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Bestseller schlummert in der Bibliothek

Bestseller schlummert in der Bibliothek

Das Kreisarchiv Wittlich ist Hüter von Schätzen, die fast in Vergessenheit geraten sind. Stücke vergangener Zeiten, die Aufschluss über die historische Entwicklung des Kreises geben, werden dort für die Nachwelt aufbewahrt. In einer kleinen Serie werden wertvolle Sammelstücke aus dem Kreisarchiv vorgestellt.

Wittlich. Die Tür öffnet sich. Der Besucher betritt eine andere Welt: die Bibliothek Mehs. Eine Welt aus historischen und beeindruckenden Büchern, die Seite an Seite säuberlich aufgereiht in Holzregalen stehen. Einige sind so alt, dass sie auseinanderzufallen scheinen.
Für die Nachwelt aufbewahrt



Wittlichs ehemaliger Bürgermeister, Bundestagsabgeordneter und Heimatforscher Matthias Joseph Mehs hatte es sich als junger Mann einst zur Aufgabe gemacht, alte Bücher vor allem über die Region zu sammeln. Im Gasthaus seiner Eltern richtete er sich ein Lesezimmer ein. "Mir fehlt eine fünfte Wand", soll er einmal gesagt haben. "Seine Bücher waren der Mittelpunkt der Welt", weiß Claudia Schmitt, Leiterin des Kreisarchivs.
Unter den gesammelten Schätzen von Mehs sind unter anderem ein Wappenbuch von Johann Siebmacher von 1605, das sogenannte "Hexentraktat" aus dem Jahr 1596 und Theodor Mommsens mehrbändige "Römische Geschichte" zu finden.
Abgaben wie zum Beispiel die Pfarrchronik von Stephanus Wiltges, ehemaliger Pastor von Bernkastel und Graach, aus den Jahren 1718 bis 1748 seien laut Schmitt ein Glücksfall für ein Archiv. "Privatpersonen wurden sich der Verantwortung für solch eine Archivalie bewusst und haben sie nach langem Familienbesitz in das Kreisarchiv zur dauerhaften Aufbewahrung gegeben", sagt Schmitt. Doch: "Archivmaterial hat oft nur einen ideellen Wert, der sich schlecht in Geld schätzen lässt", erklärt sie weiter. Ein solches Stück von sehr hohem ideellen Wert ist auch das Wappenbuch von Johann Siebmacher. Veröffentlicht wurde es von Johann Ambrosius Siebmacher, geboren um 1561 in Nürnberg und gestorben am 23. März 1611, ebenfalls in Nürnberg. Bereits 1596 gab Johann Siebmacher erstmals 19 Tafeln von Wappen im Kupferdruck heraus. Diese Tafeln gelten heute als Keimzelle seines späteren Mammutwerkes. Das Wappenbuch von 1605 bildet den ersten Band der Sammlung.
Lediglich drei Seiten seines Wappenwerks, das dem Kreisarchiv vorliegt, sind koloriert. Auf einigen Seiten hat Johann Siebmacher zudem einzelne Wappen ausgemalt. Alle Wappen der Fürsten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sind in dem Buch nach Geschlecht und Herkunft verzeichnet. Mehr als 3320 Wappen finden sich insgesamt im Buch.
Karl Schottenloher, Buchwissenschaftler und Bibliothekar, bezeichnete Siebmachers Wappenbuch in seinem Buch "Eine Kulturgeschichte des Buches" einst als eine der erfolgreichsten Verlagsunternehmungen des 17. Jahrhunderts, also quasi als Bestseller. Tatsächlich hatte Siebmachers Werk großen Erfolg und wurde immer wieder neu aufgelegt und veröffentlicht. Die Sammlung ist über Jahrhunderte gewachsen, ausgehend vom ersten Band von 1605 und wurde immer wieder von anderen Autoren fortgeschrieben. skExtra

Das Kreisarchiv beherbergt nicht nur die Bibliothek Mehs. Auch die Heimatbücherei mit mehr als 8000 Publikationen über die Region Eifel-Mosel-Hunsrück und ein Personenstandsarchiv mit Geburtenbüchern, Heirats- und Sterbeurkunden sind hier untergebracht. Die Schulchroniken, in denen auch das Ortsgeschehen notiert wurde, sind laut Schmitt eine zeitgeschichtliche Dokumentation für fast jeden Ort der Region. Weitere bibliophile Schätze des Kreisarchivs sind die Synagogenakte sowie ein Zeitungs- und das Kreisbildarchiv. sk