Beneidenswerte Stimmen

Zum Jubiläum "1000 Jahre Reil" gab es ein besonderes Geschenk. Die berühmten "Mainzer Hofsänger" traten in dem Weinort auf. Und sie trafen den Geschmack der 350 Zuhörerinnen und Zuhörer haargenau.

Reil. Die Palette lässt kaum einen Wunsch offen. Mit einem kurzweiligen Mix aus klassischen, fröhlichen und besinnlichen Stücken ziehen die Mainzer Hofsänger ihr Reiler Publikum in ihren Bann. Kaum haben die 16 Sänger ein Loblied "auf das Leben" geschmettert und mit "Trinkt, trinkt" für eine gesellige Stimmung gesorgt, da erklingt nicht weniger überzeugend der "Soldat am Wolga strand". Doch der Traurigkeit wird an diesem Abend nicht allzu viel Zeit eingeräumt. Denn gleich danach starten die Hofsänger mit "Funniculi Funnicula" durch zum "Weißen Rössl" sowie ins Land der Musicals.Dazwischen hat ein an Hans Moser erinnerndes Wiener Sänger-Original immer wieder die Lacher auf seiner Seite. Während er in weinseliger Weisheit erkennt, "Ich muss in meinem Leben mal eine Reblaus gewesen sein", beweisen die Bassisten des Chores, "wie tief man mit der Stimme sinken kann".Als sich das Ensemble nach einer Stunde in die Pause verabschiedet, ist das Publikum bereits hin und weg. "Sehr schön dieser Abend, herrlich", kommentiert Alfred Zimmer, seit 63 Jahren selbst aktiver Sänger. Vom Bass bis zu den Tenören seien alle Sänger schlichtweg super und unbestreitbar absolute Profis. Als Sänger des MGV Borussia Pünderich ist er tief beeindruckt: "Solche Stimmen haben wir natürlich nicht", räumt Zimmer neidlos ein. Selbst Jüngere können da nur staunen. "Diese Stimmlagen — da wird man richtig neidisch", gesteht Weinprinzessin Carolin ein, die einmal ohne Weinkönigin Theresa die Gemeinde repräsentiert. Heinz Fröschle hat ohnehin nicht am Gelingen des Abends gezweifelt. Der 80-Jährige ist für das Konzert eigens aus Leinfelden-Echterdingen (Raum Stuttgart) angereist. Die Karten seien ein Geburtstagsgeschenk, freut sich Lebensgefährtin Karin Endlich, dass dieses so gut ankommt: "Er fließt schier dahin." Der Chor sei ganz hervorragend, bestätigt Fröschle, den Tenöre und Bässe gleichermaßen beeindrucken. Der Gesang sei wirklich einmalig. Die Begeisterung scheint allerdings auf Gegenseitigkeit zu beruhen, wie die diversen Zugaben der "Mainzer Hofsänger" beweisen. Zum Abschluss bittet Ortsbürgermeister Artur Greis zudem die Aktiven des örtlichen Gesangvereins auf die Bühne. Gemeinsam mit den Profis lassen sie "O Mosella" erklingen. Der Auftritt des Chores ist auch für Reil eine Art Geburtstagsgeschenk gewesen. Laut Greis haben die "Hofsänger" der Gemeinde nämlich wegen des Jubiläums "1000 Jahre Reil" einen Sonderpreis mit 1000 Euro Preisnachlass eingeräumt. Der Kontakt war über Verbandsbürgermeister Otto Maria Bastgen zustande gekommen.