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Baumriese trägt Wanderer über den Bach

Baumriese trägt Wanderer über den Bach

Die Traumschleife Hahnenbachtal steht bei Wanderern hoch im Kurs: 2012 zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt und bei der Nachzertifizierung 2013 mit dem Traumergebnis von 87 Punkten bewertet steht die Tour unter besonderer Beobachtung. Es versteht sich von selbst, dass die Brücken über den Hahnenbach tragfähig sein müssen.

Rhaunen/Bundenbach. Eine der Brücken in der Nähe der Hellkirche auf Bundenbacher Gebiet muss demnächst erneuert werden. Dafür fiel jetzt im Revier von Thomas Saft im Gemeindewald von Rhaunen eine fast 50 Meter hohe Douglasie. Stolze 1,20 Meter Durchmesser misst der 95-jährige Riese kurz überm Boden, hat noch in 15 Metern einen Durchmesser von über 80 Zentimetern. Er soll die neue Brücke tragen, sagt Verbandsgemeindebürgermeister Georg Dräger.

Baumscheibe erzählt Geschichte



Dräger bewertet den Neubau, der auf rund 66 000 Euro veranschlagt ist, als Musterbeispiel für die Zusammenarbeit über Verbandsgemeinde- und Kreisgrenzen hinweg. Der Hahnenbach-Premiumweg verläuft durch die Kreise Birkenfeld, Rhein-Hunsrück und Bad Kreuznach und die Verbandsgemeinden Rhaunen, Kirchberg und Kirn-Land. Der Baum, damals gepflanzt, als die ersten Douglasien aus Nordamerika über den großen Teich kamen, soll an der Brücke auch seine Geschichte zeigen dürfen. Eine 1,25 Meter messende Baumscheibe kann mit ihren Jahresringen viel erzählen. Derzeit liegt der Stamm noch im Revier. Er wird entrindet, damit er an der Luft zügig trocknen kann. "Ein gutes Jahr wird es dauern, bis die Spannung raus ist", schätzt Dräger.
Die alte Holzbrücke, die sich nach gerade einmal 13 Jahren durchzubiegen begann, wurde inzwischen durch Stützen gesichert. Der Brückenbau gilt übrigens als Neubau, nicht als Renovierung. Deshalb muss das Planungsbüro auch wasserrechtliche Aspekte berücksichtigen.
Klar ist immerhin: Es wird einen 90-prozentigen Zuschuss geben, sodass die Finanzierung für die VG Rhaunen überschaubar bleibt. Mit rund 1000 Euro ist der reine Holzwert des Stammes noch die kleinste Position in der dicken Rechnung. Bäume dieser Stärke sind heute kaum noch vermarktbar, denn sie sind zu dick für die Sägegatter. So darf man gespannt sein, was mit den "Schwestern" des Brückenbaumes wird.
Der Brückenbaum dürfte am Premiumpfad viel Imagewerbung für die nachhaltige Holznutzung und die Energiewende in der Region machen. Er passe auch ins Bild des nahen Nationalparks, betont Georg Dräger in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Hunsrück Schiefer- und Burgenstraße. Diese feiert Silberjubiläum: Im April 1989 wurde der Förderverein mit Sitz in der Verbandsgemeinde Kirn-Land gegründet.
Der Riese soll über die Woppenrother Heide an seinen späteren "Arbeitsplatz" gebracht werden und dann für viele Jahrzehnte die Wanderer tragen. Man darf gespannt sein, ob die Brücke auch in 50 Jahren noch im Kreis Birkenfeld steht. Die politische Landkarte könnte bei Kreisreformen wieder einmal umgezeichnet werden. Der Baumriese könnte einiges darüber erzählen. Einst gehörte er in den Kreis Bernkastel, kam dann zu Birkenfeld. Seine Vorgänger im Rhauner Wald standen erst im Departement Saar, dann Königreich Preußen.