Bergweiler in den Schlagzeilen

BERGWEILER. Auf eine bewegte Historie blickt das Dorf Bergweiler zurück. Selbst in der Boulevard-Presse sorgten Ereignisse für Schlagzeilen. Otto Braun und seine Schwester Irma erinnern sich.

Mit dem, was der pensionierte Schmied Otto Braun aus Bergweiler erlebt hat, könnte man Bücher füllen. Der 79-Jährige wurde mit 16 Jahren unter der Diktatur der Nationalsozialisten in den Kriegsdienst eingezogen. 22 Monate lang erlebte der junge Mann damals die Hauptkriegswirren. Er war im Einsatz in der Normandie und an der Ostfront. Aus dem stark zerbombten Dresden kehrte er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu Fuß und mit dem Rad in seine Heimat Bergweiler zurück, wo "fast nichts zerstört" gewesen sei, sagt Braun. Schon bevor Braun zum Kriegsdienst eingezogen wurde, habe der damalige Pastor Matthias Dederichs in seinen Predigten häufig über die Nazis gewettert, erinnert sich der ehemalige Schmied. Und obwohl der Pastor und der damalige Volksschullehrer Gustav Küchler ein angespanntes Verhältnis zueinander gehabt hätten, habe der Pädagoge den Priester vor großer Gefahr gerettet. Eines Tages habe er ihn vor dem Gottesdienst beiseite genommen und gewarnt: Es säßen Mitglieder der Gestapo in den Kirchenbänken. An dem Tag fiel die Kritik am Regime bei der Predigt aus - dem Pastor passierte dank der Warnung nichts. Ein prägendes Erlebnis für die Gemeinde war ein schweres Unwetter, das am 24. Juni 1955 über den Ort hereinstürmte. Taubeneigroße Hagelkörner prasselten vom Himmel. Es habe so stark gehagelt, dass sogar Küken getötet worden seien, erinnert sich Brauns Schwester, Irma. Eine Frau aus dem Dorf habe noch am Tag nach dem Unwetter ihren frisch gekochten Pudding in den Hagelkörnern gekühlt, die an schattigen Stellen noch nicht geschmolzen waren. Auf etwas andere Art eingeschlagen ist eine "Marienerscheinung" in den frühen 1980er-Jahren. Menschenscharen lockte sie in den Ort, der heute rund 900 Einwohner hat. Der Auslöser der Rummels: Eine Gruppe Jugendlicher hatte im Steinbruch bei Bergweiler gezeltet, als plötzlich einer von ihnen erklärte, er erkenne die Muttergottes mit Kind in den Schieferwänden. Die Wand wurde abgeleuchtet, und siehe da, es waren - mit guten Willen - Umrisse der Muttergottes zu sehen. "Zu Tausenden" seien rund zwei Wochen lang Wundergläubige nach Bergweiler gepilgert, erzählt der ehemalige Bürgermeister Arnold Kaiser. Auch Braun erinnert sich, dass die Menschen busweise im Ort eingetroffen seien. Die Polizei musste die Prozessionsscharen betreuen und für Ordnung sorgen. Es habe sogar findige Geschäftsleute gegeben, die beim Steinbruch Imbissbuden oder Getränkestände errichten wollten, erinnert sich Kaiser. Auch von kleinen Wundern durch die Muttergottes seien ihm damals berichtet worden.Eigentümer entfernt angebliches Marienbild

Von einer Frau etwa, die beim Besuch des Steinbruchs durch herumalbernde Kinder einen Stein ans Auge bekommen habe. Obwohl ihr Auge verletzt worden war, sei ihre Brille ohne Kratzer geblieben, habe sie berichtet. Ein jähes Ende hätten die Pilgerströme erst genommen, als der Eigentümer des Steinbruchs das angebliche Marienbildeigenhändig mit dem Meißel entfernt habe. Die Marienerscheinung von Bergweiler sorgte sogar dafür, dass der Ort in der Bild-Zeitung Schlagzeilen machte. Auch Otto Braun war damals als Bürger des Wunderortes in der Regenbogenpresse abgebildet worden.