Bestattungswald oberhalb von Lieser soll im November eröffnet werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Bestattung : Bestattungswald Lieser: Eröffnung für November geplant

Der erste Bestattungswald im Kreis Bernkastel-Wittlich wird noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Das billigste Urnengrab unter Bäumen wird 500 bis 600 Euro kosten. Die Nachfrage ist bereits groß.

Ob arm oder reich, dick oder dünn – am Tod kommt niemand vorbei. Was sich ändert, sind die Bestattungsformen. Die Beerdigung im Sarg ist mittlerweile eher die Ausnahme denn die Regel. Die Urne hat ihn abgelöst. Aber auch der herkömmliche Friedhof wird seltener die letzte Ruhestätte der Verstorbenen. Im Trend liegen Bestattungswälder. Immer mehr Menschen suchen dort einen Platz für ihre Angehörigen und/oder schon zu Lebzeiten für sich selbst. Zum Beispiel aus Kostengründen, wegen der wegfallenden Grabpflege oder aus dem Wunsch nach Einklang mit der Natur.

Auf der Höhe über Lieser, direkt an der Gemarkungsgrenze zum Kueser Plateau, wird dies (der TV berichtete mehrfach) demnächst wohl auch möglich sein: in einem 16 Hektar großen Waldstück mit mächtigen 150 Jahre alten Eichen und Buchen. Die ersten Urnengrabstellen werden sich in einem drei Hektar großen Bereich befinden. An jedem der vorerst 220 Bäumen stehen jeweils zwölf Plätze zur Verfügung. Die Eichen und Buchen können auch als Familienbäume vergeben vergeben. Die festgeschriebene Ruhezeit liegt bei 99 Jahren.

Das Gelände ist eben und sehr gut begehbar. Parkraum wird vorhanden sein. Wenige Minuten entfernt befindet sich auf dem Kueser Plateau eine Bushaltestelle. Der Eichen- und Buchenmischwald sei für die Mosel ungewöhnlich, sagt Förster Herrmanns. Die Bäume hätten auch die Trockenheit der vergangenen Jahre locker überstanden. Alle seien schon markiert und mit GPS-Daten eingemessen. So lasse sich eine Grabstelle mit einem Handy leicht finden. Die letzte Ruhestätte kann auch am jeweiligen Baum mit einem kleinen Namensschild des Verstorbenen versehen werden.

Nach Auskunft von Revierförster Martin Herrmanns und Ortsbürgermeister Jochen Kiesgen sind alle nötigen Gutachten eingeholt worden. Es fehle nur noch die Genehmigung der Kreisverwaltung. Mit der Stadt Bernkastel-Kues sei über die Verkehrsführung zu dem Gelände gesprochen worden. Auch hier fehle noch ein Beschluss. Herrmanns und Kiesgen hoffen, dass die Eröffnung des Ruheforstes-Mittelmosel-Lieser im November erfolgen kann. Geplant ist ein ökumenischer Gottesdienst. Liege die Genehmigung vor, könnten innerhalb kürzester Zeit die letzten Arbeiten verrichtet werden. Unter anderem werden dann Bänke aufgestellt und es wird ein Besinnungsplatz mit einem Kreuz und einem Rednerpult hergerichtet.

Die Gemeinde Lieser wird Betreiber sein. Unterstützung erhält sie am Anfang von der Ruheforst GmbH, die schon bei 64 Bestattungswäldern in ganz Deutschland als Partner auftritt. Sie streckte auch die bisher angefallenen Kosten vor. Jochen Kiesgen beziffert sie auf 60 000 bis 70 000 Euro. Drauf gingen sie unter anderem für Planungen, Gutachten, Vermessungen und Ausstattung. Die Ruheforst GmbH wird, so Martin Herrmanns, für eine gewisse Zeit an den Einnahmen beteiligt. Die billigste Beisetzung werde etwa 500 bis 600 Euro kosten. Mittelfristig erhofft sich Jochen Kiesgen für die Ortsgemeinde Lieser jährliche Einnahmen von rund 50 000 Euro. Er rechnet mit 100 Beisetzungen pro Jahr.

Herrmanns und die Ortsverwaltung werden seit Bekanntwerden der Pläne im Sommer 2018 mit Anfragen bombardiert. Von Angehörigen verstorbener Personen und von Leuten, die sich selbst schon zu Lebzeiten einen Platz im Wald aussuchen wollen. „Das Verhältnis ist etwa 50 zu 50“, sagt der Ortsbürgermeister. Bei Bestattern stünden auch schon viele mit Asche gefüllte Urnen.

Förster Herrmanns selbst trägt die Idee für einen Bestattungswald schon seit 15 Jahren in sich. Er hat auch schon einen Baum für sich selbst ausgesucht. „Es ist eine schöne Vorstellung nach dem Tod wieder ein Teil des Naturkreislaufes zu werden“, sagt er.

Kontaktstelle für Interessenten, ist die Touristinformation Lieser, Telefon 06531/8746. Die Gemeinde sucht noch Personn, die auf 450-Euro-Basis, Interessenten über das Gelände führen und ihnen die in Frage kommenden Bäume zeigen. Leute mit Einfühlungsvermögen und Empathie können sich bei Ortsbürgermeister Kiesgen unter E-Mail:Gemeinde-Lieser@gmx.de melden.

Mehr von Volksfreund