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Basisdemokratie seit dem Mittelalter

Basisdemokratie seit dem Mittelalter

Sie ist klein und hat einen klaren Schwerpunkt: In der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf spielt der Tourismus eine große Rolle - im Zusammenspiel mit der Weinerzeugung. TV-Redakteur Hans-Peter Linz ist mit dem VG-Bürgermeister Otto-Maria Bastgen durch die VG gereist.

Kröv. Der Reiz der Weinlandschaften ist universal. Ob in der Toskana in Italien, im Burgund in Frankreich im Nappa-Valley in Kalifornien oder eben auch in der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf: Weinanbau, gepaart mit einer außergewöhnlichen Flusslandschaft, ist fast ein Garant für Tourismus. Das können VG-Bürgermeister Otto-Maria Bastgen und sein Team von der Verbandsgemeindeverwaltung bestätigen.

Der Nacktarsch: In der Umgebung des Weinbauortes, der mit seiner Weinlage "Kröver Nacktarsch" weltbekannt wurde, boomt der Tourismus. Im Jahr 2012 gab es 150 770 Besucher in der VG, davon 49 445 aus dem Ausland (32,8 Prozent), erläutert Sonja Müller von der Touristinfo. Insgesamt gab es 654 151 Übernachtungen. Während die Zahl der Gäste in Rheinland-Pfalz von 1982 (18 326 545) bis 2012 (20 420 753) mäßig gestiegen ist, hat sich diese Zahl in der VG Kröv-Bausendorf verdreifacht (53 780 in 1982, 150 770 in 2012). 88 Weinbaubetriebe gibt es in der VG.

Herausforderung Tourismus: Das bedeutet natürlich besondere Herausforderungen an eine Verbandsgemeinde. Otto-Maria Bastgen erläutert: "Wir haben hier viele Winzer mit kleinen Pensionen. Wir gehen mehr in die Breite, was den Tourismus betrifft, wenige Hotels, dafür kleinere Pensionen. Wir legen Wert darauf, dass die Orte authentisch bleiben." Die Ortsgemeinde hält auch ein beheiztes Freibad vor "Wenn man viele Individualtouristen hat, dann muss man als Gemeinde auch ein Freibad anbieten können", sagt Bastgen.

Werbung im Ausland: Neben Deutschen aus Nordrhein-Westfalen und auch den neuen Bundesländern kommen viele Belgier und Niederländer zum Urlaub an die Mosel. "Die Mosel ist sehr bekannt, viele kommen immer wieder. Es ist keine Seltenheit, dass in manchen Orten Gäste für 30 Jahre Treue geehrt werden." Die Touristinformation sei auch auf vielen Messen in Deutschland und Europa vertreten. Neben Pensionen gibt es auch Wohnmobilstellplätze und einen Ferienpark auf der Höhe mit Blick auf die Moselschleife. "Seit wir die A 1 haben und den Anschluss über die A 60 in Richtung Nordwesten, haben wir mehr Touristen aus Belgien."

Moderner Kunstrasenplatz: Maßnahmen, um die Infrastruktur zu verbessern, ließen sich in einer kleinen Verbandsgemeinde schnell und leicht erledigen, meint Bastgen. "Wir haben zehn Ortsgemeinden, die stehen wie ein Monolith zusammen," sagt der VG-Chef. Das Ergebnis dieser gemeinsamen Bemühungen sei zum Beispiel ein neuer Kunstrasenplatz in Reil. "Der entspricht den modernsten Standards. Wir haben dafür 700 000 Euro investiert", freut sich Bastgen, der nebenher die Fußball-Freizeitmannschaft der Bürgermeister im Landkreis organisiert.

Kloster Springiersbach: Die Fahrt geht weiter über idyllische Landstraßen an den Zubringer zum Kloster Springiersbach. Dort wird eine alte Getreidemühle restauriert. "Dafür konnten wir beim Land 300 000 Euro lockermachen," sagt Bastgen.
Gemeindezentrum mit drei Trägern: Ein außergewöhnliches Projekt kann Bastgen in Bausendorf präsentieren. Dort haben Ortsgemeinde, Verbandsgemeinde und Kirchengemeinde gemeinsam ein Gemeindezentrum gebaut, das auch von allen Trägern genutzt wird. Oswald Steinmetz, Ortsbürgermeister, lobt die gute Zusammenarbeit: "Hier sind die verschiedensten Aktivitäten möglich, von der Gesangsprobe des Kirchenchors bis zur Hochzeitsfeier."

Die Kitas der VG und die Ganztagsschule im Alftal seien auf dem aktuellen Stand, kein Renovierungsstau sei zu befürchten. Allerdings gebe es trotz hoher Nachfrage nicht ausreichend Neubaugebiete. "Viele Leute behalten ihre Grundstücke und sind nicht darauf angewiesen, sie zu verkaufen," sagt Bastgen. Freilich sei es begrüßenswert, wenn sich in Zukunft junge Familien in der VG ansiedeln würden. Auf eine selbstbewusste Bevölkerung könnten diese zählen, ist sich Bastgen sicher und erinnert an den historischen Begriff vom "Kröver Reich". Seit 1000 Jahren würden in diesem Gebiet die Bürgermeister, die sogenannten "Zender" demokratisch gewählt. Deshalb seien die Menschen dementsprechend selbstbewusst. "Bei uns wird Klartext geredet", versichert Bastgen.
Extra

Kröv und die benachbarten Dörfer Bengel, Erden, Kinderbeuren, Kinheim, Kövenig und Reil haben seit Jahrhunderten eine gemeinsame Geschichte. Bereits im 14. Jahrhundert bezeichnete man diesen Verbund als "rich". Das liegt daran, dass diese Dörfer ein alter Reichsgutkomplex gewesen sind, der im Besitz von Königen und Kaisern blieb. Innerhalb dieses Komplexes wählten die Dörfer schon früh in demokratischer Abstimmung einen Repräsentanten, der ihre Rechte und Ansprüche gegenüber der Obrigkeit vertreten hat. hplExtra

Die VG Kröv-Bausendorf hat 8675 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Sie verfügt über fünf kommunale Kitas (Bausendorf, Bengel, Flußbach, Kinderbeuren,Kinheim) und drei kirchliche Kitas (Hontheim, Kröv, Reil). s gibt drei Grundschulen (Alftal i Kinderbeuren mit Nebenstelle in Bausendorfl, Kröv, Reil) und fünf Gewerbegebiete (Bausendorf, Bengel, Hontheim, Kinheim, Kröv, Reil). Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 414 Euro. hpl