparkassenfiliale in der Schlossstraße, welcher sich dem Besucher eines Balkons an dieser Stelle bieten würde. Foto: TV/Christian Moeris

Wie Heckel erklärte, seien solche Höhendifferenzen auf vielen öffentlichen Flächen zu finden. Die Planung sehe bislang dort keinen Zaun vor. Die Kosten für den Abriss der maroden Treppe und die Installation eines Balkons samt Unterbau aus Cortenstahl kalkuliert BGH-Plan derzeit auf 83 000 Euro.

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