Bei Kupplungsbelägen die Nase vorn

Bei Kupplungsbelägen die Nase vorn

MORBACH. Nach einem Brand im April läuft bei Raybestos alles wieder seinen gewohnten Gang. Volle Auftragsbücher, ein Umsatzplus von 16 Prozent, dazu das Werk in China - die Zukunft erscheint positiv. Dazu trägt auch das Know-how um bleifreie Beläge und Lösungsmittel-freie Produktion bei.

Mitte April hatte ein durch Funkenflug im Staubbunker verursachter Brand bei Raybestos in Morbach einen tagelangen Produktions-Stillstand verursacht. Doch nach wenigen Tagen konnte die Firma aufatmen. "Den Produktionsausfall haben wir letzte Woche wieder aufgeholt", teilte Geschäftsführer Alfred Klee 14 Tage später mit. Die Einhaltung der Liefertermine für Kupplungsbeläge, die neben Reibscheiben und Industriereibprodukten 85 Prozent der Morbacher Produktion ausmachen, ist für das Unternehmen sehr wichtig. Denn abgesehen von den in diesem Jahr um 20 Prozent volleren Auftragsbüchern gibt es eine weitere Besonderheit. "Unsere Kunden sind auch unsere Mitbewerber", erklärt Klee und nennt Sachs und LuK mit allein 60 Prozent Vertriebsanteil. Das Ganze sei ein schwieriges Geschäft: "Wir können nur gewinnen, solange wir in Preis und Technik den anderen voraus sind." Wie beispielsweise aktuell bei den bleifreien Belägen, die ab Juli in Deutschland für Neufahrzeuge zwingend sind. "Da haben wir die Nase vorn", freut sich der Geschäftsführer. Obwohl der Markt laut Klee sehr "schwächelt", liegt der Umsatz zurzeit sogar 16 Prozent über dem des Vorjahres. In Morbach werden ausschließlich Beläge für handgeschaltete Getriebe gefertigt, deren Abnehmer überwiegend in Europa sitzen. Mit 265 Mitarbeitern hat das Morbacher Werk 2002 einen Umsatz von 27,3 Millionen US-Dollar erzielt. Zu einem wichtigen Standbein der europäischen Holding (siehe Kasten) ist die 1998 im chinesischen Suzhou gegründete Tochter geworden. Nach zwei Jahren mit negativem Ergebnis erwirtschaftet die "Raybestos Friction Products Ltd" seit 2000 Gewinne. 2002 erzielte sie mit 185 Mitarbeitern einen Umsatz von 9,7 Millionen US-Dollar. Was zwar nur einem guten Drittel des Morbacher Umsatzes entspricht, doch dem steht der doppelte Gewinn von Morbach gegenüber. Klee rechnet in China - sofern Sars keinen Strich durch die Rechnung macht - mit einer Steigerung von 20 Prozent. "Unsere Chancen sind mit dem Werk sicherlich gewachsen", so der Geschäftsführer, der betont: "Dieses Werk sichert Arbeitsplätze in Deutschland." Grundbestandteil der Kupplungsbeläge - das Morbacher Werk fertigt pro Jahr 15 Millionen Teile für PKW plus drei Millionen für LKW - ist neben Glasfaser, Zellwolle und NE-Drähten der Reibzement, durch den die Garne gezogen werden. Dieser basiert auf einer Mischung aus Kautschuk, Harz und Graphitrußen. Die so entstehenden "Wicklinge" werden anschließend gepresst, gehärtet, geschliffen, gebohrt und imprägniert. Eine Million LKW-Kilometer - bei PKW 150 000 - müssen die Beläge durchhalten. Im September will Raybestos seinen Kunden eine kleine Revolution vorstellen. Die Entwicklung einer Ummantelung von Garnen ohne Verwendung von Lösungsmitteln dient Arbeits- und Umweltschutz ebenso wie der Reduzierung der Explosions- oder Brandgefahr. Die neuartige Reibzement-Mischung soll künftig für beide Werke in Morbach gemischt und als Granulat nach China verschifft werden. Der Vorteil: Die Formelbestandteile und damit das Know-how bleiben im Land. Insgesamt würden in Morbach in der Regel knapp sechs Prozent des Umsatzes für Entwicklung ausgegeben. Um parallel zur jetzigen Produktion mit dieser neuen Prozesstechnik beginnen zu können, ist noch in diesem Jahr der Bau einer Halle für 800 000 Euro vorgesehen. Allein bis Ende 2004 sollen weitere vier Millionen dafür investiert werden, plus 2,5 in der folgenden Zeit.