Bauerntagung : Landwirte brauchen Verbündete

Auf der Bauerntagung weisen Redner pauschale Schuldzuweisungen für Umweltprobleme zurück.

Die Bauern müssen zeigen, was sie zu bieten haben. Das ist die Hauptaussage nahezu aller Redner auf der Bauerntagung in Thalfang, an dem rund 90 Landwirte teilnahmen.

Einerseits würden die Bauern oft kritisiert, gerade bei Themen wie Umweltschutz, andererseits hänge in Rheinland-Pfalz jeder sechste Arbeitsplatz von der Landwirtschaft ab, sagt Manfred Zelder, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Bernkastel-Wittlich. „Wie werden wir von außen gesehen?“ fragt er zu Beginn der Tagung. „Es ist wichtig, dass wir zeigen, was wir zu bieten haben“, sagt Peter Manderfeld, Vorstandsvorsitzender der Hochwald Milch eG. Bei kritischen Themen wie Glyphosat und Gülle solle die Diskussion versachlicht werden, fordert er.

„Was uns zusetzt, ist das Trommelfeuer an Kritik“, sagt Eberhard Hartelt, Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes. Dabei wären die Landwirte auch von der Klimaveränderung betroffen. Der Bauernverband solle Klimaschutzziele selbst formulieren, die Rolle der Landwirtschaft herausstellen und Vorschläge machen, regt er an. Beispielsweise bei der Ausbringung von Gülle.

Diese könne durch neue Techniken und schnelle Verarbeitung beispielsweise in Biogasanlangen minimiert werden, sagt er. Wobei die Nitratrichtlinien den Landwirten am meisten zu schaffen machen. Doch müsse man an den Messstationen arbeiten. Denn diese seien anfangs an 160 Stellen installiert worden, an denen hohe Nitratwerte wahrscheinlich gewesen seien. Die dabei ermittelten Rückschlüsse, dass 49 Prozent des Grundwasservorkommens zu hohe Nitratwerte hätten, sei deshalb falsch. Inzwischen gebe es ein Messnetz von 1207 Stellen bei denen lediglich an 18 Prozent erhöhte Nitratwerte ermittelt worden seien. „Wir müssen Kooperationen bilden, mit Institutionen und Umweltverbänden zusammenarbeiten und diese als Verbündete sehen“, wirbt er vor den Landwirten. Die Versiegelung von Böden für den Verkehr sei beispielsweise die größte Bedrohung. Denn diese Flächen fielen als Speicher für CO 2 aus.

Und auch die Krefelder Studie als einzige Untersuchung zum Insektensterben werde oft falsch interpretiert. „Wir werden als große Schuldverursacher herangezogen. Das kann nicht sein“, sagt Hartelt. Denn es gebe auch andere Ursachen, beispielsweise die hohe Lichtverschmutzung. „Jede Lichtquelle ist eine Insektenfalle“, sagt er. „Ist das Ablassen von Kerosin durch Flugzeuge und das Spritzen gegen die Schnakenplage am Oberrhein keine Ursache für das Insektensterben?“, fragt er.

Doch müssten sich die Bauern auch fragen, ob die hohen Nitratwerte oder das Insektensterben nichts mit ihnen zu tun habe.

Hartelt verweist auf Wingerte, die aufgrund starken Spritzens bereits im Frühherbst gelb leuchten. Es gebe zwar Verhältnisse, die solche Einsätze nötig machten. „Wir müssen uns trotzdem selbst fragen: Ist das, was wir machen, richtig und verantwortungsvoll“, sagt der Umweltbeauftragte.

Gerade deshalb müssten Kooperationen gesucht werden. Hartelt: „Jäger, Imker, alle können uns helfen.“