Bei den Balkan-Senioren zählt das Miteinander

Bei den Balkan-Senioren zählt das Miteinander

In den Morbacher Ortsbezirken Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg hat sich ein etwas anderes "Kaffeekränzchen" etabliert: Auf Initiative von Erwin Schrenk treffen sich dort regelmäßig "Balkan-Senioren", die nicht nur Kuchen lieben, sondern auch Geschichten, die aber vor allem viel gemeinsam unternehmen. Die Bezeichnung "Balkan" für die Gegend südwestlich von Morbach hatte sich in den 1960er Jahren etabliert.

Hoxel/Morscheid-Riedenburg/Wolzburg. Langeweile ist bei den Balkan-Senioren nicht angesagt. Das selbst organisierte Kaffeekränzchen am ersten Mittwoch im Monat hat seinen festen Platz im Kalender und ist vor allem dann gefragt, wenn Ausflüge anstehen. Denn auf dem Programm der Senioren stehen nicht nur die mit eigenem Fahrdienst angebotene unverzichtbare Weihnachtsfeier oder die jährliche Karnevalsveranstaltung. Es werden auch Ausflüge in die nähere Umgebung unternommen. Schön brav im Bürgerhaus sitzen ist nichts für die Senioren der Dörfer Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg. Viel lieber treffen sie sich am Hoxeler Feuerwehrhaus, um von dort aus in Fahrgemeinschaften zu Exkursionen zu starten. Auf diese Weise haben sie in den vergangenen Monaten die Morbacher Ölmühle besichtigt, das Mali Haus in Longkamp, das Bauernhofcafé Hunolstein und das Hinzerather Café Pause. Ist das Ziel auch zu Fuß noch gut erreichbar, machen sich einige dann auch schon mal wandernd auf den Weg. Wenn sie dann zwischendurch Besuch von Kindergartenkindern erhalten, freuen sie sich darauf nur umso mehr.
Gegründet hat sich der Treff vor drei Jahren. Allerdings wurde anfangs nur zu Feiern an Weihnachten und Karneval eingeladen oder zu einem Vortrag über Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen. So richtig in Schwung brachte die Balkan- Senioren, die auch schon mal einen Lichtertanz aufführten, der Abstecher nach Kempfeld. Seither ist Abwechslung angesagt. "Wir haben schon manches unternommen und zusammen schön Kaffee getrunken und alte Geschichten erzählt", berichtet Klara Schlarp (83). Eine der Anekdoten, die dann die Runde machen, ist die vom Männerzuwachs vor 60 Jahren. Bauarbeiten an dem während des Krieges bombardierten Hoxeler Viadukt hatten Zimmerleute hergeführt, von denen acht eine Frau aus einem der drei Dörfer heirateten.
Frans Aarle (69) kennt diese Geschichte. Als Zugezogener, der seit zwei Jahren in Hoxel lebt, ist er froh, dass es die Treffen gibt: "Da kennt man in zwei Monaten den ganzen Balkan." Die Treffen angestoßen hatte Erwin Schrenk, seit gut einem Jahr Ortsvorsteher von Morscheid-Riedenburg. Bewogen hatte den 76-Jährigen das Motto "Auf dem Balkan alt werden". Allerdings würde er sich freuen, wenn öfter mal Jüngere oder Jugendliche dazukämen. Denn obwohl die Balkan-Senioren ein eingeschworenes Team bilden, sind neue Gesichter jederzeit willkommen. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Bisher ist die 67-jährige Gertrud Back das "Nesthäkchen". urs

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