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Bernkastel-Wittlich: Analyse zum Park-Problem: Wohin mit den Autos?

Analyse : So reagieren Wittlich, Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach auf das Parkplatz-Problem

Parkraum ist knapp in der Region - vor allem, wenn neben den Anwohnern und Beschäftigten auch Touristen parken wollen. Eine Parkraumanalyse in den Städten deckt auf, wie das Problem gelöst werden könnte.

Wie viele Autos will man eigentlich im Stadtgebiet haben? Das ist im Grunde genommen der Kern der Frage, die viele Stadtplaner und Bürger im Landkreis umtreibt.

An der Debatte um das Moselvorgelände in Bernkastel-Kues wurde in den vergangenen Monaten offensichtlich, dass beim Thema Parkplätze die Nerven bei vielen blank liegen. Dort soll das Moselvorgelände umgestaltet werden, was zu hitzigen Debatten führte. Bislang bietet es den Touristen im Sommer mit einer unschönen Blechlawine zwischen Mosel und der historischen Altstadt einen nicht gerade erbaulichen Anblick.

Als klar wurde, dass für dessen Verschönerung Parkplätze geopfert werden müssen, ging ein Feilschen um deren Zahl los. Stadtbürgermeister Wolfgang Port findet zu dieser Diskussion deutliche Worte: „Wir brauchen für Beschäftigte und Anwohner der Altstadt Parkplätze in der Nähe. Das ist keine Frage. Aber was Besucher und Touristen betrifft, da kann man erwarten, dass man ein paar Hundert Meter zu Fuß gehen kann.“

Wie die Planung für das Moselvorgelände das Thema Parken in den Fokus rückt

Damit spielt Port auf die Erweiterungsmöglichkeiten auf der gegenüberliegenden Uferseite an. Dort sind viele Parkplätze, die in naher Zukunft bewirtschaftet werden sollen. Überhaupt sei es nicht mehr zeitgemäß, zu viele Autos in einer engen Altstadt unterbringen zu wollen. Für Port ist klar: Die Parkplätze reichen aus, aber ein Parkleitkonzept, das in Echtzeit die Zahl der verfügbaren Parkplätze anzeigt, sie dringend notwendig. Port: „Wir haben kein Park-, sondern ein Verteilproblem der Parkplätze.“

Damit steht Port nicht alleine, denn viele Verkehrsexperten in Deutschland fordern, dass die Zahl der geparkten Autos in den Innenstädten reduziert werden solle, der Umwelt zuliebe, aber auch um mehr öffentlichen Raum zu schaffen, in dem sich Menschen begegnen können. Dieser Bundestrend, der natürlich besonders in den Metropolen wie in Berlin oder Hamburg zu beobachten ist, schlägt sich inzwischen auch in geringerem Maße im ländlichen Raum nieder.

Warum Parkraumbewirtschaftung auch für Dörfer Sinn macht

Eines zeichnet sich ab: Der Parkdruck wächst auch im ländlichen Raum. Das wird nicht nur an der erbitterten Kontroverse in Bernkastel-Kues deutlich, sondern auch daran, dass auch in kleineren Orten über eine erweiterte Parkraumbewirtschaftung nachgedacht, beziehungswiese diese schon realisiert wird, wie etwa in Zeltingen-Rachtig oder in Lieser. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, den Parkraum zu bewirtschaften: Mit den eingenommenen Parkgebühren können die Gemeinden ihre Haushalte aufbessern. Und nicht nur das: Das eingenommene Geld der geht nämlich 1:1 in die Gemeindekasse, weil diese Einnahmen von den Umlagen, die an die Verbandsgemeinde oder an den Kreis gezahlt werden müssen, ausgenommen sind.

Wittlich: In der Säubrennerstadt mit ihren 18.762 Einwohnern wurde bereits vor mehreren Jahren der Bereich ausgeweitet, in dem Parkgebühren verlangt werden. Dazu zählte damals auch der Rommelsbachparkplatz. Inzwischen sind ein großer Teil der 1587 öffentlichen Parkplätze bewirtschaftet und ein Mobilitätskonzept ist in Arbeit. Wie Rainer Stöckicht von der Stadtverwaltung mitteilt, sei ein analoges Parkleitsystem vorhanden.

Bernkastel-Kues: Die Stadtverwaltung hat die Parkflächen in einem Radius von 750 Meter ab Brückenmitte erfassen lassen. In diesem erfassten Bereich gibt es insgesamt 834 bewirtschaftete Parkflächen. Für die bewirtschafteten Stellflächen haben Anwohner die Möglichkeit, sich ein Jahresticket für 90 Euro zu kaufen. Damit haben sie aber kein Anrecht auf eine bestimmte Stellfläche. Im Stadtteil Bernkastel gibt es zehn Bewohnerparkplätze, im Stadtteil Kues gibt es keine. In der Stadt gibt es insgesamt 287 unbewirtschaftete Parkplätze. 30 in Bernkastel, 257 in Kues. Die Zahlen beziehen sich auf die Stellplatz-Bereiche, die in dem Radius von 750 Meter ab Brückenmitte liegen. Noch gibt es kein Parkleitsystem, allerdings steht die Beauftragung der Planung eines Parkleitsystems unmittelbar bevor. Dies soll mit der Umgestaltung des Moselvorgeländes umgesetzt werden, wobei dann auch alle Parkflächen in der Stadt erfasst werden sollen. In der Stadt Bernkastel-Kues und ihren Stadtteilen Andel und Wehlen leben insgesamt 7106 Menschen. Im Stadtteil Bernkastel leben 835 Einwohner, in Kues 4323, in Andel 796 und in Wehlen 1152.

Traben-Trarbach: In der Jugendstilstadt mit 5700 Einwohnern gibt es acht bewirtschaftete Parkplätze mit insgesamt 273 Stellplätzen. Dabei werde kein Unterschied zwischen Einwohnern und Gästen gemacht, gibt die Stadt bekannt. Der Einwohner hat die Möglichkeit, ein entsprechendes Ticket mit Rabatt über einen längeren Zeitraum zu erwerben. Von dieser Möglichkeit machen derzeit 18 Einwohner Gebrauch.
Dem stehen 21 unbewirtschaftetete Parkplätze mit 519 Stellplätzen gegenüber. Ein elektronisches Leitsystem ist geplant.