Belgier räumen für Kinheimer Freunde das Ehebett

Belgier räumen für Kinheimer Freunde das Ehebett

In Harelbeke sind bereits Straßen nach Kinheim und Kindel benannt. Am Sonntag wird der Kinheimer Dorfplatz umgetauft auf den Namen der belgischen Partnerstadt. Die Freundschaft geht auf die Feuerwehren zurück.

Kinheim. Bis auf die Küste ist Westflandern alles andere als eine Urlaubsregion. Schon gar nicht in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Gastronomie und Hotel, so etwas gab es zu Beginn der 1960er Jahre in Harelbeke kaum, erzählt Klaus-Rainer Schäfer. Als die Eltern des jetzigen Wehrführers der Kinheimer Feuerwehr vor fünf Jahrzehnten erstmals zum Gegenbesuch nach Belgien fuhren, schliefen ihre Gastgeber "irgendwo auf einer Couch", erzählt Schäfer. Die Zeiten waren hart, aber es entstand eine Freundschaft, die bis heute anhält.
"Für mich sind Monika und Moritz so etwas wie ein zweites Elternpaar", sagt Schäfer über seine Gastgeber. Sie kommen jedes Jahr an die Mosel, helfen beim Straßenfest, gehören sozusagen zur Familie. Aus solchen guten Kontakten erwuchs die Partnerschaft.
Der erste Kontakt ergab sich 1961 durch einen belgischen Feuerwehrmann, der an der Mosel Urlaub machte. Er sah der Kinheimer Feuerwehr bei einer Übung zu. Man kam ins Gespräch, und kurz darauf wurde eine Einladung zum westflämischen Feuerwehrkongress nach Harelbeke für das darauffolgende Jahr ausgesprochen. Eine Delegation unter der Führung von Wehrführer Hermann Kaufmann und Jan Liebbrecht fuhr nach Belgien. Ende September des gleichen Jahres kamen die Harelbekener an die Mosel.
Seitdem gab es mehr als 30 offizielle Besuche. Man traf sich bei Jubiläen und auch zu Feuerwehrwettkämpfen. 2004 gewannen die Kinheimer einen Feuerwehrsportwettkampf im Nachbarland. Zwischen einzelnen Familien besteht ein noch regerer Austausch. Seit 15 Jahren gibt es auch eine offizielle Partnerschaft zwischen der belgischen Industriestadt mit ihren mehr als 26 000 Einwohnern und Kinheim. Am 28. Juni 1997 unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Luc Decavele (Harelbeke) und Willi Mathy (Kinheim) die Urkunde. Eine Kinheimer und auch eine Kindeler Straße gibt es seitdem.
Am kommenden Sonntag nach einem gemeinsamen Gottesdienst um 10 Uhr wird auch in Kinheim ein Name an die Partnerschaft erinnern, wenn Kinheims Bürgermeister Jens Stamm das Schild des Harelbekeplatzes enthüllt. Auch beim Aufstellen des Maibaums und beim Bergfest am 1. Mai werden die belgischen Freunde dabei sein.