Berühmte Leute sind keine Ikonen

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung von Ikonen. Anschauungsunterricht gibt es seit Jahren im Haus der Ikonen in Traben-Trarbach. Dort wird das Vermächtnis von Alexej Saweljew verwaltet, aber auch präsentiert.

Traben-Trarbach. (red) Professor Johannes F. Werling begrüßte im Haus der Ikonen in Traben-Trarbach zahlreiche Freunde der Ikonographie, die eine Antwort auf den geistlichen Sinn der Ikonen haben wollten. Anfangs ging er kurz auf den russischen Ikonenmaler Alexej Saweljew ein, der im Stadtteil Kautenbach wohnte und arbeitete und dessen Vermächtnis der Förderverein des Hauses verwaltet.

Werling erklärte, dass es im Westen und Osten unterschiedliche Auffassungen zu den Ikonen gibt. Während im Westen die Ikone als Nachahmung beziehungsweise Ähnlichkeit zu dem Abgebildeten angesehen wird, wird im Osten das Durchleuchten des Ursprünglichen gesehen.

Er berichtete weiter, dass Ikonen mit verschiedenen Materialien und in unterschiedlichen Formen hergestellt werden können, wie es im Haus der Ikonen auch zu sehen ist. Viele Zeugnisse dieser russischen Kunst wurden in den verschiedenen Kriegen zerstört oder geraubt und verschleppt.

Die Ikone ist für das Auge gedacht



Ikonen seien, normal betrachtet, nur Kunstwerke. Erst mit dem religiösen Aspekt würden sie zu dem, was sie sein sollen: der Darstellung der heiligen Person, deren Namen sie trägt.

Schon in den Katakomben wurden Hinweise auf darstellenden Glauben und Heilsereignisse gefunden, um so den Leuten, die nicht lesen konnten, diese begreiflich zu machen. So war also das Wort für das Gehör und die Ikone für das Auge.

So wurde auch in zwei Konzilen bekräftigt, dass Ikonen das Evangelium für das Auge sind, ein Bild des Glaubens und nichts Profanes. Sie dienen der Verehrung des Abgebildeten, der Betrachter muss sich auf die Ikone einlassen, um deren Bedeutung zu verstehen. Die Ikonenschreiber sind an einen Katalog mit klaren Vorgaben gebunden, lediglich in der farblichen Gestaltung haben sie einen kleinen Spielraum.

Der Maler verrichtet nur einen Hilfsdienst



Die Kirche kennt aber auch Ikonen, die nicht von Menschenhand geschaffen wurden, zum Beispiel das Grabtuch von Turin und das Schweißtuch der Veronika. Dem Ikonenmaler falle also nur ein Hilfsdienst zu, so wie es Alexej Saweljew auch immer betont hat.

Er hat in der Kirche aber einen besonderen Rang und muss ein demütiges, bescheidenes Leben führen, um seinen erhabenen, heiligen Dienst ausführen zu können.

Oft werden Gesicht und Hände vom Chef der Schule gemalt. Nach der Fertigstellung wird sie dann mit besonderen Gebeten geweiht.

Werling erklärte auch die Ikonostase, die praktisch dem Vorhang im Tempel von Jerusalem nachempfunden ist. Sie trennt das Weltliche von dem Kirchlichen. Ihre drei Türen stellen quasi Fenster zum Himmel dar.

Spätestens beim Schluss des Vortrages wurde den Zuhörern klar, dass weder Franz Beckenbauer noch Michael Jackson oder sonstige Personen, die gerne als Ikonen bezeichnet werden, auch Ikonen sind.