Berührende Zeitreise zum 9. November
Wittlich · Unter dem Titel "In Nürnberg machten sie ein Gesetz" hat eine musikalische Lesung vor 60 Zuhörern mit ihrem Programm beeindruckt. Vor der Veranstaltung gedachten 80 Personen bei einer einstündigen Mahnwache den Opfern der Pogromnacht.
Wittlich. Hilde Domin, Erich Kästner und Bertolt Brecht sind in der Wittlicher Synagoge unter anderem zu Wort gekommen. Anna Haentjens rezitierte ihre Texte und sang, begleitet am Klavier von Sven Selle, Stücke, die in der Zeit des Regimes der Nationalsozialisten als entartet eingestuft worden waren.
60 Besucher kamen in die Synagoge, um mit den Liedern und Texten des 75. Jahrestags der Pogromnacht zu gedenken. Mit Werken, die Anfang der 1930er Jahre geschrieben worden sind, begann das Programm. Eine Textzeile lautete "Wenn ich nur wüsste, was der Adolf mit uns vorhat?" Der jüdische Tango mit dem Titel "Ich habe kein Heimatland" wurde ebenso vorgetragen wie die Ballade von der "Judenhure" Marie Sanders, deren Text Bertolt Brecht geschrieben hat.
Beim Publikum kam der Abend sehr gut an. Langanhaltender Applaus nach dem letzten Stück des Programms zeigte das. Anna Haentjens sang als erste Zugabe das Abendlied von Matthias Claudius.
Besucher Klaus Wahl sagte nach der Veranstaltung: "Mit den zwei Zugaben wurde ein Bogen geschlagen, das versöhnliche Abendlied und der Friedensgruß an die, deren heute gedacht werden sollte. Das war sehr beeindruckend."
Vor dem künstlerischen Teil des Abends hatten die Veranstalter, das Kulturamt der Stadt Wittlich mit dem Emil-Frank-Institut und dem Arbeitskreis Jüdische Gemeinde Wittlich, einen Kranz an der Synagoge niedergelegt und eine Mahnwache auf dem Marktplatz gehalten.
Elke Scheid, Leiterin des Kulturamts, sagte: "Ich habe mich gefreut, dass unter den 80 Menschen, die an der Mahnwache teilgenommen haben, auch viele jüngere Personen, damit meine ich unter 20 Jahre, dabei waren." chb