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Bauern im Kreis wollen Image bei Verbrauchern verbessern

Bauern im Kreis wollen Image bei Verbrauchern verbessern

Eine Podiumsdiskussion und Infostände statt Vorträgen für die Besucher: Die Bauerntagung in Thalfang hat sich in neuem Gewand präsentiert. Vertreter aus Landwirtschaft und Politik haben die gute Qualität der Produkte aus dem Hunsrück betont und über das Image der Bauern beim Verbraucher diskutiert.

Thalfang. Wie können die Landwirte ihr Image bei den Verbrauchern verbessern? Wie gelingt es ihnen, ihre bewirtschafteten Flächen zu erhalten? Das waren die zentralen Fragen bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Bezirkstagung des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich, die unter dem Motto "Bauer sucht Verbraucher" stattfand.
Neues Konzept


Mit der Diskussion ersetzte der Verband die in den Vorjahren übliche Form der Tagung durch Vorträge. Ebenfalls neu in der Thalfanger Festhalle waren die Infostände von Landjugend, Winzerverband und weiterer Institutionen und Firmen.
Das neue Konzept sorgte für spürbar mehr Teilnehmer an der Tagung als in den Vorjahren: Jörg Ritgen, stellvertretender Kreisvorsitzender des Verbandes, schätzte, dass mit den 130 Besuchern rund ein Drittel mehr Personen als in den Vorjahren die Tagung besuchten, die zum ersten Mal auch für Nichtlandwirte geöffnet war.
Die Anzahl der anwesenden Verbraucher schätzte Ritgen auf ein Viertel.
Problem: Bild beim Verbraucher


Das Image der Bauern bei den Verbrauchern war ein großes Diskussionsthema auf dem Podium: "Sie sehen sich als technisch innovative Branche und Stütze der Volkswirtschaft, aber der Verbraucher sieht Sie als rückständige Provinzler, die nicht mal eine Frau auf den Hof kriegen und mit ihrer Intensivbewirtschaftung die Umwelt versauen", sagte TV-Redakteur Dieter Lintz, der die Veranstaltung moderierte, als Einstieg in die Diskussion.
Der Kleinicher Landwirt Björn Faller führte den Rückgang der Zahl der Landwirte als einen Grund an, warum das Image der Bauern gesunken sei: "Dadurch ist das Verständnis der Verbraucher verloren gegangen." Karl-Heinz Engel von den Hochwald-Nahrungsmittelwerken forderte die Bauern auf, ihr Selbstbild und die gute Qualität ihrer Erzeugnisse richtig zu vermitteln. "In Vietnam verkaufen wir unsere Produkte mit deutscher Aufschrift, damit die Verbraucher erkennen, dass die Sachen aus Deutschland kommen", sagte er.
Bei der Frage von Moderator Lintz, ob die Bauern zu viel jammern, übte Manfred Zelder, Vorsitzender der Bauern im Kreis, Selbstkritik: "Als man mich zu Beginn der Veranstaltung gefragt hat, wie es mir geht, habe ich immer gesagt: schlecht."
Sein Verhalten will er jetzt überdenken, denn so könne gar kein positives Bild entstehen.
Zweites Thema: Flächenrückgang


Der Rückgang der landwirtschaftlichen Flächen war ein zweites großes Thema. Zelder bezeichnete diesen Umstand als großes Problem. Neubaugebiete der Kommunen reduzierten die Fläche, Windräder würden auf Ackerland errichtet. Dabei schultere die Landwirtschaft die Energiewende als Lieferant für die Biogasanlagen. "Unser Wohl und Wehe hängt von der Fläche ab", sagte er.
Landrat Gregor Eibes gab ihm in diesem Punkt recht: Die Baugebiete müssten auch daher zurückgefahren werden. Er sprach sich dafür aus, die Innenentwicklung der Städte und Dörfer vor der Außenentwicklung voranzutreiben.

Bezüglich der Flächen, die für Windenergie benötigt werden, warb Hans-Dieter Dellwo, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, um Verständnis für beide Seiten.
Zelder forderte, keine Äcker stillzulegen: "Wir brauchen sie, um sieben Millionen Menschen zu ernähren."
Faller beklagte den Konkurrenzkampf der Landwirte. Wenn ein Landwirt nicht über Flächen verfüge, mit der er eine Biogasanlage betreiben könne, dürfe er diese auch nicht genehmigt bekommen, sagte er.
Ansonsten fürchtet er steigende Pachtpreise: "Wo bleibt denn da die Wirtschaftlichkeit?", fragte Faller. cst
Extra

Aus dem Grußwort von PeterBleser (CDU), Mitglied des Bundestages und parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin: "Ich war letzte Woche in Mumbai/Indien. Dort schlafen Leute auf dem Bürgersteig und haben kein Problem mit Übergewicht. Wer glaubt, 1,2 Milliarden Menschen in Indien mit ökologischer Landwirtschaft ernähren zu können, der muss gegen die Pumpe gelaufen sein."cst