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Besuch eines jüdischen Auswanderers

Besuch eines jüdischen Auswanderers

Mit seinen jüdischen Eltern ist der gebürtige Bausendorfer Edgar Lewis 1933 nach Amerika ausgewandert. Er stattete nun mit seinem Sohn und seinen Enkeln seinem Geburtsort einen Besuch ab. Mit Ortsbürgermeister Ossi Steinmetz und Zeitzeugen entwickelte sich ein intensives und bewegendes Gespräch.

Bausendorf. (red) Kurzfristig hatte sich Edgar Lewis aus dem amerikanischen Miami mit seinem Sohn und drei erwachsenen Enkelkindern zu Besuch in der Ortsgemeinde Bausendorf angesagt. Edgar Lewis wurde 1933 als Sohn von Max Levi, einem jüdischen Mitbürger und Besitzer einer Gemischtwarenhandlung, in Bausendorf geboren. Die Familie verließ im Dezember 1933 wegen des Nazi-Terrors Bausendorf und wanderte nach Nordamerika aus.

Ortschef und Zeitzeugen bereiten herzlichen Empfang



Gut vorbereitet auf den Besuch empfing Ortsbürgermeister Ossi Steinmetz mit den Zeitzeugen Anni Reinholz, Walter Neuwinger und Werner Cuy die Gäste. Es war ein herzlicher Empfang, und es entwickelte sich in gegenseitiger Achtung und Anerkennung sogleich ein offenes Gespräch über die Zeit der jüdischen Familien in Bausendorf. Namen und Einzelheiten wurden ausgetauscht.

Bausendorf hatte damals nach Wittlich die größte jüdische Gemeinde im damaligen Kreis Wittlich. 1895 waren es 46 jüdische Mitbewohner bei einer Gesamteinwohnerzahl von 585, 1927 waren es dann noch 24. Acht Häuser wurden zuletzt noch von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bewohnt, auch das Geburtshaus von Edgar Lewis.

Lewis hatte im Haus Kondelstraße 6 gewohnt, das bis 2005 noch als Geschäftshaus geführt wurde. In Bausendorf gab es zudem in der Koblenzerstraße neben dem Haus Nummer 9 eine Synagoge, die inzwischen abgerissen ist. Noch heute existiert der gut erhaltene und von der Ortsgemeinde gepflegte jüdische Friedhof. Er liegt an der Bundesstraße 421 in Richtung Kinderbeuern.

Im Laufe des Gespräches, das von beiden Seiten immer interessierter und auch intensiver geführt wurde, stellten die Beteiligten viele Gemeinsamkeiten fest. Sie erinnerten sich auch besonders an den offenen und freundschaftlichen Umgang mit der jüdischen Bevölkerung, insbesondere unter den Kindern und Jugendlichen, in der damaligen Zeit.

Das Gespräch fand seinen Abschluss in der Feststellung, dass die schrecklichen Geschehnisse der NS-Dikatatur nicht vergessen werden dürfen. Die Gäste waren zur Vergebung der heutigen Generation gegenüber bereit. Mit einer gewissen Dankbarkeit gingen beide Seiten auseinander.

Ortsbürgermeister Ossi Steinmetz zeigte abschließend den Gästen die ehemaligen jüdischen Häuser, unter anderem das Geburtshaus von Edgar Lewis, die alte Schule, die gemeinsam mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern besucht wurde, und den jüdischen Friedhof. Hier war man besonders gerührt, aber auch dankbar für den sehr ordentlichen Zustand der Anlage.

Gesprächsteilnehmer entdecken Gemeinsamkeiten



Die Grabsteine der Großeltern und der Urgroßeltern von Edgar Lewis auf dem Friedhof zu finden, war dann für die Besucher von besonderer Bedeutung. Freundschaftlich und in gegenseitiger Achtung verabschiedete man sich zur Weiterfahrt nach Zell, dem Geburtsort der Mutter.

Interessiert und dankbar nahm man Ausarbeitungen aus der "Alftalchronik" über das Leben jüdischer Familien im Alftal und auch den Bildband der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf mit auf die Heimreise.