Bei jedem Läuten bröckelt es am Kirchturm

Bei jedem Läuten bröckelt es am Kirchturm

Jede Schwingung der vier Glocken von St. Martinus schädigt das Mauerwerk des Kirchturmes. Schuld ist die starre Aufhängung der Glocken an einem Stahlgerüst. Ein Förderverein sammelt Geld für einen neuen Glockenstuhl aus Holz, der vom Mauerwerk entkoppelt aufgestellt wird. 100 000 Euro wird das wohl kosten.

Hermeskeil. "Wer sich für unsere Glocken interessiert, kann mit nach oben kommen", lädt Dechant Clemens Grünebach Kirchenbesucher nach dem Gottesdienst ein. Mehr als 20, darunter viele Kinder, folgen dem Aufruf und stillen ihre Neugier. Die Einladung kommt nicht von ungefähr, denn die starre, stählerne Aufhängung der Glocken bereitet der Pfarrgemeinde Sorgen. Auf dem Weg nach oben wird das Problem immer sichtbarer: Putz bröckelt von den Wänden des Turms. "Normalerweise hängen Glocken an einem hölzernen Stuhl, der Schwingungen dämpft", erklärt der Vorsitzende des Fördervereins "Freunde von St. Martinus Hermeskeil", Martin Eiden. Bislang setzen sich die Schwingungen jedes Glockenschlags bis ins Mauerwerk fort. 100 000 Euro wird ersten Schätzungen zufolge der Bau eines hölzernen Glockenstuhls kosten, der die Dynamik des Geläuts in das Fundament des Turms statt ins Mauerwerk ableitet. Laut der Glockenspezialistin des Bistums Speyer, Birgit Müller, die auch für das Bistum Trier arbeitet, besteht derzeit noch keine Gefahr. Es darf also vorerst weiter geläutet werden. "Wir bekommen vom Bistum einen Zuschuss von vielleicht 30 000 Euro", hofft Dechant Grünebach. Da es sich aber um eine sechsstellige Investitionssumme handelt, dauert die Genehmigung des Zuschusses lange. "Vor 2015 können wir wahrscheinlich nicht mit dem Bau beginnen", schätzt der Geistliche. Gleich mit verbessert werden sollen aus Sicherheitsgründen die Elektrik, der Brandschutz und der Aufstieg in den Turm. "Können die Glocken nicht unter der Spitze des Turms zwischengelagert werden, müssen sie komplett raus, was die Sache noch einmal verteuert", fürchtet Grünebach. Bauherr ist der Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde. "Die Finanzierung ist noch völlig offen", sagt dessen zweiter Vorsitzender, Rainer Jansen, und empfiehlt, Mitglied im Förderverein zu werden.
Die ersten 10 000 Euro kamen bislang durch Erlöse aus der Stadtwoche, am Stand des Lions Clubs beim Martinusmarkt und weiteren Spenden zusammen. Jetzt will der Pfarrverwaltungsrat über die Vergabe von Aufträgen an einen Statiker und Architekten beraten. Das statische Problem im Turm ist jedoch nicht das einzige, das der Förderverein lösen will. An den 16 Kirchenfenstern hat der Zahn der Zeit genagt.
"Die Herausnahme und der Neuaufbau jedes Fensters kostet zwischen 8000 und 10 000 Euro", rechnet Vereinsvorsitzender Eiden vor, und wirbt um Patenschaften für einzelne Fenster. 2018 wird die Kirche St. Martinus 150 Jahre alt. Dann sollen nicht nur der runde Geburtstag, sondern auch das Geläut und die Fenster in neuem Glanz erstrahlen. "Das ist unser aller Wunsch in der Pfarrgem einde", sagt Dechant Clemens Grünebach, und weiß aus Erfahrung beim selben Problem in Beuren: "Wenn die Glocken nicht mehr läuten, werden diesen Klang viele vermissen." "Vor 2015 können wir wahrscheinlich nicht mit dem Bau beginnen." Dechant Clemens Grünebach "Wenn die Glocken nicht mehr läuten, werden diesen Klang viele vermissen."
doth

Extra

Eine Internetseite über die Arbeit und Ziele des Fördervereins "Freunde von St. Martinus Hermeskeil" ist in Arbeit. Im Pfarrhaus gibt es bis dahin Faltblätter mit Beitrittsformular. Das Spendenkonto ist bei der Volksbank Hochwald-Saarburg mit Kontonummer 808448, BLZ 585 647 88 eingerichtet worden. Die Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier informiert unter http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=1028 über die Geschichte der Pfarrkirche. Informationen gibt es auch im Pfarrbüro, Telefon 06503/ 981750.

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