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Beigeordneten-Wahl gerät zum Glücksspiel

Beigeordneten-Wahl gerät zum Glücksspiel

Verhärtete Fronten in der konstituierenden Sitzung des VG-Rates Traben-Trarbach: Weil CDU und FDP auf der einen und SPD und FWG auf der anderen Seite jeweils zwölf Mitglieder im Rat stellen, musste bei der Wahl zum ersten und dritten Beigeordneten das Los entscheiden.

 Zweimal musste das Los entscheiden: Bürgermeister Ulrich K. Weisgerber zieht den Zettel mit dem Namen Karl-Heinz Weisgerber, der nun erster Beigeordneter ist. Die zweite Losentscheidung betraf den dritten Beigeordneten. Das Glück war auf der Seite von Hannelore Immich (FDP). TV-Foto: Winfried Simon
Zweimal musste das Los entscheiden: Bürgermeister Ulrich K. Weisgerber zieht den Zettel mit dem Namen Karl-Heinz Weisgerber, der nun erster Beigeordneter ist. Die zweite Losentscheidung betraf den dritten Beigeordneten. Das Glück war auf der Seite von Hannelore Immich (FDP). TV-Foto: Winfried Simon

Traben-Trarbach. Es war eine denkwürdige Sitzung, die rund 30 Bürger live erlebten: Insgesamt sieben Mal mussten die 24 Ratsmitglieder am Dienstagabend im Bürgersaal Traben zur Wahlurne schreiten, um die Beigeordneten zu wählen. Weil die Fraktionen CDU und FDP auf der einen, SPD und FWG auf der anderen Seite unbedingt ihre Kandidaten durchbringen wollten, musste zweimal das Los entscheiden. Das Ergebnis: Glücklicher Gewinner für das Amt des ersten Beigeordneten ist Karl-Heinz Weisgerber (SPD), Gewinnerin für das Amt des dritten Beigeordneten ist Hannelore Immich (FDP).

Die Chronologie der Ereignisse: Zu Beginn der Ratssitzung äußert Bürgermeister Ulrich K. Weisgerber einen Wunsch: Es sei im Rat immer guter Brauch gewesen, dass die Beigeordnetenposten nach der Stärke der Fraktionen verteilt werden. Demnach hätte der CDU der erste, der SPD der zweite und der FWG der dritte Beigeordnete zugestanden.

Doch die SPD stellt sich quer. Nachdem die CDU für das Amt des ersten Beigeordneten Robert Gedert vorgeschlagen hat, schickt die SPD Karl-Heinz Weisgerber ins Rennen. Drei geheime Wahlgänge bringen jeweils ein Patt: zwölf Stimmen für Gedert, zwölf für Weisgerber. In einem solchen Fall sieht die Gemeindeordnung vor, dass das Los entscheiden muss. Bürgermeister Weisgerber greift in die Wahlurne, in der zwei verschlossene Umschläge, jeweils mit dem Namen der beiden Kandidaten versehen, deponiert sind. Weisgerber öffnet den Umschlag und liest vor: "Karl-Heinz Weisgerber." Beifall bei der SPD und FWG, enttäuschte Gesichter bei CDU und FDP.

Es folgt die Wahl zum zweiten Beigeordneten. Die CDU schlägt erneut Robert Gedert vor, die anderen Fraktionen bleiben stumm. Das Wahlergebnis: 16 Ja-Stimmen für Gedert, fünf Nein-Stimmen und drei ungültige Stimmen. Schließlich ruft Bürgermeister Weisgerber zur Wahl des dritten Beigeordneten auf. Die CDU beantragt eine Sitzungsunterbrechung von 15 Minuten und berät sich mit der FDP. Als alle wieder Platz genommen haben, schlägt die FDP Hannelore Immich (FDP) für das Amt vor. Immich, die wenige Tage zuvor noch erklärt hatte, nicht zu kandidieren, stellt sich doch. "Nachdem, was gerade hier gelaufen ist, müssen wir reagieren", sagt sie gegenüber dem TV.

Die FWG schlägt Ulrike Boor vor. Drei Wahlgänge folgen, alle enden mit dem gleichen Ergebnis: zwölf zu zwölf. Erneut muss das Lost entscheiden. Diesmal applaudieren CDU und FDP, denn Hannelore Immich ist die glückliche Gewinnerin.

Karl-Heinz Weisgerber erklärt noch am Abend gegenüber dem TV, dass er sein Ratsmandat nicht annehmen wird, für ihn rückt Frank Ewein (Enkirch) nach.

Robert Gedert will sich in den kommenden Wochen noch mit seiner Fraktion beraten. Falls auch er sein Ratsmandat nicht annimmt, wird Ingrid Tatsch aus Irmenach für die CDU nachrücken.

Meinung

Merkwürdige Machtspiele

Die Beigeordnetenwahl als Glücksspiel, inszeniert von SPD und FWG: Das ist kein guter Start für den neuen Verbandsgemeinde-Rat Traben-Trarbach. Legitim ist dieses Spiel, aber ist es auch redlich? Das darf bezweifelt werden. Einen Beigeordneten durchzubringen, in der Hoffnung beim Losen Glück zu haben, ist schon ziemlich merkwürdig. Die Sache ist für die SPD gut ausgegangen, sie stellt nun den ersten Beigeordneten. Die FWG hingegen geht leer aus, sie hat das Spiel verloren. Wäre das Wahlprozedere "nach altem Brauch" erfolgt, hätte die FWG den dritten Beigeordneten bekommen. Das muss schon schmerzen. Wer zockt, muss auch damit rechnen, verlieren zu müssen. Vor allem der SPD, beflügelt vom guten Abschneiden bei der Kommunalwahl und jetzt mit nur einem Sitz weniger als die CDU im Rat vertreten, ging es darum, Stärke zu demonstrieren. Und sie hat gleich gehörig Staub aufgewirbelt. Wenn der Rauch der Schlacht verflogen ist, wird man wieder zu den Sachthemen zurückkehren. Dann aber hoffentlich ohne unwürdige Muskelspielchen. w.simon@volksfreund.deEXTRA Die Fraktionssprecher Die Fraktionen gaben auf der VG-Ratssitzung ihre Vorsitzenden bekannt: CDU: Fraktionssprecher: Gerald Caspari, Stellvertreter: Paul-Walter Caspari und Petra Gehrke SPD: Fraktionssprecher: Renate Braband, Stellvertreter: Kurt Thiesen und Hans-Joachim Weinmann FWG: Fraktionssprecher: Kurt Haag, Stellvertreter: Rudolf Brixius FDP: Fraktionssprecher: Peter Storck, Stellvertreter: Achim Spier