Belginum wird zur Bildungsstätte

Archäologiepark Belginum und Uni Trier kooperieren künftig verstärkt miteinander. Rosemarie Cordie leitet weiter das Museum, arbeitet zur Hälfte aber für die Uni und unterrichtet Studenten auch im Museum. Die Grabungen vor Ort sollen wiederbelebt werden. Bürgermeister Andreas Hackethal und Professor Torsten Mattern sehen diese Entwicklung positiv.

Wederath. "Das ist eine Win-Win-Situation", sagt Archäologie-Professor Torsten Mattern von der Universität Trier. Er meint damit die Kooperation der Uni mit der Gemeinde Morbach in puncto Archäologiepark Belginum. Die genauen Verträge müssen noch ausgehandelt werden, doch steht bereits fest: Seit 1. Januar widmet Belginum-Leiterin Rosemarie Cordie die Hälfte ihrer nun wieder vollen Arbeitszeit dem Museum, die andere Hälfte der Universität. Für die Uni forscht sie und ist in der Lehre tätig. Das bedeutet, Cordie hält zum einen Vorlesungen in Vor- und Frühgeschichte, einem Fachgebiet, für das es in Trier keine Lehrkraft gibt. Zum andern bildet sie die Studierenden in der Praxis aus - auch im Museum.
Cordie zeigt ihnen, wie Grabungen geplant, durchgeführt, ausgewertet und publiziert werden. Sie lehrt, wie Ausstellungen funktionieren von der Konzeption über die Finanzierung bis hin zum Aufbau und der Vermittlung der Inhalte an Groß und Klein. Sie erklärt, wie man Leihgaben anfordert und versichert. Mattern: "Die Studierenden arbeiten vor Ort mit und werden dabei gleichzeitig ausgebildet."
Angebot für 150 Studenten


Im Zentrum für Altertumswissenschaften in Trier sind es etwa 150 Studenten mit dem Nebenfach Archäologie, die von Cordies Angebot profitieren werden.
Für Bürgermeister Andreas Hackethal ist diese Kooperation eine Strategie, das Museum wieder nach vorne zu bringen und die bestehenden Netzwerke zu intensivieren. Immerhin werden auf diesem Weg die Grabungen wiederaufgenommen, nachdem das Land den Geldhahn für die dort tätigen Ein-Euro-Jobber Anfang 2012 zugedreht hatte. Zudem wird es nach einem Jahr Pause wieder eine Sonderausstellung geben.
Positiv sieht Hackethal außerdem die finanzielle Entlastung der Gemeinde. Morbach zahlt Cordie jetzt nur noch eine halbe Stelle, die andere Hälfte steuert die Uni bei. Die Verwaltung, die das jährliche Defizit im Belginum auf 130 000 Euro beziffert, hatte versucht, Cordies ursprünglich ganze Stelle per Änderungskündigung auf 58 Prozent zu reduzieren, um zu sparen. Damit war sie jedoch vor Gericht gescheitert. Das Ergebnis: Cordie arbeitete zuletzt zu 90 Prozent (der TV berichtete). Die neue Aufteilung von Cordies Arbeitszeit und -bezahlung ist zunächst auf vier Jahre befristet.
Die Belginumleiterin ist eigenen Aussagen zufolge glücklich, dass diese Lösung für ihre Arbeitsstelle gefunden wurde. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass sie das Museums-Programm, zu dem laut Cordie Vorträge, pädagogische Angebote, ein Symposium sowie Wissenschaft und Forschung gehören, mit einer halben Stelle nicht mehr wie vorher in Gänze durchziehen könne. Auch wenn Studierende im Rahmen eines Praktikums beispielsweise bei der Konzeption von Sonderausstellungen helfen würden, so koste ihre Betreuung doch auch Zeit.
Und was passiert in Sachen Öffnungszeiten? Derzeit steht das Museum den Besuchern lediglich sieben Monate pro Jahr zur Verfügung, von April bis Oktober. Der Gemeinderat hatte die ursprünglich fast ganzjährige Öffnung reduziert, um zu sparen (siehe Text unten). Laut Cordie rennen ihr potenzielle Besucher jedoch bereits jetzt die Bude ein. Viele riefen an und wollten kommen.
Hackethal will aber zunächst bei den reduzierten Zeiten bleiben. Es sei verfrüht, daran etwas zu ändern. Die Belastungen müssten verhältnismäßig sein. In diesem Jahr werde lediglich eine Woche früher als geplant, also am 25. März, geöffnet, um die Ferien mitzunehmen.
Professor Mattern, der auch Vorsitzender des Belginum-Beirats ist, sagt dazu: "Ein Museum lebt für die Öffentlichkeit. Wir sind nicht glücklich mit den derzeitigen Öffnungszeiten, hoffen aber auf eine Verbesserung."
Meinung

Ein fader Beigeschmack bleibt
Es ist ein Erfolg, dass die seit 50 Jahren andauernden Grabungen am Belginum durch die Kooperation von Uni und Gemeinde wiederaufgenommen werden. Sie fördern Neues zutage und zeigen den Besuchern, wie Archäologie funktioniert. Zur Attraktivitätssteigerung trägt auch bei, dass es wieder Sonderausstellungen gibt. Doch hinterlässt diese Kooperation-Lösung auch einen faden Beigeschmack. Hätte sie nicht gefunden werden können, ohne den rufschädigenden Umweg über den Rechtsstreit mit der Museumsleiterin zu gehen? Warum hatten es Rat und Verwaltung so eilig mit den Sparbeschlüssen und haben die Folgen nicht rechtlich abgeklopft oder besser zuvor Alternativen gesucht? Wenn Sparen so wichtig ist: Wieso fällt es erst so spät auf, dass die defekte Heizung in zwei Jahren jede Menge Mehrkosten verursacht hat? Wie will ein Museum für sich werben, wenn es fünf Monate im Jahr geschlossen ist? Rat und Verwaltung machen weiter nicht den Eindruck, als läge ihnen das 2,6 Millionen Euro teure Museum am Herzen. Das ist nicht nur traurig, sondern tragisch. m.maier@volksfreund.de

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