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Bernkastel-Kues: Diskussion um Gästebeitrag geht weiter

Tourismus : Geldsäcke träumen von Millionen

In Bernkastel-Kues hält die Diskussion um den zum 1. April kommenden Gästebeitrag an. Die Kritiker wollen weiter eine Verschiebung auf 2019. Die Verwaltung verteidigt die Vorgehensweise.

Wenn ein Thema im Karneval hochzogen wird, hat es eine gewisse Bedeutung. Im vergangenen Jahr boten die Mitarbeiterinnen der Touristinformation und der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues  bei der Rathauserstürmung ihre Mithilfe bei der Sanierung der Burg Landshut an. Der Grund: Die Arbeiten dauerten länger als geplant.

In diesem Jahr sind die Damen  als Geldsäcke unterwegs. An ihren Sackkostümem haben sie Geldnoten befestigt. Zur Musik „Ich wär’ so gerne Millionär. Dann wär mein Konto niemals leer“, singen sie über den Gästebeitrag, der am 1. April in der Stadt eingeführt wird.

„Ich hab ‚ne große Stadt. Die Touristen wollen Action, sonst machen sie uns platt“, heißt es in dem Lied.  Und weiter: „Hab’ mir schon Mal überlegt, der Gästebeitrag hilft uns sehr. Doch das ist leider sehr gefährlich, denn nicht alle finden’s toll. Angeblich gäb’s so viele Fragen, doch die erklär’n wir gern. Sie glauben, wir wollen sie abzocken. Doch das liegt uns ganz fern.“

Die etwa 40 Bernkasteler-Kueser Hoteliers und Pensionsbetreiber, die sich in einer Interessensgruppe zusammnengefunden haben, sehen das, wie berichtet, etwas anders. Sie seien nicht gegen den Gästebeitrag, sagen sie. Sie wünschen sich aber, dass der Stadtrat seine Entscheidung revidiert und die Einführung auf 2019 verschiebt. Dafür gebe es viele Gründe, erläutert Pensionshaber Patrick Haas für die Gruppe: fehlende Kooperation und Kommunikation seitens der Stadt im Vorfeld. Die Betriebe seien nicht in die Konzepterstellung eingebunden gewesen. Die Berechnung von 1,50 pro Nacht und Gast sei zu hoch angesetzt. Realistisch sei ein Betrag von vielleicht 50 Cent.

Dass Geschäftsreisende zur Zahlung herangezogen werden sollen,  sei rechtlich fragwürdig. Und warum gebe es keine Befreiung für eine Übernachtung und keine Begrenzung auf maximal fünf Übernachtungen?

Die Interessensgruppe fragt auch nach der Möglichkeit,die Gäste von Hotelschiffen, die in der Stadt anlegen, für den Gästebeitrag heranzuziehen? Es gebe bisher auch nur Ankündigungen, wie die Stadt den Gastbetrieben entgegenkomme. Konkret sei noch nichts. Auch wie der Meldebogen aussehe, wüssten die Zimmervermieter noch nicht.

Unfertig sei das Konzept auch, weil es nun noch die Ankündigung für eine zweite Gästekarte gebe, in die auch der Öffentliche Personennahverkehr einbezogen sei. „Das steigert nur die Gesamtverwirrung“, sagt Patrick Haas. Andere Städte, zum Beispiel Bingen am Rhein, hätten die Bettensteuer wieder abgeschafft und stellten auch eine Tourismusabgabe in Frage. Im Stadtrat Bernkastel-Kues herrschte bei der Haushaltsdebatte Einigkeit über die Notwendigkeit eines Gästebeitrags (der TV berichtete). Daran habe sich auch nichts geändert, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port.

Der TV hat auch bei der Verwaltung nachgefragt. Nach Auskunft von Günter Wagner, Kammerer der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, werden alle Bereiche, die mit Tourismus zu tun haben, in die Ermittlung der Höhe der Abgabe herangezogen. Dazu gehörten auch das Weinfest der Mittelmosel und das Schwimmbad.

Beides werde von vielen Einheimischen frequentiert, die aber keine Übernachtungsgäste seien, sagen die Kritiker. Wenn sie das Zahlenwerk anzweifelten, müssten sie sich rechtlichen Beistand holen, sagt Wagner.

Ob es, wie angekündigt, noch zu einer weiteren Informationsveranstaltung kommt, ist nicht klar. Eine solche hatte Stadtbürgermeister Port für den Februar in Aussicht gestellt. Port sieht aber offenbar keinen Bedarf.

Die Informationen seien ausreichend gewesen. Ob es noch eine Veranstaltung gebe, werde aber noch im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt besprochen.