1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Bereits in den 1850er Jahre haben die Traben-Trarbacher  Thermalquellen mitten in einem Berg genossen.

Geschichte : Das Wunder im Kautenbachtal

Bereits in den 1850er Jahre haben die Traben-Trarbacher Thermalquellen mitten in einem Berg genossen. Jetzt wird der Eingang zur damaligen Badegrotte in Szene gesetzt.

Wer in Traben-Trarbach von den dortigen Thermalquellen profitieren will, hat es heute leicht. Er besucht die Mosel Therme und badet in dem Wasser, das dort mit einer Temperatur von 33 Grad Celsius direkt aus dem Boden in die Becken geleitet wird.

Mitte der 1850er Jahre war das noch anders. Da mussten Gäste, die das Thermalwasser nutzen wollten, am Eingang von Bad Wildstein in Richtung Kautenbach einen rund 350 Meter langen Weg durch einen Stollen namens Kautenbachtunnel in den Berg zurücklegen, um sich dann in einer Grotte auf in Fels eingehauene Sitze niederzulassen. Lange lag der verschlossene Eingang zu diesem Stollen brach und war zugewachsen und verwuchert.

Jetzt hat Hubertus Schulze-Neuhoff vom 2006 gegründeten Verein Quellenfreunde die Initiative ergriffen, um an die Geschichte des Stollens zu erinnern und den Eingang in Wert zu setzen. 3000 Euro hat Schulze-Neuhoff für diesen Zweck von Sponsoren erhalten. Zuerst wurde er auf den Kanal aufmerksam, aus dem auf der dem Eingang gegenüberliegenden Straßenseite Wasser mit einer Temperatur von rund 25 Grad in den Kautenbach fließt.

„Mein erster Gedanke war: Da muss man was machen“, sagt er über den Eingang zu den warmen Quellen, das er selbst als „Wunder von Traben-Trarbach“ bezeichnet. „Wer hat schon warmes Wasser, das aus dem Berg kommt“, fragt er. Der Eingangsbereich des Tunnels ist in Absprache mit Stadtbürgermeister Patrice Langer freigelegt und der Betoneingang mit einer Mauer aus Steinen des abgerissenen Trarbacher Polizeigebäudes umrahmt worden. Eine Infotafel soll auf die Besonderheit des Tunnels hinweisen, der laut dem Irmenacher Heimatforscher Hans Schneiss vor 1850 innerhalb von drei bis vier Jahren per Hand gegraben wurde.

Insgesamt sind damals neben dem Kautenbachtunnel noch der alte Bergwerksstollen, der neue Bergwerksstollen und der Eleonorenstollen angelegt worden, zeigt Schulze-Neuhoff auf einer Karte. Dazu soll eine elektrische Anzeige die Temperatur des Wassers anzeigen, das aus dem Kautenbachtunnel fließt. Diese ist variabel, sagt Udo Strack, dem das benachbarte ehemalige Fernmeldeamt gehört. „Mal kommt es mit einer Temperatur von 23 Grad aus dem Stollen, dann wieder mit 18 Grad“, sagt er. Strack vermutet, dass Regenwasser die Temperatur beeinflusst. Er überlegt, das ehemalige Fernmeldeamt, das ursprünglich als Weinkellerei gebaut worden war, mit dem Thermalwasser zu heizen. Die Genehmigungen dazu liegen ihm bereits vor, sagt er.

Sie engagieren sich für die Inwertsetzung des Eingangs zum Kautenbachstollen: Heimatforscher Hans Schneiss, Udo Strack, Thomas Jung, der die Arbeiten an der Mauer neben dem Tunneleingang erledigt, Hubertus Schulze-Neuhoff und Stadtbürgermeister Patrice Langer. Foto: Christoph Strouvelle

Bis Herbst soll das Gelände vor dem ehemaligen Eingang komplett hergerichtet sein. Dann soll der Bereich offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Der Stollen selbst bleibt mit einem Eisengitter verschlossen, da die Sicherheit nicht zu leisten sei, sagt Stadtbürgermeister Langer.