Berndorfs zwölfte Entbindung

WITTLICH. Jacques Berndorf erzeugt Spannung. Nicht nur bei seinen Eifelkrimis, auch beim Leseabend in der Buchhandlung am Trierer Tor.

Die Buchhandlung am Trierer Tor wartet in diesem Herbst und Winter mit drei hochkarätig besetzten Lesungen auf. Anfang Dezember war Krimiautor Edgar Noske zu Gast. Am 18. Januar 2005 wird Elfriede Görgen aus ihrem ersten größeren Kriminalroman lesen. Dieser Tage konnten sich 40 aufmerksame Zuhörer an den Erzählungen des erfolgreichsten deutschen Krimiautors unserer Tage erfreuen: Jacques Berndorf war zu Gast."Jesses Maria, was für ein Gedränge!"

Dicht gedrängt zwischen Buchreihen und CD-Regalen horchten sie den Ausführungen zur Entstehungsgeschichte des neuesten Berndorf-Krimis "Eifelträume". Berndorf kam, sah sich um, bemerkte "Jesses Maria, was für ein Gedränge, mal sehen, dass ich Land gewinne", und eroberte seinen Lesetisch. Für ihn sei es eine von insgesamt 42 Lesungen zwischen Allerheiligen und Heiligabend, bemerkt er im Vorbeigehen. Das gehöre zum Geschäft. Nach den Begrüßungsworten von Veranstalter Michael Scheid geht er sofort ans Eingemachte und startet professionell. Provozierend liest er aus seiner unveröffentlichten Satire "Das Augustinerkloster zu Hillesheim", diesmal kein Krimi. Es geht um die Eröffnung eines Swingerclubs in der Eifel. Berndorf bringt ein paar deftige Bemerkungen an und hat die Lacher auf seiner Seite. Der Bann ist binnen weniger Sekunden gebrochen, die Zuhörer bleiben anderthalb Stunden aufmerksam. Denn beim Hinwenden zum Thema des neuesten, seines zwölften Erfolgskrimis seit 1989, ist das Gesagte nicht mehr zum Lachen. Siggi Baumeister, der Roman-Journalist und Ermittler, will sich im Angesicht des Themas Kindstötung nicht so recht lustig machen, wie er das in den vorherigen Eifelkrimis stets tut. "Ich hatte mehrmals die Nase voll", sagt Berndorf. Er wollte mitten im Recherchieren aufhören. Kindstötung - bei den Recherchen habe er gespürt, sagt Berndorf, dass die Erinnerung an authentische Fälle aus dem Eifelraum selbst erfahrene Kriminalbeamte brüchig mache. "Kindstötung ist absolutes Tabu", so Berndorfs Fazit. Beinahe sei er gestrandet, weil das Thema nicht zur lockeren Art seines Romanhelden Siggi Baumeister passe. Dennoch fallen deftige Ausdrücke mit sonorer, ein wenig heiserer Stimme. Das Publikum wird innerlich aufgewühlt im Hinblick auf das Thema Kindstötung. Obwohl Berndorf geradezu den Dialog zu fordern scheint, die 40 Krimifans wollen zuhören. Berndorf bannt seine Zuhörer, obwohl man ihm anmerkt, dass der Abend Routine ist. Gelegentlich bringt er Bezüge zu Wittlich. "Kompensieren Sie das Chaos auf Wittlich, das entsteht, wenn in einer Kleinstadt ein Kind getötet wird." Berndorf verdeutlicht immer wieder, dass er vier bis fünf Monate intensiv recherchiert hat. Der Ort der neuesten Handlung nennt sich Hildenstein, diesmal kein authentischer Ort. Aus Rücksicht auf die kritische Handlung des Kindsmordes hat er einen "Zwitter" (O-Ton Berndorf) aus Hillesheim und Gerolstein erfunden. Kommissar Kischkewitz ermittelt und fordert wissenschaftliche Verstärkung durch den Kriminalbiologen Dr. Beneke aus Köln an. Der sucht nach Spuren im Eifelwäldchen bei Hildenstein, kombiniert haarscharf und - na ja, wie der Roman endet, dass dürfe er auf Weisung seines Verlegers nicht ausplaudern, so Berndorf. Schließlich sollen die Leute das Buch ja kaufen.Ein Buch ist wie ein Kind

Einige in der Buchhandlung haben dies bereits getan. Sie vollziehen Berndorfs Worte im soeben erworbenen Werk mit, dessen Exemplare der Autor am Ende signieren wird. Und fragen am Ende des Abends dem Erfolgsautor zwar keine Löcher in den Bauch, aber sie wollen wissen, wie lange er an seinem zwölften Eifelkrimi geschrieben habe (Antwort: fünf bis sechs Wochen), und ob er sich während dieser Zeit ein Privatleben gönne (Antwort: Ein Buch ist ein Kind, das zur Welt kommt. Danach fällt man in das berühmte Erschöpfungsloch). Geduldig, mitunter auch mit einem Seufzer beantwortet Berndorf alle Fragen. Der gelernte Journalist Michael Preute alias Jacques Berndorf lebt für seine Werke. Immer wieder betont er, dass es für ihn nichts Besonderes sei, bei allem, was er schreibe, seinen Namen zu veröffentlichen. "Man darf es nicht ernst nehmen."

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