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Besser Beethoven und Barock als Bauhaus

Besser Beethoven und Barock als Bauhaus

Im sogenannten Beethovenhaus in Köwerich ist alles Geschichte. Von außen präsentiert sich der Barock, innen beherrschen Flohmarktfundstücke aus drei Jahrhunderten die Wohnszenerie. Und eine schöne Geschichte liefert die Vermutung, dass die ehemaligen Hausherrn mit Beethoven verwandt gewesen sein sollen.

Köwerich. Hier sollen also Beethovens Vorfahren mütterlicherseits gewohnt haben! Mitten im Ortskern des Winzerdorfes Köwerich, das sich damals Keverich schrieb, am heutigen St. Kunibertplatz. Ein Wappen an der Hauswand mit dem Konterfei des Komponisten und seiner Mutter Maria Magdalena Keverich drückt ihm seinen Stempel auf.
Eine Straße, die in Köwerich zum Haus führt, wurde nach dem Komponisten benannt. Das Gästemagazin der Römischen Weinstraße und Köwerich selbst werben mit der Verbindung zu dem Musikstar: Das Haus aus der Barockzeit, das seit 2010 unter Denkmalschutz steht, sei das Wohnhaus von Beethovens Urgroßvater gewesen, heißt es. Zumindest trug Beethovens Urgroßvater Johann Heinrich Keverich den Namen des Ortes, wie er sich damals schrieb.
Der Rest ist für Historiker weniger eindeutig. Zumal die Ahnenforscher den Geburtsort des Vorfahren mit Mehring angeben, den seiner Frau mit Trier. Keverich taucht gar nicht auf. Gewissheit gibt es also nicht, aber der Glaube hält sich. Schon oft haben Verehrer des Komponisten an die Tür geklopft, hinter der seit 1975 Wolfgang Götte und seine Frau Ursula leben. "Drinnen ist nichts mehr wie früher", wehrt Wolfgang Götte Neugierige ab.
1974 hat das Ehepaar aus Trittenheim das Haus gekauft und im Erdgeschoss ihren Fernsehtechnik-Betrieb untergebracht. Bei einer Fahrradtour hatten sie das leer stehende Anwesen, das Wohnhaus, Scheune, Ställe und Garten bot, entdeckt.
Große Freude kam bei Wolfgang Götte nach dem Kauf erst mal nicht auf. Schließlich sei das Haus ziemlich marode gewesen, erzählt er. Die morschen Deckenbalken mussten raus, eine neue Heizung rein, von Hand umzustoßende Wände mussten neu gemauert werden. Bis 1993 dauerten die Renovierungsarbeiten. Dann kam das Jahrhunderthochwasser und spülte die Erleichterung über die gelungene Sanierung wieder fort.
Wo das Wasser stand, blühen heute wieder Träume. Wer das Haus betritt, befindet sich mit einem Schritt in der Vergangenheit. Im Flur und in der ehemaligen Stube hängt historische Mode vom Biedermeier bis ins 20. Jahrhundert - sogar Unterwäsche in XXL aus Zeiten, als es die Haut noch stoffreich zu bedecken galt.
Die Leidenschaft der Göttes fürs Historische spiegelt sich auch darin, dass sie alle Hölzer, die bei der Sanierung ausgetauscht werden mussten, nicht entsorgten, sondern dem Haus in anderer Funktion zurückgaben. Eine alte Eichentür haben sie zum Couchtisch umgewandelt, aus alten Deckenbalken haben sie einen Schrank und ein Rosenspalier für den üppigen Bauerngarten hinterm Haus anfertigen lassen.
"Uns ging es darum, den Charakter des Hauses nicht zu zerstören und seinen Stil zu bewahren", erklärt Wolfgang Götte die Herangehensweise. Beethoven hätte sich hier zu Hause gefühlt. So wie die Göttes, denen der auflebende Bauhaustrend viel zu steril ist. Ob Beethovens Urgroßvater nun hier lebte oder nicht, die Göttes lässt das kalt. Sie lieben ihr Haus mit oder ohne großen Namen. Denn romantisch macht es in ihren Augen schon seine Schönheit durch sein Alter.Extra

Stammbaumauszug aus der Linie der Familie Keverich: Beethovens Urgroßmutter wurde in Trier geboren. So viel steht fest. Aber die hergestellte Verknüpfung des sogenannten Beethovenhauses in Köwerich mit Beethovens Urgroßvater mütterlicherseits erscheint manchem Experten fraglich. Laut Ahnentafel stammte dieser nämlich aus Mehring, nicht aus Köwerich: Ludwig van BEETHOVEN, Komponist, getauft 1770 in Bonn, gestorben 1827 in Wien. Beethovens Eltern: Johann van BEETHOVEN, Tenorist an der kurfürstlichen Hofkapelle zu Bonn, geboren 1740 in Bonn, gestorben 1792 in Bonn, und Maria Magdalena KEVERICH, geboren 1746 in Ehrenbreitstein, gestorben 1787 in Bonn. Großeltern: Johann Heinrich KEVERICH, Kurfürstlich Trierscher Oberhofkoch, getauft 1702 in Ehrenbreitstein, gestorben 1759 in Schloß Molsberg und Anna Clara WESTORFF, getauft 1707 in Koblenz, gestorben 1768 in Ehrenbreitstein. Urgroßeltern: Johann Heinrich KEVERICH, Kurfürstlich Trierscher Hofkutscher, geboren um 1660 in Mehring, gestorben um 1709 in Ehrenbreitstein und Eva Catharina ALBER, getauft 1669 in Trier, gestorben 1753 in Ehrenbreitstein. sys/ Quelle: Uni DüsseldorfExtra

Der letzte Bewohner des Beethovenhauses in Köwerich, der aus der Linie von Beethovens Mutter stammen soll, war der Anfang der 1970er Jahre verstorbene Peter Köwerich. Mit 88 Jahren erkannte die Bonner Beethovengesellschaft ihn als Verwandten des großen Sohnes der ehemaligen Hauptstadt an. Zum Zeichen lud ihn die Gesellschaft zum Beethovenfest im Jahr 1970 ein. Eine große Sensation, wie die Zeitungen schrieben. Der Trierer Oberstudiendirektor Alois Backes hatte herausgefunden, dass der Großvater von Beethovens Mutter, Johann Heinrich Keverich, Oberhofkoch des Kurfürsten, aus Köwerich stammte. Peter Köwerich nun sollte über seinen Urgroßvater mit dem Bruder von Beethovens Mutter verwandt sein. Andere Forscher meldeten dagegen Zweifel an dieser These an. sys