"Bei Gefahr ruft man am besten laut hopp hopp"

"Bei Gefahr ruft man am besten laut hopp hopp"

Im Winter ist Jagdsaison - der Kreisjagdmeister von Bernkastel-Wittlich, Hans-Günter Vanck, erläutert im TV-Gespräch, wie man sich im Wald bei Treib- und Drückjagden verhalten sollte.

Wittlich. Von Ende Oktober bis Mitte Januar werden in den Jagdrevieren des Kreises Drück- oder Treibjagden veranstaltet. Dabei geht es darum, den Wildbestand in den Jagdrevieren zu regulieren.

Kreisjagdmeister Hans-Günter Vanck erläutert im TV-Interview, warum solche Jagden gemacht werden.

Was ist der Unterschied zwischen Treib- und Drückjagden?
Vanck: Eine Drückjagd macht man, um Rotwild zu schießen. Da reicht es, wenn Leute durch den Wald gehen und an einen Baum klopfen. Dadurch wird das Rotwild langsam in Bewegung gesetzt, um es in Richtung Jäger zu drücken - daher der Name "Drückjagd".
Bei Wildschweinen ist das anders, denn die reagieren nicht so stark. Dafür gibt es Hundegruppen, die die Sauen aus den Büschen treiben. Deshalb der Name "Treibjagd".

Wieviel Wild wird bei solchen Jagden geschossen?
Vanck: Bei der Einzeljagd von April bis Oktober wird in der Regel ein Drittel des dafür vorgesehenen Wildes geschossen. Deshalb sind im Herbst die Drück- oder Treibjagden notwendig, um die übrigen zwei Drittel zu schießen. Die Mengen werden vorher festgelegt.
In der Regel werden ein bis zwei solcher Jagden gegen Jahresende pro Revier gemacht. Die Reviere sind zwischen 250 und 400 Hektar groß.

Wie viele Jäger sind dabei beteiligt?
Vanck: Meistens kommen zwischen 30 und 60 Jäger zusammen, dazu kommen noch die Hundeführer, die auch Jäger sind. Eine solche Jagd dauert zwei bis drei Stunden. Der Jagdleiter erklärt vorher noch einmal genau den Ablauf, auch in Hinblick auf die Sicherheit.

Stichwort Sicherheit - Welche Gefahrenquellen gibt es?
Vanck: Die Jäger schießen immer in Richtung Boden. Das bedeutet, dass meistens von sogenanten Ständen aus geschossen wird, so dass der Schütze eine höhere Position als das Wild hat. Beim Schuss ist es zwingend, dass dahinter Boden ist, damit sichergestellt ist, dass das Geschoss in die Erde einschlägt. Moderne Munition kann mit 1000 Stundenkilometern bis zu fünf Kilometer weit fliegen. Es gibt natürlich immer die Gefahr eines Abprallers, an einem Zweig oder an einem Felsen. Eine leichte Berührung kann die Flugbahn der Geschosse schon massiv verändern.
Der Jagdleiter teilt deshalb bestimmte Schusskorridore zu und macht die Jäger auf Gefahrenkorridore, wo sich gegebenenfalls Pilzsammler oder Spaziergänger aufhalten, aufmerksam.

Was ist zu tun, wenn man sich beim Wandern in eine solche Jagd verläuft?
Vanck: In einem solchen Fall soll man auf keinen Fall leise bleiben, sondern sich laut miteinander unterhalten, damit die Jäger einen hören und orten können. Am besten ruft man laut "hopp hopp". Dann sollte man den Weg zurückgehen, um aus der Jagdzone herauszukommen.

Warum werden solche Gebiete nicht während derZeit der Treibjagd komplett gesperrt?
Vanck: Das Gesetz untersagt es, den Wald zu sperren. Das ist im Bundeswaldgesetz verankert. Bei Treib- und Drückjagden weisen wir aber mit Trassierband, Schildern und gegebenenfalls auch Straßensperrungen auf die Jagd hin. Im Gegensatz zur Praxis der vergangenen Jahre geben wir nun auch die Termine der Jagden bekannt. Dazu gibt es keine gesetzliche Pflicht und man hat das früher auch nicht getan - aus Sorge um Jagdgegner, die dann womöglich bewusst in den Wald gehen, um die Jagd zu stören. Aber im Landkreis herrscht in dieser Hinsicht großes Verständnis, weshalb wir die Termine nun auch bekanntgeben.Extra

Im Landkreis Bernkastel-Wittlich gibt es 230 Jagdreviere. In der vergangenen Jagdsaison wurden 5000 Rehe, 600 Stück Rotwild, 130 Muffel und 6000 Wildschweine erlegt (1. April 2012 bis 31. März 2013). hpl