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Bernkastel-Kues: 100-Jährige Anna Keifer erzählt aus ihrem Leben

Menschen : Was eine 100-Jährige aus Bernkastel-Kues raten kann: „Trinkt mal ein Glas Wein“

Anna Keifer aus Bernkastel-Kues-Wehlen hat vor wenigen Wochen ihren 100. Geburtstag gefeiert. Der TV hat sie besucht - und sie hat noch vieles zu erzählen: Wie zum Beispiel das halbe Dorf zum Fernsehen in die gute Stube kam.

„Gib dem Mann doch mal ein Glas Wein,“ sagt Anna Keifer zu ihrer Tochter Anna-Katharina beim Besuch des TV-Reporters in ihrem behaglichen Haus in Bernkastel-Kues/Wehlen. Gastfreundlichkeit zieht sich wie eine rote Schnur durch das Leben der Wehlenerin, die am 24. September ihren 100. Geburtstag feiern konnte.

„Unser Haus war immer offen für Gäste,“ sagt ihr Sohn Hans-Peter Keifer. Das sei schon früher so gewesen. So zum Beispiel, als die Familie 1959 ihren ersten Fernseher angeschafft hatte. Am Samstagabend  seien dann viele Nachbarn gekommen, um damals beliebte Unterhaltungsshows wie  „Der goldene Schuss“ zu schauen. „Die Nachbarn haben Kuchen und Wein mitgebracht. Da war hier was los,“ erinnert sich Keifer und seine Mutter stimmt zu, es sei immer schön gwesen, so viele Gäste zu haben.

Anna Keifer berichtet aus ihrem Leben in Bernkastel-Kues

Hunger habe man nie leiden müssen, auch nicht während des zweiten Weltkriegs. Die Familie betrieb Weinbau und Landwirtschaft. Man habe immer drei Schweine und zwei Kühe im Stall gehabt. Aber nach dem Krieg sei eine schwere Zeit herangebrochen. Die Währungsreform habe viele Vermögen zerstört. Deshalb sei ihr Mann, Josef Keifer (“Kawa Jupp“) zusätzlich arbeiten gegangen. Da er einen Führerschein hatte, konnte er als LKW-Fahrer beim Bau der Moselschleuse in Zeltingen-Rachtig arbeiten.

Und so konnte das Haus der Familie in der Hauptstraße in Wehlen saniert werden. „Das war mein größtes Erlebnis im ganzen Leben,“ erinnert sich die 100-Jährige. Und das hatte einen Grund: Das Haus wurde nicht einfach abgerissen und neu gebaut, sondern unter dem vorher bereits neu gebauten Dach wieder aufgebaut. „Das Dach wurde auf Stützen aus Telegrafenmasten aufgebockt,“ erzählt Sohn Hans-Peter. Dann habe man die alten Mauern abgetragen, einen Keller ausgehoben und das neue Haus wieder hoch gemauert. Und so kam die Familie dann auch erstmals in den Genuss einer Badewanne und eines modernen Badezimmers.

„Wir haben damals jeden verbogenen Nagel wieder gerade gekloppt und jedes Stück Holz verwendet. Es gab ja kaum etwas,“ erinnert sich Hans-Peter Keifer.  Man sei über jedes verkaufte Fuder Wein froh gewesen.  Es sei auch viel getauscht worden: Für einen Rucksack mit Weinflaschen habe es mal ein paar neue Kochtöpfe gegeben. Oft sei der Vater in Köln gewesen, um Wein zu verkaufen.

Ratschläge der 100-Jährigen aus Bernkastel-Kues

Anna-Katharina  Keifer ergänzt: „Wir hatten auch Gästezimmer im Haus.“ So konnte man etwas Geld dazu verdienen. Morgens haben dann alle in der guten Stube im Erdgeschoss zusammen gefrühstückt.  „Ich habe immer gerne gekocht und Essen gemacht“, erzählt Anna Keifer. Bis zum Alter von 85 Jahren hat  sie noch für die ganze Familie und besonders in der Weinlesezeit im Herbst auch für alle Helfer gekocht.  Nie nach Rezept, immer aus dem Handgelenk, bekräftigt die Seniorin, die nach wie vor - mit Unterstützung -  in ihrem eigenen  Haus lebt. Keifer hat drei Kinder, sechs Enkelkinder und  elf Urkenkelkinder. Was sie der Jugend mit auf den Weg geben will? „Vertragt Euch immer, trinkt mal ein Glas Wein und vergesst nie: Es geht alles vorüber.“