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Belebtester Platz im Dorf wird saniert

Belebtester Platz im Dorf wird saniert

Die Sanierung des Heidenburger Friedhofs und der dortigen, denkmalgeschützten Kapelle kann bald beginnen. Die Ortsgemeinde erhält dafür 20 000 Euro vom Land. Der Friedhof spielt in Heidenburg eine besondere Rolle. "Das ist der belebteste Ort im Dorf", sagt Pfarrer Alexander Kurp.

Heidenburg. Dietmar Jäger, Heidenburgs Ortsbürgermeister, freut sich über die noch ganz frische Förderzusage für die Sanierung des Heidenburger Friedhofs. "Ich bin sehr zufrieden. Schon bei der dritten Anmeldung im Investitionsstock hat es geklappt", sagt er.
Wie alle Projekte stand auch der Heidenburger Sanierungswunsch in der von Verbandsgemeinden und Kreis festgelegten Rangfolge für den Fördertopf des Landes zunächst ganz unten. Beim dritten Anlauf schaffte es der Friedhof aber schon ins obere Drittel.
Die Gemeinde erhält 20 000 Euro, die Sanierung kostet 33 000 Euro. Für das Geld soll die Friedhofskapelle (siehe Extra), das älteste Gebäude im Ort, von dem die Farbe abblättert, neu gestrichen werden. Ein zusätzlicher gepflasterter Querweg wird angelegt. Zudem wird die Thujahecke, die den Friedhof eingrenzt, durch eine Hecke aus heimischen Pflanzen ersetzt.
Ein Stück Dorfgeschichte


Die Heidenburger wünschen sich diese Sanierung. Das kam laut Jäger bei der Dorferneuerung zutage. Für den Ortschef sind diese Wünsche nicht verwunderlich. "Den Friedhof an der Pfarrkirche mitten im Ort zu haben, ist ein Stück Dorfkultur", sagt er. "Man trifft sich dort und redet miteinander. Man geht mal schnell bei seinen Toten vorbei, wenn man zum Bäcker will oder sonntags aus der Messe kommt." Die Heidenburger hätten die Toten mitten unter sich. Viele andere Orte hätten bis in die 1990er Jahre neue, weitläufige Friedhöfe außerhalb des Dorfes angelegt. Im 750 Einwohner zählenden Heidenburg habe man sich bewusst für den Verbleib des Friedhofs mitten im Ort entschieden. Um Platz für weitere Gräber zu schaffen, hat der Rat die Liegezeiten von 30 auf 25 Jahre verkürzt.
Auch für Pastor Alexander Kurp ist der Heidenburger Friedhof etwas Besonderes. Er sagt: "Der Friedhof ist der belebteste Ort im Dorf. Hier kümmern sich ganz viele Menschen um ihre Verstorbenen. Gerade in der trockenen Zeit ist ganz viel los. Da kommen alle zum Gießen." Es sei ein Ort der Kommunikation, die Menschen sprächen sich gegenseitig Trost zu. Kurp sieht darin noch eine andere Dimension: "Der Tod wird in Heidenburg nicht in eine Randlage geschoben. Durch den Friedhof ist er präsent im Ort, genauso wie das Hoffen auf die Auferstehung."
Petra Sauer gehört zu den Menschen, die fast täglich auf den Friedhof gehen. Die 51-Jährige besucht dort das Grab ihres vor zwei Jahren gestorbenen Mannes. Sie sagt: "Es ist gut, dass der Friedhof mitten im Ort liegt. Er ist der Mittelpunkt, außerdem ein Blumenmeer. Ich treffe dort viele Menschen, selbst wenn ich morgens vor der Arbeit hingehe." Sie tausche sich dort mit Frauen mit gleichem Schicksal aus. "Dann sehe ich, dass ich nicht allein bin."
Ausschreibung in nächsten Tagen


Heidenburgs Dorfmittelpunkt soll schon bald verschönert werden. Jäger will die Arbeiten zur Sanierung der Friedhofskapelle in den nächsten Tagen ausschreiben. Er hofft, dass sie im September beginnen können und zu Allerheiligen am 1. November fertig sind.Die Heidenburger Friedhofskapelle stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist das älteste Gebäude des Orts und steht unter Denkmalschutz. Die Kapelle diente einst als Altarraum der ersten spätgotischen Kirche in Heidenburg. Sie ist der einzige Teil, der von dieser Kirche übrig geblieben ist. Die erste Kirche wurde um 1865, als das heutige Gotteshaus aufgebaut wurde, abgerissen. Der Altarraum blieb stehen, weil man laut Rolf Blasius, dem Verfasser der Ortschronik, schon damals seinen kunsthistorischen Wert erkannte. Als die Kapelle 1980 unter Denkmalschutz gestellt wurde, begründete die Behörde dies mit Besonderheiten wie der spätgotischen Sakramentsnische auf einer Stütze und der Kreuzigungsgruppe im Hochrelief. In der Kapelle wurden vor einigen Jahren drei Rankengemälde gefunden, die aus dem 15. Jahrhundert stammen. Eines davon ist freigelegt, die anderen wurden auf einer Abdeckung nachgemalt. An der Stelle der Kapelle befand sich vorher eine römische Siedlung. Dies ist durch alte Mauerreste im Boden und entsprechende Scherbenfunde dokumentiert. Jäger: "Späteren Generationen bleibt es überlassen, irgendwann weiterzuforschen." cst