Besorgnis über Brummi-Unfälle

MORBACH/THALFANG. Verkehrssicherheitsexperten sind besorgt: Die Unfälle mit LKW-Beteiligung haben im Hunsrück erheblich zugenommen. Allein von 2004 auf 2005 stieg ihre Zahl um 18 Prozent. Vor allem mit verschärften Kontrollen wollen die Beamten der hohen Zahl der verletzten LKW-Fahrer begegnen. Auch auf die motorisierten Zweiräder wirft die Polizei in diesem Jahr verstärkt ein Auge.

Zuerst die guten Nachrichten: Anders als in der gesamten Region Trier, ist die Zahl der Verkehrsunfälle im Bereich der Morbacher Polizei-Inspektion (PI), die auch für weite Teile der Verbandsgemeinde Thalfang zuständig ist, im Jahr 2005 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 689 zurückgegangen. Damit setzt sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fort. Auch die Zahl der Toten hat abgenommen. Insgesamt verunglückten 2005 122 Menschen, sieben mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Toten sank allerdings von drei auf zwei. Eine Entspannung auf hohem Niveau registriert die Polizei bei den Wildunfällen von 302 (2004) auf 284 (2005). Am Gesamtunfallgeschehen sind Rehe, Hirsche und Füchse noch immer mit rund 40 Prozent beteiligt.Jeder Zweite ist nicht angeschnallt

Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Unfälle von 81 auf 99 gestiegen. "Das Problem wird uns in den kommenden Jahren begleiten", ist Hermann-Josef Decker überzeugt. Der stellvertretende Morbacher PI-Leiter führt diese Entwicklung auf den zunehmenden LKW-Verkehr vor allem auf der Hunsrückhöhenstraße und der Landesstraße 150 zurück, die als "Zubringer" von der Autobahn-Abfahrt Mehring zum Flughafen Frankfurt-Hahn dient. Auch der Frachtverkehr zwischen dem Hunsrück-Airport und Luxemburg-Findel hat laut Decker erheblich zu genommen. Neben dem wachsenden LKW-Aufkommen im Allgemeinen sucht Decker weitere Gründe in der speziellen Situation der Brummi-Fahrer. Durch den zunehmenden Konkurrenzdruck im Frachtverkehr auf der Straße komme es verstärkt zu Lenkzeitüberschreitungen bei den gestressten Fahrern. Allerdings legt der Beamte auch Wert auf die Tatsache, dass bei den 99 Unfällen auch diejenigen enthalten sind, bei denen andere Verkehrsteilnehmer Verursacher waren. Ob die dritten Fahrspuren bei Hundheim und demnächst bei Immert für eine Entlastung sorgen, kann Decker nicht sagen. Seine lakonische Antwort: "Schauen wir mal." Sorgen bereitet der Polizei auch der mit 20 relativ hohe Anteil an LKW-Fahrern, die verletzt werden. Die Zahl dürfte sich senken lassen, ist Decker überzeugt. Denn nur jeder zweite im Führerhaus schnallt sich nach Polizei-Erkenntnissen an. Grund genug für die Ordnungshüter, diese spezielle Zielgruppe gesondert unter die Lupe zu nehmen. Die Beamten in Morbach führen vergleichsweise viele LKW-Kontrollen durch. Die zweite Klientel, die die Polizei derzeit genauer unter die Lupe nimmt, sind die motorisierten Zweiradfahrer. Sie sind zwar vergleichsweise selten in Unfälle verwickelt, allerdings ist die Zahl der Verletzten unverhältnismäßig hoch. 2004 musste die Polizei wegen dieser Personengruppe 17-mal ausrücken. Ein Mensch kam dabei zu Tode, sieben wurden schwer verletzt. Ein Jahr später sieht die Bilanz schon besser aus: 14 Crashs mit insgesamt fünf schwer Verletzten wurden polizeilich registriert. Diese Entwicklung führt die Polizei unter anderem auf den Einsatz ihres neuen Zweiradtrupps zurück. Auf die alarmierenden Zahlen im Vorvorjahr hatten die Beamten reagiert und ein spezielles Überwachungsteam ins Leben gerufen. So mancher Mofa-Fahrer wurde von den Fachleuten regelrecht ausgebremst. Dann nämlich, wenn es "frisiert" und der dann erforderliche Führerschein beim Fahrer nicht vorhanden war. Auffallend ist bei den Krad-Fahrern, dass die Altersgruppe zwischen 25 und 44 Jahren besonders gefährdet ist. Das führt Decker auf die große Zahl der Wiedereinsteiger zurück. Nach Jahren ohne Fahrpraxis kaufen viele eine durchaus PS-starke Maschine. Lenk- und Bremsfehler verzeihen diese Fahrzeugtypen in der Regel nicht.

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