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Baumsterben in der Einflugschneise

Baumsterben in der Einflugschneise

Bei der Verlängerung der Startbahn des Flughafens Frankfurt Hahn sollten alte Bäume in der Einflugschneise erhalten bleiben. Inzwischen sind die meisten dieser Bäume jedoch abgestorben. Denn sie wurden nach Ansicht eines Forstexperten falsch beschnitten.

Lötzbeuren. Tote Baumstümpfe bestimmen heute dort das Bild, wo früher dichter Wald stand und wo heute Flugzeuge in wenigen Metern Höhe den Flughafen Hahn anfliegen. Götz Wagner, Forstdirektor im Ruhestand, sagt: "Die Bäume sind falsch gekappt worden." Dass der Wald aufgrund der notwendigen Hindernisfreiheit gekappt werden musste, ist klar. "Hätte man die Bäume so gekürzt, dass noch genügend Blattfläche verblieben wäre, hätten diese eine Chance gehabt." Der 65-Jährige sagt, dass die Bäume entsprechend ihres Wuchses hätten geschnitten werden sollen.

Auch Erwin Manz, Landesgeschäftsführer des BUND Rheinland-Pfalz ist unzufrieden: "Die korrekt gekürzten Bäume hätten den jungen Wald bei der Entwicklung noch zwanzig Jahre unterstützt", sagt Manz, Dann wäre der junge Wald nachgewachsen. Doch hat die Natur bei den Plänen nicht mitgespielt. Bäume, die stehen bleiben sollten, wurden von Stürmen entwurzelt, so dass andere Bäume als vorgesehen gekürzt werden mussten. Zudem wurde die niedrige Vegetation stärker als vorgesehen in Mitleidenschaft gezogen.

Wenigstens scheint die Population der geschützten Mopsfledermaus laut Erwin Manz nicht gelitten laut zu haben. Landesgeschäftsführer Manz sieht trotz dieser Tatsache die Vereinbarung mit der Betreibergesellschaft des Flughafens heute kritisch. "Wenn wir das gewusst hätten, hätte es diese Einigung mit uns nicht gegeben." Die Naturschutzorganisation hatte ihre Klage gegen den Landebahnausbau zurückgezogen. Im Gegenzug wurden statt 60 Hektar Wald nur noch 30 Hektar gerodet. Auf den restlichen Flächen wurden gezielt einzelne zu hohe Bäume gefällt oder gekürzt (der TV berichtete).

Die Buchen, Eichen und Kiefern in der Einflugschneise des Flughafens Frankfurt-Hahn waren teilweise bis zu hundert Jahre alt, als sie 2006 gekürzt wurden. Dies war notwendig geworden, nachdem die Start- und Landebahn des Flughafens verlängert worden war.

Maria Horbert, Pressesprecherin des Flughafens Frankfurt-Hahn, begründet die Kappungen und Fällungen mit Sicherheitsvorschriften, die zulässige Höhen für Hindernisse wie Bäume oder Gebäude innerhalb der Anflug- und Abflugflächen des Flughafens festlegen. Sie verweist auf die Bestandteile des Waldumbaukonzepts, das damals mit dem BUND vereinbart worden war (siehe Extra). Die Waldumbauarbeiten seien unter Mitwirkung des BUND und anerkannter Gutachter vorgenommen worden. Zudem kämen die abgestorbenen Bäume den Mopsfledermäusen zugute, die nur in toten Bäumen Quartier beziehen. Daher sei es seinerzeit ein Anliegen des Waldumbaukonzepts gewesen, durch Stehenlassen von Totholz zusätzliche Quartierangebote zu schaffen.

Meinung

Nicht lohnend

Das war wohl nix. Was 2006 als Kompromiss gefeiert wurde, scheint sich zum Rohrkrepierer zu entwickeln. Wieder einmal schauen Menschen in die Röhre, wenn es um den Flughafen Hahn und den Ausgleich von Interessen geht. Dieses Mal sind es die Naturschützer, die einen großzügigen Kahlschlag rund um das Flughafen-Gelände verhindern wollten. Denen wurde zugestanden, dass weniger Bäume gefällt und andere Bäume nicht so stark gekappt werden. Knapp drei Jahren nach der Einigung ist der BUND nun so weit, dass er den Kompromiss von damals so nicht mehr eingehen würde. Damit befinden sich die Naturschützer in guter Gesellschaft mit vielen Anrainern und deren kommunalpolitischen Vertretern. Die ließen sich ebenfalls auf einen Handel mit dem Flughafen ein, als es um die Verlängerung der Startbahn ging. Sie stimmten der Verlegung der B 327 zu. Das Ergebnis ist bekannt: Die Straße endet im Nichts. Anscheinend lohnen sich Kompromisse nicht sonderlich, wenn es um den Flughafen geht. h.jansen@volksfreund.deEXTRA Hindernisfreiheit: Der BUND hatte gegen die Verlängerung der Startbahn des Flughafens geklagt. Naturschutzorganisation und Flughafenbetreiber einigten sich jedoch auf ein Walderhaltungskonzept. Die Klage wurde daraufhin zurückgezogen. Ursprünglich sollte in der Einflugschneise eine reine Wiesenlandschaft entstehen. Stattdessen legten BUND und die Betreibergesellschaft des Flughafens neue Zielhöhen für Bäume fest, die einen niedrigeren Wald bilden sollten. Einzelne, starke Bäume sollten gekürzt werden, die niedrig wachsende Vegetation erhalten bleiben. Zudem sollte die Population der Mopsfledermaus geschützt werden, die im Wald nahe der Landebahn beheimatet ist. Die Fledermaus ist auch Grund dafür, dass der ursprünglich zeitlich befristete Wegfall eines Teilstücks der B 327 zum Dauerzustand geworden ist. (cst)