Baugebiet unterm Hammer

Das Ferienhausgebiet Klostergarten in Klausen, das ein niederländischer Investor erschlossen hat, wird zwangsversteigert. Der Verkehrswert beträgt 1,1 Millionen Euro. Es besteht aus 30 Grundstücken und einem noch nicht fertiggestellten Musterhaus.

Klausen. Wäre alles nach Plan gelaufen, würden längst 30 Ferienhäuser im Klausener Baugebiet Klostergarten stehen. Das Baugebiet für Ferienhäuser, am Ortsrand unweit der imposanten Pfarr- und Wallfahrtskirche gelegen, gehört dem niederländischen Investor Bert Dubbelmann. Er hat es vor über zehn Jahren gekauft. Und er ließ es erschließen. Die meisten Grundstücke sind zwischen 400 und 600 Quadratmeter groß. Die Straßen sind fertig, Wasser- und Abwasserleitungen sind verlegt. Sogar die Straßenlaternen stehen, allerdings mit dem Hinweis "Außer Betrieb".
Bislang steht aber nur der Rohbau eines einzigen Muster-Ferienhauses, auf den anderen Grundstücken wachsen inzwischen Hecken und Sträucher. Als Dubbelmann in den Niederlanden Käufer für die geplanten Ferienhäuser suchte, war gerade die Finanz- und Wirtschaftskrise auf ihrem Höhepunkt. Die Niederlande hatte es besonders hart getroffen. Dubbelmann konnte die Häuser nicht vermarkten.
Jetzt wird das komplette Baugebiet samt Musterhaus zwangsversteigert. Der Verkehrswert beträgt 1 089 200 Euro. Am 24. September war beim Amtsgericht Wittlich der erste Versteigerungstermin. Einziger Bieter war die Ortsgemeinde Klausen. 450 000 Euro war sie bereit zu zahlen. Der Zuschlag wurde allerdings von Amts wegen versagt, weil beim ersten Termin nicht mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes geboten wurden. Das sieht das Zwangsversteigerungsgesetz vor. Am 12. Dezember kommt es nun zum zweiten Versteigerungstermin.
Wie viel die Gemeinde dann bieten will, steht noch nicht fest. Ortsbürgermeister Alois Meyer will sich vorher mit dem Gemeinderat abstimmen. Meyer macht aber deutlich, dass man eher unter als über den 450 000 Euro bleiben werde. Ist die Gemeinde erneut der einzige Bieter, heißt das aber noch nicht, dass sie das Baugebiet auch bekommt. Denn der Schuldner hat noch die Möglichkeit einen Vollstreckungsschutzantrag zu stellen. Das Gericht könnte dann zu der Überzeugung kommen, dass die Vollstreckung eine besondere Härte bedeutet, die mit den guten Sitten nicht vereinbar ist.
Das Problem für Dubbelmann: Die Fläche ist als Ferienhausgebiet ausgewiesen, eine Wohnbebauung ist dort nicht möglich. Nur die Ortsgemeinde kann eine Änderung des Bebauungsgplans zu einem allgemeinen Wohngebiet vornehmen - und das wird sie, wenn ihr die Flächen gehören, laut Ortsbürgermeister Meyer voraussichtlich auch tun.Extra

Nur ein einziges Musterhaus steht in dem Klausener Ferienhausgebiet Klostergarten. TV-Fotos (2): Winfried Simon Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Kloster und Klostergarten: Im Jahr 1918 zogen sieben Nonnen der Dominikanerinnen nach Klausen. Ihr neues Zuhause war zuvor mehrere Jahrzehnte als Gastwirtschaft genutzt worden. In den 1950er Jahren lebten um die 40 Schwestern im Kloster. 2000 zog es den Orden dann weg aus Klausen. Die 14 verbliebenen Nonnen siedelten in der Nähe von Osnabrück um - unter anderem, weil das Gebäude in Klausen in einem schlechten Zustand gewesen war. Danach kauften niederländische Investoren das Anwesen samt Klostergarten. Später erwarb die Familie Sanders das Klostergebäude und machte daraus ein Weingut. Der Klostergarten ging an Bert Dubbelmann. Er erschloss die Fläche als Ferienhausgebiet. sim