Bauern klagen über schlechtes Image

Bauern klagen über schlechtes Image

Was denkt die Bevölkerung, was denken Journalisten über die Landwirtschaft? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Dreikönigstagung des Kreisbauern- und Winzerverbandes. Die Bauern kritisieren, die Medien würden nur die schlechten Nachrichten verbreiten, Journalist Manfred Ladwig vom Südwestrundfunk sagt, die Bauern seien selbst für ihr Image verantwortlich. Die Journalisten würden dies nur verstärken.

Wittlich. Über mangelndes Interesse, zumindest seitens der Politiker und Vertreter aus der Wirtschaft, können sich die Bauern im Kreis Bernkastel-Wittlich nicht beklagen. Ein Staatssekretär, drei Bundestags- und zwei Landtagsabgeordnete, sechs Verbandsbürgermeister, der Bürgermeister der Stadt Wittlich und der Landrat waren gestern zur traditionellen Dreikönigstagung des Kreisbauern- und Winzerverbandes nach Wittlich gekommen. Sie wollen wissen, wie\'s den Bauern geht und welche Sorgen und Nöte sie plagen.
Qualität und Preise


Aber weiß das auch die Bevölkerung? Im Grunde genommen nicht, sagt Manfred Ladwig von der Umweltredaktion des Südwestrundfunks. Denn den Großteil der Verbraucher interessiere nicht das Leben der Bauern, sondern vielmehr Qualität und Preise der Lebensmittel. Zudem verlangten sie einen geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Dünger sowie kleinere Tierbestände. Dass das Image der Landwirtschaft nicht das Beste ist, kreiden viele Bauern den Journalisten und Umweltverbänden an. Der Kreisbauernverband hatte auch Vertreter von Greenpeace, Naturschutzbund (Nabu) und BUND für Umwelt- und Naturschutz eingeladen. Doch diese beteiligten sich kaum an der Diskussion. Lediglich Heide Weidemann und Johannes Schneider, beide vom BUND, meldeten sich zu Wort. Sie äußerten keine Kritik sondern Wünsche: Mehr mit einander sprechen und mehr Engagement der Bauern in den Umweltverbänden, um zu einer sachlichen und fairen Diskussion zu kommen.
Fernsehredakteur Ladwig begann seinen Vortrag mit einer Filmsequenz, gesendet im Sommer 2012 in der Landesschau. Zu sehen war ein Schweine-Tiertransporter, gestoppt auf der A 61. Die Schweine hatten über zehn Stunden kein Wasser bekommen. Ein Fernsehbericht, der vielen Bauern nicht gefiel. Doch solche Einzelfälle prägen das Gesamtbild, das die Bevölkerung von der Landwirtschaft hat. "Für die Medien sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten", monierte Landwirt Jörg Rittgen. Journalist Ladwig widersprach: "Die Medien müssen über Missstände berichten. Das ist deren Aufgabe." Ladwig sagte aber auch, dass die Skandalisierung mit dem Erscheinen der privaten Sender zugenommen habe. Ferner werde mit Sendungen wie "Bauer sucht Frau" ein dümmliches Bild vom Berufsstand gezeichnet. Dagegen könne man aber nichts machen. Ladwig forderte vielmehr die Bauern auf, offensiv und mit Fantasie ihre Leistungen in der Öffentlichkeit darzustellen. Der Bauernverband will in Kürze das Thema Landwirtschaft und Tierwohl in der Öffentlichkeit darstellen (siehe Extra). Bauernpräsident Leo Blum meinte: "Manche erwecken den Eindruck, als ob die Bauern die schlimmsten Tierdrangsalierer seien." Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, pflichtet bei: "Diese Diskussion bringt mich auf die Palme."Extra

Über tiergerechte Haltungsformen will der Bauern- und Winzerband Rheinland-Nassau in zwei Pressegesprächen mit Journalisten diskutieren: Heute um 12 Uhr im rinderhaltenden Betrieb Schneider, Eselsbacher Hof, Koblenz-Arenberg und am Mittwoch, 16. Januar, 10 Uhr, auf dem schweinehaltenden Betrieb Meier in Ingendorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). sim

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