Beitrag zur Barrierefreiheit: Der Trödelmarkt in Traben-Trarbach

Beitrag zur Barrierefreiheit: Der Trödelmarkt in Traben-Trarbach

Organisatoren und Besucher fiebern dem großen Markt an der Trarbacher Nikolauskirche in diesem Jahr besonders entgegen. Er ist ein Beitrag zur Barrierefreiheit.

Der Begriff Trödel hat eine neue Bedeutung, seit Sendungen wie "Bares für Rares" oder "Kunst und Krempel" über die Bildschirme flimmern. In Traben-Trarbach steht er schon mehr als 30 Jahre in einem besonderen Licht. Es gibt sogar ein Trödelteam. Es ist das ganz Jahr über aktiv, sammelt ein, was die Leute nicht mehr brauchen oder wollen. Heinz-Jürgen Demmer umreißt das Angebot: "Alt oder neu. Alles, was einen Stecker hat, was man im Haushalt oder für die Ferienwohnung braucht. Vieles, was man nicht braucht aber alt oder rar ist. Bücher, Schallplatten und so weiter - von A(ktenkoffer) bis Z(uckerdose)." Nur Kleidung und größere Möbelstücke fallen aus der Liste heraus.

Einmal im Jahr wird das, was in einer ehemaligen Kellerei gelagert wird, zum Verkauf angeboten. Schauplatz ist das Gelände um die Pfarrkirche in der Grabenstraße im Stadtteil Trarbach. Anfangs hat das Pfarrheim als Verkaufsfläche gereicht, längst ist aber auch jeder verfügbare Quadratmeter auf der Freifläche vor Kirche und Pfarrheim belegt. Der Erlös diente anfangs fast ausschließlich kirchlichen Zwecken. Als das Angebot und die Einnahmen wuchsen, wurde die Spendentätigkeit ausgeweitet. Aktuelles Beispiel: Für die attraktivere Gestaltung der Skaterbahn in der Stadt hat das Trödelteam 500 Euro zur Verfügung gestellt. Jedes Jahr können mehrere Projekte bedacht werden.

In diesem Jahr ist das aber anders. Der Erlös und vielleicht noch ein bisschen mehr sollen in ein Projekt investiert werden - einen behindertengerechten Zugang zur Pfarrkirche und zum Pfarrheim. Geplant ist ein Treppenlift, der auch mit einem Rollstuhl oder Rollator genutzt werden kann. Damit werde nicht nur den Belangen der Kirchgänger Rechnung getragen, sagt Andreas Michel, der sowohl dem Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde St. Nikolaus als auch dem Trödelteam angehört. Da die Kirche vermehrt auch als Ort für Konzerte genutzt werde, sei die Barrierefreiheit wichtig. Michel und Demmer weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Zugang zur katholischen Kirche im Stadtteil Traben auch nicht barrierefrei ist. Die Kosten belaufen sich auf circa 21?000 Euro. Das Trödelteam rechnet mit Zuschüssen vom Bistum, ist aber bereit, selbst den größten Teil der Summe einzubringen.

Artur Greis, Behindertenbeauftragter der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach und Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderungen im Kreis Bernkastel-Wittlich, lobt das Engagement des Trödelteams. Vielleicht seien auch über diese Schiene Zuschüsse zu bekommen, sagt er. Das Trödelteam besteht aus einem harten Kern von neun Leuten, die sich regelmäßig treffen. "Alle haben eine spezielle Aufgabe", erläutert Heinz-Jürgen Demmer. Johannes Noczinski überprüft beispielsweise die Funktionstüchtigkeit aller elektrischen Geräte. Wenn die beiden Verkaufstage nahen, erweitert sich das Team auf circa 40 Helfer. "Wir werden auch von verschiedenen einheimischen Firmen mit Geräten und Transportmitteln unterstützt", berichtet Demmer.

In diesem Jahr beginnt die heiße Phase der Vorbereitungen so um den 19. Juni herum. Geöffnet ist der Markt am Samstag und Sonntag, 24. und 25. Juni. Etwa 70 Prozent der Besucher und Händler kommen am ersten Tag - in der Hoffnung, dann das ein oder andere Schnäppchen zu machen. "Die ersten sind morgens schon um sieben Uhr da", berichtet Demmer.

Extra: MEHRERE TAUSEND EURO PRO JAHR
Mit dem Erlös der Märkte hat das Trödelteam in den vergangenen Jahren viel Gutes getan; unter anderem für philippinische Familien, die einen Taifun überstanden hatten, den Verein Amme, der die musikalische Ausbildung von Menschen mit Behinderungen fördert und den Willkommenstreff für Flüchtlinge in Traben-Trarbach. Pro Jahr werden mehrere Tausend Euro lockergemacht.