1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Freizeit: Beim Reizen in die Augen schauen

Freizeit : Beim Reizen in die Augen schauen

In Kneipen kann man sie gelegentlich noch nach der Sonntagsmesse treffen: die Hobby-Skatspieler. Es wird aber auch als Sport gespielt.

Die deutsche Brotkultur ist es, die Morsetelegrafie auch, und die Skatkultur: Sie alle tragen den Titel immaterielles Kulturerbe in Deutschland. Seit knapp 200 Jahren wird in Deutschland Skat gespielt. Auch im Hunsrück ist man im Skatverein „Herz Dame Schönberg“ mit viel Herzblut dabei. Werner Schneider, erster  Vorsitzender, sagt: „Bei uns im Verein wird Skat als Sport gelebt. Das beginnt im Verein mit der Vereinsmeisterschaft und geht weiter über den Liga-Spielbetrieb in den Verbänden, der genauso aufgebaut ist, wie in allen anderen Sportarten auch.“ Weiter sagt der Skat-Sportler: „Die Vielzahl an Wettbewerben machen den Skat zu einer interessanten Sportart.“ Daneben gibt es aber immer noch die Grüppchen, die sich privat oder in Gaststätten treffen, nach ihren eigenen Regeln Skat spielen, und den Erlös für gemeinschaftliche Aktivitäten verwenden.

Geändert haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Rahmenbedingungen für Skat. „Während die „Offenen Preisskate“ für Jedermann rückläufige Teilnehmerzahlen haben, finden Events wie der Marathon-Skat über zehn Serien und 24 Stunden viel Resonanz. Da haben wir die Teilnehmermarke von 100 schon geknackt“, so der Skatexperte Schneider, der neben dem Vorsitz in Schönberg auch Präsident des Skatsportverbands Trier ist.

Auch die viertägige Skatreise des Vereins, indem Spieler aus dem Kreis Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und der Stadt Trier Mitglied sind, ist sehr beliebt. In diesem Jahr geht es in den Harz, von den 76 Plätzen sind 50 für Skatspieler reserviert. „Erfahrungsgemäß ist die Reise schon im März ausgebucht.“ Auf den Reisen werden insgesamt zehn Serien, ähnlich einem Wettkampf gespielt. Für die mitgereisten Damen, die kein Skat spielen, gibt es ein extra Programm. „Gleich nach dem Frühstück im Blockhaus geht es beispielsweise mit der ersten Runde Skat los, während die Damen eine Planwagenfahrt über die Höhen der Eifel machen“, berichtet Schneider.

So geht es dann weiter, in den Hotels und Gasthäusern wird gleich ein größerer Raum oder Saal mitgebucht, so dass die Skatrunden gespielt werden können. Abends oder nach den Mahlzeiten wird dann das Blatt gekloppt. Frauen, die das Skatspielen zum Hobby haben, gibt es kaum. „Hier in der Region sind es höchstens sechs oder sieben Prozent“, so Werner Schneider, den das Skatfieber mit 19 Jahren gepackt, als er bei der Bundeswehr ernsthaftere Erfahrungen mit dem Spiel gesammelt hat.

Seit damals hat sich in der Skatkultur einiges verändert. „Früher war es bei einigen Menschen so, dass sie sich sonntags vormittags getroffen haben, und dann ging der Daumen nach rechts, Richtung Kirche oder nach links Richtung Kneipe. Meist erst in die Kirche und dann zum Skat spielen in die Wirtschaft.“ Weiter führt er aus: „Aber heute gibt es kaum noch Kneipen und die Zahl der Gottesdienste ist in vielen Orten ebenfalls rückläufig. Das ist fürs Skatspielen schwieriger geworden.“

Zudem stellt er fest, dass immer mehr ältere Skatanhänger zuhause bleiben und im Internet  spielen. Für ihn kommt das nicht in Frage: „Ich will meinem Gegenüber beim Spielen in die Augen sehen“, sagt Schneider. Junge Leute haben am Skat im Verein wenig Interesse. „Nachwuchs haben wir leider keinen. Von unseren 20 Mitgliedern in Schönberg sind 14 schon Rentner.“ Nichtsdestotrotz freut sich Werner Schneider auf das kommende Wochenende. Dann findet zum 33. Mal der „Große Preisskat im Bürgerhaus Beuren“ statt (siehe Extra).