Bei Ärger mit Hunden: Anzeige per Coupon

Bei Ärger mit Hunden: Anzeige per Coupon

Die Landscheider Bürger können einen Coupon ausfüllen, wenn sie sich über freilaufende Hunde oder deren Hinterlassenschaft ärgern. So etwas gab es schon einmal in der Gemeinde. Damals kam es auch zu einigen Anzeigen. Auf die neuerliche Aktion gibt es jedoch bisher keine Reaktionen.

Landscheid. Es vergeht kaum eine Woche, in der in den Mitteilungsblättern nicht über freilaufende Hunde und ihre auf Plätzen und Wegen liegenden Hinterlassenschaften berichtet wird.
Gleichzeitig werden die Bürger dazu aufgerufen, sich in solchen Fällen an ihr Ordnungsamt zu wenden. Das geschieht aber kaum, wie der TV mehrfach berichtet hat. Die Ortsgemeinde Landscheid macht es ihren Bürgern nun vordergründig leichter.
Ortsbürgermeister Ewald Heck veröffentlichte im Amtsblatt einen Coupon, der ausgeschnitten werden kann.
Aufgedruckt sind die Anschrift der Gemeinde, die Überschrift "Anzeige wegen Belästigung durch Hunde" und anzukreuzende Kästchen (nicht angeleinter Hund, Störung der Nachtruhe, Verschmutzung durch Kot). Der Betroffene gibt Tag und Uhrzeit des Vorfalls, sowie den Namen des Hundehalters an und unterschreibt.
So weit die Theorie. Die Praxis sieht so aus: "Bisher ist kein ausgefüllter Coupon eingegangen", erläutert der Ortsbürgermeister enttäuscht, "ich hätte eine Resonanz erwartet." Vor allem deshalb, weil sich Beschwerden über Hunde beziehungsweise Hundehalter häufen. Aber es sei offenbar wie immer: Bürger beklagen sich, sprechen von Untätigkeit der Verwaltung, trauen sich aber nicht, Ross und Reiter zu nennen. Heck: "Das ist feige, und das werde ich auch in Zukunft denen sagen, die sich beschweren." Und er werde ihnen dann auch den Coupon in die Hand drücken.
Neu ist die Geschichte für Landscheid nicht: Der frühere Ortsbürgermeister Egon Birresborn (1984 bis 1999, 2004 bis 2007) hat während seiner ersten Amtszeit ähnlich gehandelt. "Damals war es eine ganze Beilage", erinnert er sich. Es habe auch Rückmeldungen gegeben, die dann zu mehreren Anzeigen führten.
Amtliches Dokument


Er habe damals dafür gesorgt, dass das Thema auch im VG-Rat diskutiert wurde. Gegen den Willen mancher Bügermeisterkollegen. "Die haben gesagt, sie werden dann nicht mehr gewählt", sagt Birresborn. Aufgabe eines Bürgermeisters sei es aber auch, eine gewisse Autorität zu zeigen. Beim Ordnungsamt der VG Wittlich-Land gehen auch immer wieder Beschwerden ein, sagt Hans-Werner Metzen. Eine Anzeige komme dabei aber selten heraus. Der Coupon sei ein amtliches Dokument. Metzen: "Wenn wir einen bekommen, werden wir tätig." Nach seinen Angaben sind in der Mehrortsgemeinde Landscheid (circa 2100 Einwohner) derzeit 138 Hunde gemeldet.
"Ich würde den Coupon nutzen", sagt Julia Bremer, die mit ihrer Familie seit mehr als zehn Jahren in Landscheid wohnt, aber auch noch in Essen ein Zuhause hat. Die Bremers hatten immer Hunde. Drei von ihnen seien von anderen freilaufenden Artgenossen angegriffen worden. Bremer: "Vor dem eigenen Hund habe ich keine Angst, vor anderen schon." Und wie viele weitere Zeitgenossen ärgert sie sich, wenn Plätze und Wege mit Hundekot verdreckt sind. "In Essen ist das allerdings mehr als hier auf dem Land", sagt sie.Meinung

Die nötige Courage fehlt
Die regelmäßig veröffentlichten Bekanntmachungen sind austauschbar. Der Text ist weitgehend gleich, nur die Orte wechseln. Was in Landscheid geschieht, ist anders. Der Coupon fällt sofort ins Auge. Doch die Wirkung ist noch gleich Null. Es mangelt offenbar an der nötigen Courage, jemanden anzuzeigen, der einem am nächsten Tag wieder über den Weg laufen könnte. Vielleicht sensibilisiert der Coupon aber auch manche unachtsame Hundehalter. Damit wäre auch schon etwas gewonnen. c.beckmann@volksfreund.de

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