Bei gastfreundlichen Philosophen

THALFANG/MALBORN/SCHÖNBERG. (urs) Noch hat der neue Priester der Pfarreien Thalfang, Malborn und Schönberg seinen Dienst nicht angetreten. Seit Mitte Juli zelebriert dort daher ein nigerianischer Kollege die Messen.

Groß bitten musste ihn keiner. Virgilus Amadi, nigerianischer Priester und seit anderthalb Jahren Student in Belgien, hat sich aus freien Stücken um eine Urlaubsvertretung in Deutschland bemüht. Viele Gläubige der Pfarreien Thalfang, Malborn und Schönberg haben ihn bereits kennenlernen können, denn seit Mitte Juli zelebriert er nicht nur die Messen, sondern kommt auch den vielen anderen Aufgaben eines Priesters nach. Darüber hinaus nutzt er in den vier Wochen seiner Vertretung jede sich bietende Gelegenheit, um seinen Wirkungskreis kennen zu lernen. Historischen Stätten in Trier, Mainz und Bernkastel-Kues hat er ebenso einen Besuch abgestattet wie dem Tallinger Spielfest oder der Wallfahrtskirche in Klausen, wohin er sich mit anderen Pilgern zu Fuß auf den Weg machte. Ausschlaggebend für sein Interesse an Deutschland waren für den 38-Jährigen seine Begeisterung für Immanuel Kant, Martin Heidegger oder Hugo von St. Viktor, die er während seines Studiums der Philosophie schätzen gelernt hat. "Es gibt viele Philosophen in Deutschland", erklärt er im Grunde auch schon, warum er sich in Belgien entschieden hat, neben Französisch auch noch Deutsch zu lernen. Kann er so doch die Texte der großen Denker im Original lesen. Er liebe diese Sprache, obwohl sie eine sehr schwierige sei, verrät Amadi. Dass er sich Deutsch im Selbststudium angeeignet hat, beweist sein Sprachtalent. Denn abgesehen von Ibo, seiner Muttersprache, und der nigerianischen Amtssprache Englisch, spricht er natürlich auch Hebräisch. Latein könne er allerdings nur lesen, beeilt er sich zu sagen. Dennoch spricht er beim Gedanken an seine Ankunft in Europa von einem "großen Schock". Abgesehen von den damals noch fehlenden Französischkenntnissen sei vor allem das Klima gewöhnungsbedürftig gewesen. Der Kontakt zum Bistum Trier hat sich durch seine Freundschaft mit einem in Trier studierenden Priester angeboten. Auf ein Schreiben hin, sei ihm diese Stelle in Thalfang angeboten worden, welche ihm die Möglichkeit gibt, seiner eigentlichen Aufgabe nachzukommen: "Ich muss dienen - jeden Tag." Ein positiver Nebeneffekt für den 1997 zum Priester geweihten Nigerianer: Er lernt andere Länder und andere Menschen kennen. Damit hat er vor Ort nur positive Erfahrungen gemacht. "Die Leute sind sehr gastfreundlich." Viele fragten bei ihr nach, ob sie Amadi Marmelade, Wein oder Gurken vorbei bringen könnten, erzählt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Anne Molter. Was der Gast aus Nigeria nicht verschmäht, wie er versichert: "Ich probiere alles." Für die kommenden Semesterferien seiner verbleibenden vier Studienjahre im Großraum Brüssel hat Amadi bereits ein anderes Ziel ins Auge gefasst. Wenn es irgendwie gehe, wolle er auch Italien und den Vatikan kennen lernen.