Begeistert von der Geschichte

Wittlich · Für viele Wittlicher war der zweite Montag im Monat fest verplant: Dann war Willi Waxweilers sogenannter Wittlich-Treff in der Caritas-Begegnungsstätte. Rund 60 Besucher waren regelmäßig da, um sich über die Geschichte, die Sprache und Geschichten aus der Säubrennerstadt zu informieren und zu diskutieren. Aus Altersgründen hört Willi Waxweiler jetzt auf.

Willi Waxweiler freut sich auf den 60. Wittlich-Treff. Die Ankündigung für die Veranstaltungen hat er archiviert. TV Foto: Christina Bents

Foto: Christina Bents (chb) ("TV-Upload Bents"

Wittlich. "Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören", so meint Willi Waxweiler und schickt seinen Wittlich-Treff in Rente. Dabei würde es ihm an Themen für die Fortsetzung nicht mangeln. "Wittlichs Geschichte ist so reichhaltig, da könnte ich noch sehr viele Treffs machen", so der 78-Jährige. Die Ideen für seine bisherigen 59 Veranstaltungen hat er zum Teil durch seinen Beruf beim Katasteramt, wo er alte Karten und Pläne der Stadt einsehen konnte, gewonnen.
Heimat- Geschichte(n)



Gernerell hat er immer jegliche Informationen über Wittlich gesammelt. Im Ruhestand hat der freischaffende Rentner, wie er sich selbst nennt, dann seine Sammlung geordnet und sich überlegt, ob er sie als Buch veröffentlichen oder in Vorträgen auf- bereiten soll. Er hat sich für Letzteres entschieden. "Alte Dokumente wie Bilder und Pläne müssen raus aus den Kellern. Es muss darüber gesprochen werden, damit sie lebendig bleiben", davon ist der Heimatforscher überzeugt. Gesprochen hat er seit 2009 über Gebäude, beispielsweise die Burg Ottenstein, Geschichte, unter anderem die Hochwasser der Lieser, das 1804 die Stadt unter Wasser gesetzt und die alte Pleiner Mühle zerstört hat.
Auch die Geschichten und das Lachen kamen nicht zu kurz. In einem Vortrag über das Wittlicher Intelligenz-Blatt unterhielt er die Besucher mit einem Artikel über die Kennzeichen einer guten Kuh, die damals in der Zeitung abgedruckt waren. Dazu gehörten unter anderem ein "länglich proportionierter Kopf, und Hörner mittelmäßiger Dicke". Beachtlich findet er, dass Wittlich mit dem Intelligenz-Blatt schon 1848 eine eigene Zeitung hatte.
Spannend fand er auch die Analyse der alten Telefonbücher, denn daran konnte man erkennen, wer der neuen Technik gegenüber aufgeschlossen war und wer es schon damals gebraucht hat. Wichtig war ihm immer, dass die Treffs unterhaltsam und informativ waren. "Zu wissenschaftlich ist für die Zuhörer oft langweilig." Und gelacht wurde regelmäßig. "Eine lustige Anekdote zum Schluss musste sein", so Waxweiler. Angeregt diskutiert haben die Besucher oft über das Wittlicher Platt. Was wie ausgesprochen oder geschrieben wird. Besonders stolz war Willi Waxweiler, als der Wittlicher Ehrenbürger Willi Schrot bei ihm im Treff war, einmal, als er 98 Jahre alt war und als Hundertjähriger noch einmal. Dabei hat er mit seinem Wissen über Wittlich die Besucher beeindruckt und zum Lachen gebracht, als er sich beispielsweise an den Wirt Fischer erinnerte, den sie als Jugendliche geärgert haben. Traurig ist Willi Waxweiler nicht, dass sein Treff zu Ende geht. "Es gibt viele in Wittlich, denen die Stadt wichtig ist, und die werden bestimmt Ideen haben, wie man sich treffen und austauschen kann", ist er überzeugt. Er selbst wird sich weiter für Wittlich engagieren und sich zu Wort melden. Besonders die Belebung der Innenstadt liegt ihm am Herzen. Zuletzt hat er sich für den Erhalt des Karrstraßenparkplatzes eingesetzt, sogar in der Fußgängerzone Unterschriften gesammelt.
Extra

Der 60. Wittlich-Treff findet am Montag, 14. Dezember, ab 14.30 Uhr in der Caritas-Begegnungsstätte in der Kasernenstraße statt. Thema ist dieses Mal "Wittlich auf dem 50. Breitengrad: Eine topografische Bestimmung der Stadt". Nach einer Kaffeepause mit Waffeln geht es in Wedlier Platt mit "freem Wäärda" sowie Wittlicher und anderen Geschichten weiter. Der Eintritt ist frei. red