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Bei Wahlen in Eifel, Mosel, Hunsrück nimmt die Kandidatenzahl oft ab

Kommunalpolitik : Immer öfter hat der Wähler keine Auswahl

Immer seltener kommt es bei politischen Wahlen zu einem echten Duell um das Amt. Vor allem im Kreis Bernkastel-Wittlich nimmt die Zahl der politischen Bewerber ab. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Bundestag, Landrat für den Eifelkreis und Trier-Saarburg, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land: Am 26. September ist Super-Wahlsonntag (alle Infos hierzu in unserem Wahlspecial)

Doch die Zahl der Bewerber um politische Ämter in der Kommunalpolitik nimmt immer weiter ab. In immer mehr Ortsgemeinden gibt es gar keine Bewerber mehr für das Amt des Ortsbürgermeisters. Einige Beispiele.

Landratswahlen: „Schafft er es, sich selbst zu überbieten?“, lautete die wohl spannendste Frage bei der Landratswahl 2017 im Eifelkreis. Denn Amtsinhaber Joachim Streit war der einzige Bewerber. Seit Mai sitzt Streit – wie der Ex-Bürgermeister der VG Wittlich-Land, Dennis Junk – im rheinland-pfälzischen Landtag. Am 26. September werden Nachfolger oder Nachfolgerin gewählt. Für beide Ämter gibt es jeweils zwei Kandidaten.

Drei waren es noch bei der Landratswahl im Eifelkreis im Jahr 2009, als neben Streit Paul Glauben (CDU) und Wolfgang Ferner (Die Linke) antraten. Streit gewann in der sonst CDU-lastigen Eifel mit 75 Prozent. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich hatte Gregor Eibes (CDU) bei seiner Wiederwahl im November 2018 wie Streit 2017 keinen Gegenkandidaten, dafür aber die volle Rückendeckung der Wähler mit knapp 85 Prozent der Stimmen, die ihn im Amt des Landrats bestätigten. Die Wahlbeteiligung fiel allerdings mit 24 Prozent historisch gering aus.

2011 waren es noch deutlich mehr Gegenkandidaten für den aktuellen Chef des Landkreises Bernkastel-Wittlich: Bernd Spindler (SPD), Thomas Schmitt-Schäfer (Bündnis90/Grüne), Frank Kanwischer (FWG) sowie die parteilosen Reinhard Niedersberg und Stephan Henkel traten neben Eibes an.

Im Vulkaneifelkreis traten bei der Wahl im vergangenen Jahr zwei Kandidaten bei der Landratswahl an, Julia Gieseking setzte sich gegen Amtsinhaber Hans-Peter Thiel durch. Der hatte sich acht Jahre zuvor mit 61,3 Prozent gegen Frank Bender (CDU) durchgesetzt und trat zum April 2013 die Nachfolge von Heinz Onnertz an.

Anders ist es im benachbarten Landkreis Trier-Saarburg, wo aktuell – Termin ist ebenfalls der 26. September – fünf Kandidaten für das Landratsamt kandidieren.

Bürgermeisterwahlen: Am 26. September stellen sich Manuel Follmann (CDU) und Jürgen Jakoby (Liste Jakboy) zur Wahl für das Amt des Bürgermeisters der VG Wittlich-Land. Bei der Wahl für das gleiche Amt im Jahr 2014 wollte noch die stolze Zahl von sechs Kandidaten neues Oberhaupt der VG, damals noch ohne die später zwangsfusionierte VG Manderscheid, und damit Nachfolger von Christoph Holkenbrink (CDU) werden: Gerti Hüppeler-Meuer (ÖDP), Claudia Laux (Bündnis 90/Die Grünen), Rita Wagner (FDP), Dennis Junk (CDU), Stephan Henkel (parteilos) sowie Alois Meyer (FWG). In die Stichwahl kamen von diesen sechs Junk und Meyer, Junk setzte sich mit 55,4 Prozent der Stimmen durch. Seine Amtszeit begann am 1. Juli 2014, er sitzt seit Mai für die CDU im Landtag.

Bei der Wahl zum Bürgermeister der Stadt Wittlich im Jahr 2016 gab es nur zwei Kandidaten: Joachim Rodenkirch (CDU) und (erneut) der parteilose Stephan Henkel. Henkel und Rodenkirch hatten bereits 2009 für das Amt kandidiert, damals noch gegen eine wahre Heerschar von Bewerbern, denn zudem waren Karl-Michael Geisbüsch, Thomas Müller, Gerhard Nadolny und Achim Nehrenberg im Rennen. Rodenkirch siegte bei beiden Wahlen.

Marcus Heintel (SPD, Bürgermeister der VG Traben-Trarbach) gewann 2014 in der Stichwahl gegen die CDU-Kandidatin Heidrun Baltes. Zuvor lagen beide im ersten Wahlgang, bei dem auch Reinhard Niedersberg für die ÖDP antrat, fast gleichauf.

Leo Wächter (VG Bernkastel-Kues, CDU) und Andreas Hackethal (EG Morbach, CDU) hatten bei ihren zurückliegenden Wahlen im Frühjahr 2019 keine Gegenkandidaten.

Anders war es allerdings im vergangenen Herbst, als die VG Thalfang ein neues Oberhaupt suchte: Fünf Kandidaten – solch eine Auswahl findet man mittlerweile in der Region nur noch selten – hatten ihren Hut in den Ring geworfen und sich für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Thalfang beworben: Vera Höfner (CDU) aus Thalfang, Burkhard Graul (SPD) aus Thalfang-Bäsch, Hermann-Josef Franzen (parteilos) aus Waldrach, Kreis Trier-Saarburg, Christian Synwoldt aus Malborn (Bündnis 90/Die Grünen) und Hans Werner Schmitt (Einzelbewerber) aus Piesport. Es siegte Vera Höfner in der Stichwahl gegen Graul.

Mögliche Gründe: Eines vorweg: Politische Ämter, egal ob im Haupt- oder im Ehrenamt, sind nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Vor allem die heutzutage oft zitierte, angeführte und angestrebte Work-Life-Balance, also ein Zustand, in dem das Verhältnis von Arbeit und Freizeit im Einklang miteinander stehen, ist für Menschen im politischen Amt häufig ein Fremdwort.

So ergab eine Umfrage der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl unter Bürgermeistern, dass 76 Prozent eine Arbeitswoche mit sechs bis sieben Tagen haben. „Dies stimmt mit dem Ergebnis der befragten Bürger überein; danach sind 22,5 Prozent der Bürger der Meinung, dass das Amt des Bürgermeisters aufgrund des hohen Zeitaufwandes familienunfreundlich ist“, heißt es weiter in der Auswertung (www.hs-kehl.de).

Zudem ist vor allem in sozialen Medien eine Hau-drauf-Gesellschaft entstanden. So sehr Nutzer dort versuchen, sich selbst ins allerbeste (und meist nicht ganz rechte) Licht zu rücken, so sehr beschimpfen sie ihre Mitmenschen, ohne den direkten Kontakt, den Dialog, die Diskussion zu suchen. Da Menschen in politischen Ämtern in der Regel in der Öffentlichkeit stehen, gehören sie zu der Gruppe, die bei Facebook & Co. oft beschimpft werden – was im direkten Kontakt zumindest in dieser Form meist nicht passieren würde.

Das oft angeführte Argument, dass ehrenamtlich politisch Tätige wie Ortsbürgermeister „eine nicht geringe Aufwandsentschädigung für das bisschen Arbeit“ bekommen, ist auch nicht immer richtig, denn heutzutage ist der Aufwand durch die wachsende Zahl an zu beachtenden Regularien und Aufgaben im Vergleich zu früher deutlich angestiegen. Zudem lassen Gesetze, Vorgaben und Vorschriften immer weniger individuellen Gestaltungsspielraum in den unteren Ebenen der politischen Tätigkeit zu.

Alles in allem können das Gründe sein für die teilweise immer geringere werdende Zahl von Kandidaten, die sich für ein Amt in der (Kommunal)Politik bewerben. Das zu ändern, dürfte ein langwieriger Prozess sein, der von Land und Bund angestoßen und gesteuert werden muss. Denn ohne Bürgermeister, Landrat, Bundeskanzler oder -präsident geht es genauso wenig wie ohne Diskussion, Demokratie und Kompromiss.