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Baugrundstücke sind in vielen Gemeinden in der Region heiß begehrt und Mangelware.

Infrastruktur : Junge Familien zieht es verstärkt aufs Land - Bauland wird knapp

Baugrundstücke sind in vielen Gemeinden im Kreis heiß begehrt und Mangelware. Die Nachfrage steigt. Doch woran liegt das? Der TV hat nachgefragt.

Stirbt der ländliche Raum aus? Wohl kaum, denn die Nachfrage nach Bauland ist in der Region trotz oder gerade wegen Corona hoch. Viele Orte kommen mit der Schaffung neuer Bauplätze gar nicht richtig hinterher. Woran kann das liegen und was sagen die Ortsbürgermeister über die Situation?

Wittlich-Land „In den vergangenen Jahren hatten wir deutliche kontinuierliche Zuwächse zu verzeichnen“, sagt Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei die Nachfrage auf einem gleich hohen Niveau geblieben, obwohl man wegen Corona eigentlich mit weniger gerechnet habe. In den 44 Ortsgemeinden der VG sei vor allem in der Wittlicher Senke das Interesse extrem hoch. Dort habe man fast keine Leerstände. Dies liege vermutlich an verschiedenen Faktoren: „Ein großer Vorteil ist, dass man egal von welchem Ort aus in zehn Minuten auf der Autobahn ist“, so Junk. Die Ortsgemeinden befänden sich im Speckmantel von Wittlich und besäßen durch den Hochmoselübergang, Bahnverbindung und Autobahn eine gute Anbindung. Auch durch den Breitbandausbau habe der ländliche Raum einen Schub erhalten. Gerade in diesen Zeiten mache ein schneller Internetanschluss das Arbeiten im Homeoffice möglich, weiß der Bürgermeister. Zudem habe man hier im Vergleich zu Trier bezahlbaren Wohnraum.

Salmtal „Bauland ist in Salmtal sehr gefragt. Mit der Infrastruktur ist hier alles gegeben, was man so braucht“, erzählt Markus Peter Meyer, Ortsbürgermeister von Salmtal. Einige Familien aus Trier seien an den Immobilien im Ort interessiert. „Wir haben an die 100 Anfragen. Da bekommen wir den Bedarf gar nicht gedeckt.“ Mit Hochdruck sei man daran, mehr Baugebiete zu schaffen. „Wichtig ist aber, dass die Baugebiete in die bereits vorhandene Struktur integriert werden“, meint der Ortsbürgermeister. Es ist ihm ein Anliegen, dass sich die neuen Anwohner auch in den Vereinen beteiligen und ein aktiver Teil der Ortsgemeinde werden.

Hetzerath Ortsbürgermeister Werner Monzel sieht das ähnlich. Man könne die riesige Nachfrage zwar bei Weitem nicht decken, aber man wolle auch nicht ständig wachsen. Er sagt: „Wir werden nicht auf Teufel komm raus Bauland schaffen.“ Die Gemeinde solle lebendig bleiben und keine Schlafstätte für Luxemburg-Pendler werden. „Die Leute sollen sich an den Vereinen beteiligen“, so Monzel. Auch er sieht die gute Verkehrsverbindung und die niedrigen Preise als Ursache für das hohe Interesse. Dabei seien Baugrundstücke genau so begehrt wie Mietwohnungen und Häuser. Viele Häuser im Altbaubereich würden in Mietwohnungen umgebaut werden.

Hasborn Herrmann Leister, Ortsbürgermeister von Hasborn, erzählt ebenfalls von einem hohen Zuwachs. In Hasborn gebe es keinerlei Leerstände. „Wenn mal ein Haus leer ist, dann ist das in kürzester Zeit wieder belegt“, meint Leister. Durch das neue Neubaugebiet sei die Nachfrage in diesem Jahr etwas gestiegen.

Laufeld In Laufeld sei man in den letzten Zügen, ein Neubaugebiet zu erschließen, erzählt Ortsbürgermeister Karl-Josef Junk. Und: „Altimmobilien sind immer innerhalb weniger Monate weg.“ Oft seien es Menschen aus mittelgroßen Städten, die Interesse haben. Der Wunsch etwas Eigenes zu besitzen und der deutlich günstigere Preis auf dem Land seien vermutlich für junge Familien ausschlaggebend, mutmaßt Junk. „Wir wollen weiter anbieten und auch jungen Menschen und Familien die Möglichkeit geben, hier Bauland zu erwerben. Sie sind schließlich die Zukunft!“, erklärt der Ortsbürgermeister.

Landscheid „Wir haben dieses Jahr nicht mehr Nachfragen als vor Corona, aber wir haben auch nicht viel Leerstand“, erzählt Michael Comes, Ortsbürgermeister von Landscheid. Interesse sei generell schon da, vor allem von jungen Menschen, die in Landscheid ihre Häuser bauen wollen. Durch die Autobahnnähe, dem ortsansässigen Discounter und der Nähe zu Wittlich sei die Ortsgemeinde für viele attraktiv.

Longkamp Horst Gorges, Ortsbürgermeister von Longkamp, erzählt von einem steigenden Interesse: „Das liegt vermutlich an der B 50 und dem Hochmoselübergang. Außerdem kann man natürlich auf dem Hunsrück schön wohnen.“ Auch er ist zufrieden mit der Nachfrage: „Wir könnten mehr verkaufen, wenn wir mehr hätten.“ Er musste bereits einer Familie aus diesem Grund absagen. Jüngere Menschen seien vor allem an Bauplätzen interessiert. Aber er bekomme auch Anfragen für Häuser und Mietwohnungen.

Monzelfeld Alle 33 Bauplätze des Neubaugebiets in Monzelfeld wurden in den vergangenen Jahren verkauft. Ortsbürgermeister Lothar Josten: „Die Nachfrage hat in den vergangenen zwei Jahren wirklich zugenommen.“ Seit die letzte Baustelle vor zwei Monaten verkauft worden sei, habe er nochmal acht neue Anfragen bekommen. Auch Josten sieht die B 50 als einen der Gründe für das Interesse. „Aber wir haben auch ein schönes Baugebiet. Kita und Grundschule gibt es ja ebenfalls im Ort.“ Der Ortsbürgermeister von Monzelfeld ist absolut zufrieden mit der hohen Nachfrage: „Es ist natürlich gut für die Entwicklung des Dorfes.“

Kinderbeuern In Kinderbeuern sieht die Situation etwas anders aus. Hier gebe es keine höhere Nachfrage nach Land, obwohl schon etwas da wäre. Aber das heißt nicht, dass im Ort nicht gebaut wird. „Viele Grundstücke, die schon lange im Ort sind, wurden jetzt bebaut“, erzählt Ortsbürgermeister Rainer Schwind, „Ich finde es schön, dass viele von den Baulücken jetzt geschlossen sind.“ Auch wolle die Gemeinde den Flächennutzungsplan neu aufstellen und überlege, etwas Neues aufzubauen. „Auf einer Seite will man natürlich expandieren, auf der anderen Seite sind wir auch mit dem Bestand zufrieden. Das heißt aber nicht, dass wir nichts machen wollen!“, so Schwind. Man wolle aber auch den Bestand, den man bereits habe, fördern.