Begeistert in den Krieg gezogen

Der Dreiser Großvater der Klausenerin Ursula Wollscheid und seine beiden Brüder kehren aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Jedoch ist ein entfernter Verwandter mit deutscher Mutter und französischem Vater früh verschollen.

Klausen/Dreis. Begeisterung und Irrsinn - selten liegen die unterschiedlichen Emotionen, die bei einem Krieg entstehen, näher beisammen als in den Erinnerungen, die Ursula Wollscheid aus Klausen aus dem Ersten Weltkrieg überliefert wurden.Ihr Großvater Heinrich Steffgen und zwei seiner Brüder waren im Ersten Weltkrieg als Soldaten an der Front. Sie hatten Glück, denn alle drei kehrten nach dem Ende wieder zurück in ihren Heimatort Dreis. Als ihr Großvater starb, war Wollscheid acht Jahre alt. Er hatte ihr nie von den Kriegserlebnissen erzählt. "Dafür war ich noch zu jung", sagt sie. Doch aus Erzählungen, Fotos und dem Ersatzreservistenpass weiß sie, dass dieser in Frankreich gewesen war. Dorf geschichte(n)

Die Jahreszahlen im Pass sind noch gut zu lesen. Demnach war ihr Großvater über den gesamten Krieg an insgesamt 20 Stationen als Soldat. Wo Steffgen genau gewesen war, lässt sich aus der sehr klein geschriebenen Sütterlinschrift nicht entziffern. Doch auf den Bildern ist zu erkennen, dass die Menschen damals eine andere Einstellung zum Krieg hatten als heute. "Denen sieht man regelrecht Begeisterung an", sagt Wollscheid.Anders erging es Charles Edmond Kranz, einem Cousin ihrer Großmutter Angela, die Steffgen nach dem Krieg geheiratet hatte. Dessen Mutter stammte ebenfalls aus Dreis und hatte einige Zeit in Paris gelebt. Sie brachte von dort ihren Sohn mit und zog ihn alleine auf. Somit hatte der Junge eine deutsche Mutter und einen französischen Vater. Kranz hatte die deutsche Nationalität und war aufgrund seiner Bildung und seiner Zweisprachigkeit eine markante Persönlichkeit in Dreis gewesen.Als 25-jähriger zog Kranz auf deutscher Seite in den Krieg. Zu diesem Zeitpunkt war eine Dreiserin in den Kaufmann verliebt. "Doch ob er das wusste, ist vage und bleibt ein Geheimnis", sagt Wollscheid. Die Liebe bleibt unerfüllt, denn Kranz gilt bereits in den ersten Kriegsmonaten als verschollen. Sein Leichnam ist nie aufgetaucht, eine Todesmeldung wurde ebenfalls nie an die Angehörigen geschickt. "Seine Mutter hat irgendwann erzählt, dass ihr Sohn ihr im Traum erschienen ist und ihr mitgeteilt habe, dass er tot sei", erzählt Wollscheid aus den überlieferten Erinnerungen.Doch wird bei Kranz mit seinen Elternteilen aus den seinerzeit verfeindeten Ländern Deutsches Reich und Frankreich in Augen der Klausenerin der Widersinn des Krieges besonders deutlich. www.volksfreund.de/wk1