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Baugrundstücke in Wittlich: Stadt sucht Flächen auf privaten Grundstücken

Stadtbild : Wittlich will Baulücken schließen

Vielen Gärten und Grünflächen auf privaten Grundstücken eignen sich als Baugrundstücke. Die Verwaltung will dieses Potenzial heben und die Eigentümer zum Verkauf motivieren.

Wittlich boomt. Mit den Industrie- und Gewerbeansiedlungen zieht es auch Arbeitnehmer mit ihren Familien in die Säubrennerstadt. Doch alle städtischen Baugrundstücke sind verkauft. Es ist allerdings noch Potenzial vorhanden, das gehoben werden kann, nur die Stadt oder private Interessenten kommen so leicht nicht dran: Eine große Zahl freier Grundstücke schlummert nämlich noch in privater Hand. „Das sind heute Gärten oder Grünflächen“, erklärt Stadtplaner Thomas Eldagsen. Dabei handelt es sich um ehemalige Baugrundstücke, die in vergangenen Jahrzehnten bei der Vermarktung von Neubaugebieten verkauft wurden. Damals gab es allerdings noch keine Bauverpflichtung innerhalb bestimmter Zeitfenster. Solche Verpflichtungen zum Bau innerhalb eines bestimmten Zeitraums sind heutzutage bei der Vermarktung von Bau- und Gewerbegrundstücken üblich, um der Spekulation mit erschlossenen Baugrundstücken einen Riegel vorzuschieben. „Aber damals haben Leute zwei oder sogar drei Grundstücke gekauft, eines davon bebaut und auf den anderen Parzellen einen Garten angelegt“, erklärt Eldagsen. Aber gerade diese Baulücken zu schließen sei ökologisch und ökonomisch. „Die Grundstücke wurden mit Steuergeld erschlossen. Dort liegen Kanal und alle Leitungen bereit.“ Da die meisten aber heute als Garten genutzt werden, stehen sie dem Markt nicht zur Verfügung.

Derzeit gebe es in der Stadt Wittlich rund 200 solcher Baulücken. „Im Rahmen der Innenverdichtung wollen wir die zum Verkauf gewinnen. In der Stadt Wittlich wird im Rahmen der Stadtentwicklung seit längerem das städtebauliche Ziel ,Innenentwicklung vor Außenentwicklung, verfolgt und umgesetzt.“ Im Rahmen eines Baulückenkatasters habe die Stadt alle Baulücken erfasst und werde dieses Kataster nun sorgsam pflegen und aktualisieren – auch in Absprache mit den Ortsvorstehern. „Das ist auch für Kaufwillige wichtig, die wissen wollen, wo sie ein Grundstück kaufen können.“ Denn die Verwaltung werde ständig nach freien Baugrundstücken gefragt. Zudem wolle die Stadt jetzt die Grundstückseigentümer dieser Baulücken telefonisch kontaktieren.

Eldagsen sortiert die Eigentümer in unterschiedliche Kategorien ein: „Einige wollen grundsätzlich nicht verkaufen, andere wiederum bevorraten Grundstücke für ihre Kinder oder Enkel. Aber es gibt auch Leute, denen es vielleicht ja heute zu anstrengend ist, große Rasenflächen zu mähen. Bei denen wollen wir einen Impuls zum Verkauf setzen. Vielleicht wollen ja auch Erben verkaufen“

Doch gegenüber dem Projekt, das auch im Bauausschuss diskutiert wurde, pflegt man im Ausschuss und in der Verwaltung derzeit noch einen verhaltenen Optimismus.

„Wenn wir mit dem Projekt 30 Prozent der Baulücken schließen, dann ist das viel“, sagte ein Ausschussmitglied in der Diskussion.

„Wenn wir mit dieser Aktion jedes Jahr zumindest eine Handvoll Baugrundstücke vermarktet bekämen, dann wäre das ein Erfolg“, sagte Eldagsen, „aber wir wollen da jetzt am Ball bleiben, denn die Situation mit den Baugrundstücken spitzt sich immer weiter zu.“

Dennoch wolle man ganz behutsam auf die Eigentümer zugehen, sagt Eldagsen: „Es soll sich niemand genötigt oder unter Druck gesetzt fühlen. Wenn Grundstücke im Eigentum junger Familien sind und als Garten genutzt werden, haben wir eh keine Chance.“

Neben diesem Projekt mit den Baulücken strebt die Stadt auch die Erschließung neuen Baulandes an, doch diese Vorhaben brauchen Zeit. Der zeitliche Ablauf sieht vor, dass zunächst das Potenzial im Stadtteil Dorf erschlossen wird. Insgesamt treibt die Stadt auf exakt 50,8 Hektar, die über mehrere Stadtteile verteilt liegen, Baugebiete voran. 50 Hektar ergeben etwa 500 Baugrundstücke – vorsichtig kalkuliert. Doch bis diese vermarktet oder erschlossen sind, können noch Jahre ins Land ziehen. Die letzten Baugrundstücke aus städtischer Hand kosteten 125 Euro pro Quadratmeter.