Bauern und Winzer sollen Flächen fürs Gewerbegebiet abgeben

Wirtschaft : Bauern und Winzer sollen Flächen fürs Gewerbegebiet abgeben

Gefährdet das in Osann-Monzel und Maring-Noviand geplante Gewerbegebiet die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben?  Die Gemeinde Osann-Monzel will das mit einem Gutachten klären.

Sich von Acker- oder Rebflächen zu trennen, dürfte vielen Winzern und Bauern in der Seele wehtun. Doch wo in Osann-Monzel und Maring-Noviand derzeit  noch Kartoffeln oder Riesling wachsen, soll nach dem Willen der Politik schon bald das Gewerbe florieren. Wie die Nachbargemeinde Maring-Noviand möchte man auch in Osann-Monzel zurzeit landwirtschaftlich und weinbaulich genutzte Grundstücke in Gewerbeflächen umwandeln: Es geht um das geplante interkommunale Gewerbegebiet Maring-Noviand/Osann-Monzel. Die beiden Orte aus der VG Bernkastel-Kues und der VG Wittlich-Land möchten nahe der Mosel ein gemeinsames Gewerbegebiet aus dem Boden stampfen. Ein Großteil der Fläche, auf der die beiden Kommunen planen, ist allerdings in privater und dabei insbesondere in Bauern und Winzer Hand. Bis sich dort die ersten Firmen niederlassen können, wird also noch einiges Wasser die Mosel hinab fließen. In trockenen Tüchern ist das Projekt noch nicht. Es geht aber Schritt für Schritt voran:

Auf seiner heutigen Sitzung, die um 18 Uhr in der Oestelbachhalle beginnt, wird der Ortsgemeinderat Osann-Monzel eine „Betroffenheitsanalyse für potenzielle Gewerbeflächen in Osann-Monzel“ diskutieren und, wenn sich eine Mehrheit dafür findet, in Auftrag geben. Worum geht es dabei?

Der TV hat Ortsbürgermeister Armin Kohnz um Auskunft gebeten. Bei dieser Betroffenheitsanalyse solle überprüft werden, ob und inwieweit landwirtschaftliche Betriebe durch dieses Projekt in ihrer Existenz gefährdet sein könnten und welche Gegenwerte es auszugleichen gebe.

„Es ist daher der ausdrückliche Wunsch der Ortsgemeinde Osann-Monzel eine landwirtschaftliche und weinbauliche Betroffenheitsanalyse durch zwei von der Landwirtschaftskammer öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige erstellen zu lassen“, heißt es in der Beschlussvorlage, über welche die Ortsgemeinderatsmitglieder heute Abend abstimmen wollen. Die Belange der betroffenen Grundstückseigentümer und der Bewirtschafter sollen gehört, analysiert und in der weiteren Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

Auf der Gemarkung Osann-Monzel gehe es dabei um zwölf Hektar Land, das im Eigentum von rund 15 Privatpersonen sei. Im Gegensatz zu Maring-Noviand, wo es um Flächen für den Weinbau geht. In einem Vorgespräch mit den Eigentümern, sagt Kohnz, habe er einen positiven Tenor vernommen. „Es sind sogar schon welche auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir ihr Land kaufen möchten.“

Die Entwicklung des interkommunalen Gewerbegebiets werde Schritt für Schritt weiter vorangetrieben, sagt Kohnz. „Wir schauen, wie es geht.“ Er sei zuversichtlich, sagt der Ortsbürgermeister, dass sich das Projekt umsetzen lasse. Mit einem Beschluss wolle die Ortsgemeinde die Verbandsgemeindeverwaltung beauftragen, entsprechende Angebote für eine Betroffenheitsanalyse einzuholen.

Auch auf Maring-Noviander Seite befürwortet der Ortsgemeinderat ein interkommunales Gewerbegebiet. Gemeinsam mit dem Verbandsgemeinderat wird auch dort das Projekt Schritt für Schritt vorangebracht. Doch auch in Maring-Noviand gibt es Gegner. Im September trafen sich Kritiker eines interkommunales Gewerbegebiets vor dem Bürgerhaus (der TV berichtete). Sie demonstrierten vor dem Gebäude, in dem die Grundstückseigentümer des Gebietes in einer geschlossenen Veranstaltung über die Umweltverträglichkeitsprüfung informiert wurden. Auf einem großen Plakat war zu lesen: „Winzer gegen riesiges Industriegebiet auf dem Brauneberg“. Eine Vertreterin dieser Winzer war Sybille von Schuckmann-Karp aus Brauneberg. „Wir haben jetzt schon Schäden ohne Ende. Ich spreche für 40 Winzer aus Brauneberg. Wir brauchen die Flächen für den Weinbau, wenn der Klimawandel kommt.“ Auf die Frage, ob sie Land in dem geplanten Gewerbegebiet besitze, sagt von Schuckmann-Karp: „Ich besitze dort kein Land, will aber welches in Zukunft dort kaufen, weil wir Winzer diese Rückzugsflächen brauchen.“

In beiden Ortsgemeinden, Osann-Monzel und Maring-Noviand, gibt es Gegner des Projekts. In den Ortsgemeinden und Verbandsgemeinderäten gibt es jedoch Mehrheiten für ein interkommunales Gewerbegebiet. „Wir im Verbandsgemeinderat“, sagt VG-Bürgermeister Dennis Junk, „sehen ein interkommunales Gewerbegebiet positiv.“

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