Beim Projekt Rufbus in Wittlich gibt es noch Probleme

Beim Projekt Rufbus in Wittlich gibt es noch Probleme

Lange Wartezeit beim Bestellen, kaum Ortskenntnis in der Telefonzentrale: Beim Wittlicher Rufbus läuft noch nicht alles rund.

Christel Euler wohnt in Wittlich. Vor ein paar Wochen hatte sie eine Operation. Danach war eines ihrer Beine eingegipst, sie konnte es nicht bewegen. Da sie in dieser Zeit auch kein Auto fahren konnte, wollte sie den Wittlicher Rufbus nutzen, um zum Einkaufen zu fahren. Das sei für sie jedoch alles andere als einfach gewesen. Euler bemängelt unter anderem, dass bei dem Rufbus der Tritt nicht ausfuhr. "Der funktioniert nicht, weil er vereist ist, hat mir die Busfahrerin gesagt." Als sie in den Bus einstieg, habe noch alles einwandfrei funktioniert, aber als sie raus wollte, sei die Stufe an dem Bus nicht ausgefahren. "Eine andere Passagierin musste mir dann helfen", klagt Euler. Nach Angaben des Pressesprechers der Stadt Wittlich, Jan Mußweiler, gibt es hier kein generelles Problem. Das habe eine Nachfrage bei dem Busunternehmen Meier aus Landscheid, das die Rufbus-Linie betreibt, ergeben.

Demnach könne es lediglich in einzelnen Fälle zu einer Fehlfunktion kommen, etwa bei starkem Frost. Das läge daran, dass der Tritt an der Außenseite des Busses befestigt sei. Aktuell sei jedoch keine Störung des Ein- und Ausstiegs bekannt. Ohnehin sei ein solcher Defekt bisher nur sehr selten vorgekommen. Laut Euler sei das aber nicht das einzige Problem, das sie mit dem Wittlicher Rufbus hatte: Um mit dem Bus fahren zu können, müsse dieser zunächst mit einer Vorlaufzeit von einer Stunde telefonisch bei der Fahrtwunschzentrale an eine der etwa 70 Haltestellen im Stadtgebiet bestellt werden.

Doch die Bestellung dauerte eine halbe Ewigkeit. "Ich hing etwa 30 Minuten in der Warteschleife, bis ich jemanden erreicht hatte." Christel Euler scheint mit diesem Problem nicht alleine zu sein. Sie habe von einer anderen Passagierin erfahren, dass diese schon bis zu 90 Minuten in der Warteschleife des Callcenters gewartet habe, bis sie jemand erreicht hätte. Und da käme dann gleich das nächste Problem. Die Leute, die in den Telefonzentralen arbeiteten, würden sich nicht in Wittlich auskennen, weil die Telefonzentralen in Münster, Koblenz oder Trier seien. "Die haben dann nur eine Karte im Internet und wissen oftmals nicht weiter, wenn man sie nach der nächsten Haltestelle fragt."
Nach Angaben von Mußweiler, wird die Telefonzentrale von dem Kooperationspartner der Stadt der Deutsche Bahn Regio Bus Rhein-Mosel GmbH betrieben. Im Dezember hätten in der Tat viele Menschen in der Zentrale angerufen. Deswegen sei die Erreichbarkeit zeitweise nicht immer möglich gewesen.

Nach Angaben des Pressesprechers soll das aber in Zukunft Stück für Stück verbessert werden. Dass das gelingt, da ist sich Mußweiler sicher: "Die Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Bahn funktioniert gut, auf gemeldete Beschwerden wird dort sofort reagiert." Was die Ortskenntnisse der Mitarbeiter betrifft, wolle man diese noch mehr schulen. Laut Mußweiler will die Stadt Wittlich jetzt schauen, wie sich das Projekt Rufbus entwickelt, um dann in einigen Monaten Bilanz zu ziehen und zu prüfen wie es weitergeht.

Christel Euler kann das egal sein. Sie ist wieder gesund, hat keinen Gips mehr, und ist nicht mehr auf den Rufbus angewiesen. Alle anderen Fahrgäste müssen sich offenbar noch ein wenig gedulden, bis das Projekt Rufbus fehlerfrei rollt. Die Verantwortlichen jedenfalls, beteuert Mußweiler, arbeiten daran.
Extra: Rufbus

Der Wittlicher Rufbus auf Bestellung fährt montags bis freitags zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 18 Uhr 70 Haltestellen in Wittlich an. Er kann sieben Gäste und einen Rollstuhlfahrer transportieren und ist barrierefrei.
Fahrtwünsche können zwischen 7 und 18 Uhr unter Telefon 06571/172999 und bei der Fahrtwunschzentrale unter Telefon 0261/29670388 oder online unter www.fahrtwunschzentrale-rlp.de angemeldet werden.

Falls zur gewünschten Zeit auf der gewünschten Strecke ein regulärer Linienbus fährt, teilt die Zentrale das dem Fahrgast mit. Der Rufbus gilt als bundesweites Pilotprojekt und eine Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und dem Taxigewerbe. Rund 250 Mal je Monat wurde das Angebot in den ersten drei Monaten durchschnittlich genutzt. Damit ist der Rufbus nicht ausgelastet. Eine Einzelfahrt kostet drei Euro. Zeitkarten und Rabatte gelten im Rufbus genauso wie im regulären Busverkehr. Damit ist ein Komfortzuschlag von einem Euro zu zahlen. Unter www.wittlich.de gibt es eine Übersicht zu den Haltestellen und eine Erklärung, wie alles funktioniert. sos
Kommentar: Ins Rollen bringen oder stoppen

von Sonja Sünnen

Immer wenn beim neuen Rufbus irgendwo der sprichwörtliche Sand im Getriebe ist, sollten die Wittlicher geradewegs die Verwaltung oder einen Stadtrat ihres Vertrauens informieren. Nur so sind Anfangsschwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Bei den Nutzerzahlen haben allerdings weder die politisch Verantwortlichen noch die Verwaltung Möglichkeiten diese zu verbessern. Klar ist: Das Pilotprojekt wird nach einer Testphase auf den Prüfstand kommen. Überzeugen werden nur viele Fahrten und die gibt es aktuell ganz klar nicht. 67 500 Euro im Jahr lässt sich die Stadt das Ganze kosten. Wenn die Nachfrage gering bleibt, gibt es nur eine Lösung: einstellen. Deshalb gilt jetzt: einsteigen.
s.suennen@volksfreund.de