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Besetzung optimal - Motivation auch

Minheim/Neumagen-Dhron. Immer mehr Vereine entscheiden sich angesichts sinkender Aktivenzahlen für Kooperationen. Damit das harmoniert, muss allerdings die Chemie stimmen. Bei der Winzerkapelle Minheim und dem Musikverein Lyra Neumagen scheint das der Fall zu sein. Ursula Schmieder

Minheim/Neumagen-Dhron. Nach ihrem hoffnungsvollen, aber dirigentenlosen Neustart hat sich für die Winzerkapelle Minheim alles zum Guten gefügt. Seit einem Jahr kooperiert sie mit dem Musikverein Lyra Neumagen. Das hat sich bestens eingespielt. "Wir ergänzen uns gut", sagt Daniel Bayer, Vorsitzender der Minheimer Musiker. Wie berichtet hatte sich der Verein nach einjähriger Pause zwei Monate ohne Dirigent beholfen (siehe Extra). Letztlich sagte Thomas Kaspar, der Neumagener Dirigent, zu. Anfangs sei es nur so eine "verrückte Idee" gewesen, dass er ja auch beide Vereine zusammen dirigieren könne, erinnert sich Bayer. Doch dank des Mutes, diesen Schritt zu gehen, kann sich das fusionierte Orchester heute hören lassen.
Entsprechend gut ist laut Bayer die Stimmung in Minheim. Endlich könnten sie wieder Musik machen: für die Gemeinde, das Dorfleben und für sich selbst. Denn die knapp 20 Minheimer und gut 20 Neumagener Musiker schweißt ihre Leidenschaft für die Musik zusammen. Daher ist auch Otmar Görgen, zweiter Vorsitzender von Lyra Neumagen, nach dem Testjahr von der Kooperation überzeugt: "Zusammen funktioniert das." Frühere Probleme wie bei den einen mit der musikalischen Harmonie oder bei den anderen mit der Melodie gehörten der Vergangenheit an. Die Neumagener Musiker konnten zwar trotz eines zweiten örtlichen Vereins, der Winzerkapelle Mosella Dhron, bisher ohne Unterbrechung spielen. Doch letztlich hätte den 1906 gegründeten Verein wohl das gleiche Schicksal ereilt. Zu den Proben kamen höchstens noch 16 Musiker - zu wenig für ein klangstarkes Orchester.
Dank der Kooperation ist die Besetzung optimal - und damit auch die Motivation. Und das nicht nur bei Probenwochenenden wie mit kürzlich 40 Musikern. "Die Leute kommen gern zu den Proben, weil man mit vielen Leuten mehr Stücke spielen kann", erklärt Görgen. Mit einer super Besetzung mache das einfach mehr Spaß. Während sich kleine Vereine mit Polka oder Marsch begnügen müssten, könnten größere auch Modernes wie sein Lieblingsstück "Music was my first love" von John Miles spielen.
Auf das erste gemeinsame Konzert im vergangenen Mai in Neumagen, folgten etwa 15 weitere Auftritte. Daneben spielte jeder Verein bei kleineren Anlässen im eigenen Ort oder sie halfen sich gegenseitig aus. Geprobt wird mal in Minheim, mal in Neumagen. Am 11. Mai, dem Samstag vor Muttertag, steht das zweite "Mai-Light" an - dieses Mal in Minheim und mit komplett anderen Programm. Darauf sind die Aktiven im Alter von 13 Jahren bis Mitte 60 besonders stolz.
Extra

Im November 2011 wagte die 1957 gegründete Winzerkapelle Minheim nach rund einjähriger Pause einen Neustart: mit einem jungen Vorsitzenden - aber ohne Dirigenten. Die Suche nach einem solchen war erfolglos geblieben. Die einen wollten nicht noch einen weiteren Verein leiten, andere hatten sich entschieden zu pausieren. Um den Neuanfang nicht noch länger hinauszuzögern, starteten 21 Musiker daher einfach so. Ein Saxofonist versuchte die Lücke ein wenig zu schließen. Doch eine Dauerlösung konnte das nicht sein. Bewährt hat sich die Entscheidung, die Proben von Donnerstag auf Freitag zu verlegen. Der Wochentermin war sowohl für Studenten als auch für Berufstätige ungünstig. Unabhängig davon sind regelmäßige Probenzeiten für Schichtdienstarbeitende ähnlich schwer einzuhalten wie für Winzer, die vom Wetter abhängig sind. urs